Neue Regelung der Unfallversicherung

Waldarbeiten vereinfacht: Holzernter darf jetzt Bäume umschubsen

Bäume umschubsen mit dem Holzernter: Das ist jetzt mit einem Harvester offiziell gestattet und wurde in Riefensbeek im Harz Experten aus ganz Deutschland vorgeführt.
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Bäume umschubsen mit dem Holzernter: Das ist jetzt mit einem Harvester offiziell gestattet und wurde in Riefensbeek im Harz Experten aus ganz Deutschland vorgeführt.

Eine neue Regelung der Unfallversicherung vereinfacht künftig Waldarbeiten: Der Holzernter darf jetzt Bäume umschubsen.

Riefensbeek - Das Schadholz in den Wäldern macht mittlerweile einen großen Anteil der jährlichen Holzernte ein. Vom Borkenkäfer getötete Fichten, durch Trockenheit abgestorbene Buchen und vom Triebsterben geschwächte, abgängige Eschen: Sie alle haben gemein, dass von ihnen erhöhte Gefahren ausgehen, wenn ein Forstwirt die Motorsäge ansetzt und anschließend mit Hammerschlägen den Baum umkeilt, damit er in die gewünschte Richtung fällt.

Wesentlich gefahrloser ist es, wenn eine Holzerntemaschine, ein so genannter Harvester den Baum umsägt. Doch in der Praxis hat sich herausgestellt, dass viele der Bäume schlichtweg zu dick sind und der Harvester sie nicht umfassen, geschweige denn gefahrlos fällen kann. Deshalb werden die Methoden häufig kombiniert: Der Forstwirt bereitet den Baum zur Fällung vor, der Harvester oder ein Bagger drückt mit seinem Fällkopf den Stamm um. Was sich in der Praxis etabliert hat, ist dennoch heikel und eine rechtliche Grauzone. Denn im Arbeitsbereich des Harvesters dürfen sich eigentlich keine Menschen aufhalten.

Waldarbeit mit Forstmaschinen: Hohe Unfallzahlen könnten gesenkt werden

Auch die Land- und forstwirtschaftliche Sozial- und Unfallversicherung (SVLFG) mit Sitz in Kassel kennt das Problem und hat jetzt gemeinsam mit dem Deutschen Forstunternehmerverband (DFUV) mit Sitz in Göttingen eine Empfehlung zur so genannten „Motormanuellen Fällung mit Kranunterstützung“ (oder auch MFK-Methode) entwickelt. Jetzt kamen Forstunternehmer und Vertreter von Forstverwaltungen aus ganz Deutschland nach Riefensbeek in den Harz, um sich das Verfahren anzuschauen.

Jährlich fast 30 Tote bei der Waldarbeit seien in Deutschland zu beklagen, sagt Klaus Klugmann von der SVLFG. Der weit überwiegende Teil der Leute kommt bei der Holzernte mit Motorsägen ums Leben, vor allem durch unkontrolliert umstürzende Bäume oder wenn tote Äste und Kronenteile des fallenden Baumes aus großer Höhe auf den Motorsägenführer fallen. Daher sei die Unterstützung durch Forstmaschinen auch deshalb eine gute Wahl, weil dadurch die Unfallzahlen gesenkt werden könnten. Denn bei der Holzernte durch Maschinen gebe es keinen einzigen tödlichen Unfall.

Es geht schneller: Der Maschineneinsatzhilft den Forstwirten bei ihrer Arbeit.

Sicher und rechtskonform: Empfehlungen für Waldarbeit angepasst

Klugmann stellte klar, dass das kombinierte Verfahren ein Graubereich sei: „Weder haben wir das in der Vergangenheit verboten noch werden wir es künftig erlauben.“ Da es jedoch in der Praxis angewendet werde, habe man als SVLFG gemeinsam mit dem DFUV an die Arbeit gemacht und Handlungsempfehlungen sowie Checklisten erarbeitet, wie dieses Verfahren sicher und rechtskonform angewendet werden könne.

Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Kommunikation untereinander über Helmfunk sowie eine gemeinsame Gefährdungsbeurteilung: In welche Richtung neigt sich der Baum, sind Totäste erkennbar, könnten benachbarte Bäume eine Gefahr darstellen? Die Kommunikation zwischen den beiden Beteiligten müsse klappen und diese Hand in Hand arbeiten. Praktisch sieht das so aus, dass der Forstwirt eine besondere Schnitttechnik anwendet, dann die Säge ausstellt und sich aus dem Gefahrenbereich entfernt, der Harvester oder Bagger dann den Baum in die gewünschte Richtung umdrückt. (Christian Mühlhausen)

Experten: Neue Empfehlungen für Maschineneinsatz sind wichtiges Signal

Experten sind der Meinung, dass die neuen Handlungsempfehlungen für den Einsatz der Holzerntemaschinen ein wichtiges Signal in einer bewegten Zeit ist. Denn immer häufiger müssen im Wald absterbende, kranke Bäume aus Verkehrssicherungsgründen abgesägt werden, etwa an Wanderwegen, Stromleitungen, Bahnlinien und Forststraßen. Hinzu komme, dass das Verfahren auch an öffentlichen Straßen bei Alleebäumen angewendet werden könne, so die Ansicht von Dr. Maurice Strunk, Geschäftsführer des Deutschen Forstunternehmerverbandes und Klaus Klugmann von Land- und forstwirtschaftlichen Sozial- und Unfallversicherung.

Der Appell beider Experten an die Auftraggeber ist dabei, solche Arbeiten nicht im Akkord, sondern im Zeitlohn auszuschreiben. Denn derartig sicherheitsrelevante Tätigkeiten, bei denen Menschenleben gefährdet werden könnten, vertrügen keinen Stress und Zeitdruck. (phl)

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