Ganztägige Aktion

Warnstreik: Alle Göttinger Stadtbusse fielen für einen Tag aus

Warnstreik bei den Göttinger Verkehrsbetrieben
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Warnstreik bei den Göttinger Verkehrsbetrieben: Viele Mitarbeiter hatten sich an der Ausfahrt des Betriebshofes postiert. Am Mittwoch fielen wegen der Streikaktion alle Stadtbusse aus. Fahrgäste warteten vergeblich an den Haltestellen

Viele Fahrgäste warteten am Mittwoch in Göttingen vergeblich auf den Stadtbus. Die Beschäftigten der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) waren zum zweiten Mal innerhalb einer Woche zum Warnstreik aufgerufen.

Göttingen – Sie waren erneut für einen Rahmentarifvertrag, über den die öffentlichen Arbeitgeber bislang nicht verhandeln wollen, im ganztägigen Ausstand. „Wir brauchen den neuen Vertrag, damit sich die Arbeitsbedingungen für die Kollegen endlich verbessern“, sagt Carsten Syring, Vertrauensmann von Verdi. Er organisierte am Mittwoch den Warnstreik vor dem Betriebshof der GöVB.

„Wir haben inzwischen mehr als 30 Auszubildende, die Berufskraftfahrer werden wollen. Ihnen müssen wir eine langfristige Perspektive bilden, damit sie im Beruf bleiben können“, sagte Syring.

Die Göttinger GöVB-Mitarbeiter haben wie andere Beschäftigte von Nahverkehrsunternehmen in Deutschland konkrete Forderungen, die sie symbolisch auf einem überdimensionalen Herz deutlich machten.

Zusätzliche Entlastungstage: Die GöVB-Mitarbeiter fordern zusätzliche freie Tage, die insbesondere zur Gesundheitsvorsorge genutzt werden können;

Wechselschichtzulage: Beschäftigte in anderen Branchen bekommen Schichtzulagen für den ständigen Wechsel der Dienstschichten. Beim Fahrdienst der GöVB gibt es dies nicht;

Beginn und Ende der Arbeitszeit auf dem Betriebshof;

Vergütung von Verspätungen: Die Beschäftigten wollen, dass Verspätungen beim Schichtende durch Probleme im Fahrbetrieb (zum Beispiel Stau) ab der ersten Minuten vergütet werden;

30 Tage für Urlaub für alle: Bislang bekommen Neueinsteiger nur 28 Tage Urlaub bei den GöVB;

Ausrechnung der Ausbildungszeit: Aktuell wird die Ausbildung nicht auf die Betriebszugehörigkeit angerechnet;

Verkürzung der Stufenlaufzeiten: Bislang dauert es 25 Jahre, um in der jeweiligen Entgeltgruppe von der Stufe 1 in die Endstufe 6 zu kommen. Diese Laufzeiten sollen deutlich verkürzt werden;

Sonderzahlung 100 Prozent: Bislang wird 86 Prozent Weihnachtsgeld bei den GöVB zuzüglich Erfolgsprämie gezahlt. Gefordert werden 100 Prozent für alle.

Ein Busfahrer bei den Göttinger Verkehrsbetrieben verdient als Einsteiger etwa 2500 Euro brutto monatlich inklusive Zuschläge. „Deshalb geht es bei der aktuellen Tarifrunde auch nicht um das Thema Gehaltserhöhungen. Im Mittelpunkt steht die Verbesserung der Arbeitsbedingungen“, sagt Verdi-Vertrauensmann Syring.

Das Problem: Bislang weigern sich die Arbeitgeberverbände, über die bundesweiten Forderungen zu verhandeln. Die Göttinger Verkehrsbetriebe haben etwa 400 Beschäftigte, davon mehr als 250 im Fahrdienst auf den Bussen.

Kritik an den Tarifforderungen kommt vom kommunalen Arbeitgeberverband Niedersachsen. Nach dessen Berechnungen summieren sich die Punkte auf ein Volumen von 20 Prozent. „Die derzeitige Forderung von Verdi ist absurd“, heißt es von dort. Der Verband ist sich sicher: „Die Erhöhungen bezahlen am Ende immer die Steuerzahler“, heißt es in einer Stellungnahme. (Bernd Schlegel)

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