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War Attacke an der Bushaltestelle in Göttinger City versuchte Tötung?

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Von: Heidi Niemann

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Bushaltestelle Einkaufszentrum Carré in Göttingen: Dort wurde im Sommer 2021 ein Student brutal attackiert und schwer verletzt. Der Prozess läuft seit Mai.
Bushaltestelle am Einkaufszentrum Carré in Göttingen: Dort wurde im Sommer 2021 ein Student brutal attackiert und schwer verletzt. Der Prozess läuft seit Mai. © Thomas Kopietz

Mehrere junge Männer „erwarten“ einen 36-Jährigen im Sommer 2021 an einer Bushaltestelle in Göttingen. Was folgt, sind brutale Gewaltattacken. Die haben Folgen.

Göttingen – Ein Jahr nach einer brutalen Gewaltattacke von mehreren jungen Männern an der Bushaltestelle vor dem Göttinger Einkaufszentrum Carré hat der Fall jetzt eine Wendung genommen: Das Amtsgericht Göttingen hat am Dienstag in dem seit Mitte Mai laufenden Prozess gegen sieben Angeklagte entschieden, das Verfahren an das Landgericht Göttingen zu verweisen.

Staatsanwaltschaft: Hinreichender Verdacht auf versuchte Tötung

Nun besteht der hinreichende Verdacht, dass es sich entgegen der bisherigen Anklage nicht nur um eine gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung, sondern um ein versuchtes Tötungsdelikt handeln könnte.

Verbrechen mit einer entsprechend hohen Strafandrohung können nicht mehr vor dem Amtsgericht verhandelt werden.

Die Staatsanwaltschaft begründete ihren Antrag auch damit, dass sowohl die bisherigen Zeugenaussagen als auch die Auswertung von Videoaufnahmen der Überwachungskameras am Bus neue Erkenntnisse erbracht hätten. Aus der Rekonstruktion des Gesamtgeschehens ergebe sich der Verdacht, dass die Angeklagten mit hoher Wahrscheinlichkeit in Tötungsabsicht agiert hätten.

Gewaltattacke: Sieben mutmaßliche Täter sind 15 bis 21 Jahre alt

Die Staatsanwaltschaft wirft den sieben Angeklagten im Alter zwischen 15 und 21 Jahren vor, Ende Juni vergangenen Jahres einen 36-Jährigen beim Aussteigen aus dem Bus abgefangen und mit Schlägen und Tritten attackiert zu haben.

Laut Anklage soll einer von ihnen dem Studenten mit einem schlagstockähnlichen Gegenstand gegen den Kopf geschlagen haben, so dass dieser für kurze Zeit das Bewusstsein verlor und zu Boden ging. Alle Angeklagten – zwei von ihnen haben die serbische, die übrigen die deutsche Staatsangehörigkeit – hätten dann gemeinsam auf das Opfer eingetreten. Dann flüchteten sie. Der 36-Jährige erlitt durch die brutalen Schläge und Tritte auch großflächige Hämatome am Kopf und am Oberkörper sowie einen Nasenbeinbruch.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft nach der Tat wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt. Da sich dieser Verdacht dann aufgrund der damaligen Beweislage offenbar nicht hinreichend erhärten ließ, wurde am Ende Anklage wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Gewaltattacke: Anlass war ein Vorfall am Badeparadies Eiswiese

Anlass für die Gewaltattacke war laut Ermittlungen ein Vorfall am Badeparadies Eiswiese: Als der 36-Jährige dort abends auf den Bus wartete, wurde er auf ein Gerangel und Geschubse in einer Vierergruppe von jungen Leuten aufmerksam. Da er Sorge hatte, dass die beiden männlichen Jugendlichen gegenüber den beiden Mädchen gewalttätig werden könnten, bat er sie, damit aufzuhören. Daraufhin bekam er vonseiten der männlichen Jugendlichen zu hören, dass er sich nicht einmischen solle.

Gewaltattacke: Männer stiegen mit in den Bus

Als der 36-Jährige in den Bus stieg, um in die Innenstadt zu fahren, sollen diese ihm gefolgt sein. Während der Fahrt soll einer von ihnen mit seinem Handy die anderen Angeklagten herbeitelefoniert haben, um gemeinsam den 36-Jährigen anzugreifen. Als der Student um kurz vor 23 Uhr an der Endhaltestelle am Carré ausstieg, sollen die Angeklagten ihn abgefangen haben.

In der Verhandlung am Dienstag wurden mehrere Videoaufnahmen gezeigt, die von den Überwachungskameras im Bus stammten. Darauf ist auch zu sehen, wie ein neben dem Bus stehender Mensch immer wieder Schwung holt und dann mit voller Wucht auf etwas tritt, das offenbar direkt neben dem Bus am Boden liegt.

Gewaltattacke: Opfer war dem Angriff schutzlos ausgeliefert

Laut Staatsanwaltschaft war das Opfer dem Angriff schutzlos ausgeliefert. Mehrere Zeugen hätten ausgesagt, dass sie gedacht hätten, dass der am Boden liegende Mensch tot sei.

Da sich die Angeklagten in einem Halbkreis um das Opfer positioniert hätten und niemand von ihnen versucht habe, die anderen zurückzuhalten, müssten sich alle diese Gewalttat zurechnen lassen.

Gewaltattacke: Nebenklage fordert Anklage wegen „gemeinschaftlichen versuchten Mordes“

Der Vertreter der Nebenklage ging noch weiter. Er beantragte, das Verfahren an die Jugendkammer des Landgerichts als Schwurgericht zu verwiesen und dort wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes zu verhandeln. Außerdem sollte gegen alle Angeklagten ein Haftbefehl erlassen werden, da diese aufgrund des gravierenden Tatvorwurfs langwierige Strafen zu erwarten hätten und somit Fluchtgefahr bestehe. (Heidi Niemann)

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