Warnstreiks in Südniedersachsen

IG Metall macht mit Warnstreik Druck – 30 Betriebe beendeten Arbeit vorzeitig

Ein Herr und eine Dame stehen in Abstand voneinander vor einem Gebäude mit Fenstern, zwischen ihnen ein Banner.
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Zusammenstehen trotz Abstandhalten: Piller-Betriebsräte Ingo Schlange und Monika Meyer vor dem Werkstor in Osterode. (Repro)

Mit Warnstreiks haben am Dienstag Beschäftigte von 30 südniedersächsischen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie der Forderung eines „Zukunftspakets“ Nachdruck verliehen.

Göttingen – Die Industriegewerkschaft Metall (IGM) hatte angesichts stockender Tarifverhandlungen ihre Mitglieder dazu aufgerufen, eine Stunde früher Feierabend zu machen. Auf Kundgebungen wurde wegen der Corona-Pandemie erst einmal verzichtet.

Zukunftspaket passt sich an Situation der Firmen an

„In dieser verrückten Zeit braucht es unkonventionelle Lösungen“, erklärte Dietmar Müller, Betriebsratsvorsitzender des Göttinger Laborzulieferers Sartorius Stedim Biotech.

Das Zukunftspaket, das die IG Metall den Arbeitgebern anbiete, funktioniere nach dem „Baukastensystem“. Die Elemente ließen sich an die „unterschiedlichen Situationen der Firmen und Belegschaften“ anpassen. In einem systemrelevanten Unternehmen wie Sartorius ließen sich die Entgelte der Mitarbeiter um vier Prozent erhöhen.

„In anderen Firmen kann die Arbeitszeit verkürzt werden, um Beschäftigung zu sichern und so Fachkräfte zu halten“, ergänzte André Sander, der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Süd-Niedersachsen-Harz. Die Beschäftigten kämen so Unternehmen entgegen, wo die Auftragslage derzeit „eher verhalten“ sei.

Bovender Firma Minebea Intec kam bisher gut durch Krise

Mehr Geld wünschen sich die 130 größtenteils gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter, die die Firma Minebea Intec in Bovenden beschäftigt, berichtete der dortige Betriebsratsvorsitzende Klaus Breitenbach.

Die einstige Sartorius-Sparte, die 2014 an einen japanischen Konzern verkauft wurde, stellt Waagen für die Lebensmittel- und die Pharmaindustrie her. „Wir sind bisher gut durch die Krise gekommen“, sagt Breitenbach.

„Wir stehen absolut hinter den Forderungen der IG Metall, auch wenn wir uns am Dienstag aus betriebstechnischen Gründen nicht am Warnstreik beteiligt haben“, berichtet Heiko Henne, der dem Betriebsrat bei Novelis in Göttingen vorsitzt.

Das Aluminumwerk habe von der Krise profitiert. Aufgrund strenger Corona-Auflagen seien sie im Gegensatz zu Mitbewerbern bisher trotz Pandemie immer lieferfähig gewesen.

Auftragslage bei Firmen ist jetzt normal bis positiv

„Viele südniedersächsische Metall- und Elektrounternehmen haben während der Pandemie über Kurzarbeit nachgedacht“, berichtet der IGM-Bevollmächtigte Sander. Einige hätten das auch im vergangenen Jahr umgesetzt, darunter die Firma Piller aus Osterode, ergänzte deren Betriebsratsvorsitzender Ingo Schlange.

Der „überwiegende Teil“ der Firmen, so Sander, sei aber derzeit wieder aus der Kurzarbeit heraus. Die Auftragslage sei nun „normal bis positiv“.

Die IG Metall, die sich im vergangenen Jahr mit den Arbeitgebern auf ein Moratorium geeinigt habe, stelle nun Forderungen. Reagierten die Arbeitgeber darauf nicht, werde es wohl noch vor Ostern „punktuelle Aktionen“ geben. (Michael Caspar)

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