Krisenstabschefin Broistedt hat Grund zur Sorge

Warten auf Pakete in Göttingen: „Alles hängt an Impfstofflieferungen“

Sozialdezernentin Petra Broistedt
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Enttäuscht über Ankündigung, dass weniger Impfstoff kommen soll – Petra Broistedt wirbt aber für das Impfen, wie bei der Pressekonferenz am Freitag.

Göttingen – Die Corona-Infektionszahlen im Landkreis und der Stadt Göttingen sind anhaltend hoch – stabil im negativen Sinne. Das ist für Petra Broistedt, Leiterin des Corona-Krisentabs der Stadt und Sozialdezernentin, weiter Grund zur Sorge.

Das macht Broistedt im Interview mit unserer Zeitung deutlich.

Frau Broistedt, wie bewerten Sie die aktuelle Pandemie-Lage für Göttingen?
Wir standen bisher vergleichsweise stets gut da. Aber die Lage ist nach wie vor besonders ernst. Wir haben meist zwischen 60 und 80 Infektionen pro Tag, manchmal sogar bis zu 90. Insgesamt hatten wir bis Freitag 4441 Infizierte – seit dem 10. März 2020. 138 Menschen sind leider an und mit Corona verstorben. Das dramatische an der augenblicklichen Situation ist, dass ein Drittel der Infizierten aus den vergangenen zwei Monaten sind. Die Infektionsrate ist enorm gestiegen.
Was bereitet Ihnen in diesen Tagen, da wir wohl mit noch härteren Eingriffen in das Alltagsleben stehen, Zuversicht?
Ein Lichtblick ist das Impfen und bevorstehende Zulassung weiterer Impfstoffe. Sobald wir eine große Zahl der Göttingerinnen und Göttinger durchgeimpft haben, sind wir alle besser geschützt. Das muss unser Ziel sein. Deshalb bin ich glücklich, dass wir mit dem Impfen starten konnten, das Impfzentrum seit 15. Dezember startbereit haben.
Das stimmt, aber seit dem 15. Dezember wurde am Anna-Vandenhoeck-Ring noch nicht geimpft...
Alles hängt an den Impfstoff-Lieferungen. Zunächst sollten im Dezember Lieferungen kommen. Die kamen im Januar. Dann sollten pro Woche 1000 Dosen kommen, jetzt sind es alle zwei Wochen knapp 1000. Wir sind sehr vorsichtig damit, Prognosen über Impfungen und Mengen abzugeben. Es wird alles davon abhängen, wann wir die nächste Tranche Impfstoff bekommen werden – und welche Menge. Das liegt leider nicht in unseren Händen, sondern bei Land und Bund. Ich hoffe, dass sich die Verantwortlichen alle Mühe geben, um schnell und stetig die Impfzentren zu beliefern.
Am Freitagabend kam die Meldung, dass Biontech/Pfizer wegen Produktionsausfällen noch weniger liefern wird, damit auch Ihre Planungen in Göttingen beeinflusst werden...
Das ist leider richtig. Ob, wann und in welchem Umfang wir in Göttingen betroffen sein werden, wissen wir noch nicht. In jedem Fall beeinflusst diese Botschaft unsere Planungen, möglicherweise auch den Startzeitpunkt dieses Impfzentrums. Denn zunächst müssen die Erstimpfungen in den Altenheimen beendet und die Zweitimpfungen dort vorgenommen werden.

Karte: Impfzentren in Stadt und Landkreis Göttingen

Manche sind enttäuscht, warten zunehmend ungeduldiger auf die Impfung...
Ich verstehe die Enttäuschung vieler Menschen, die zunehmend auch ungeduldiger auf die Impfung warten. Diese Verzögerung ist wirklich ärgerlich. Für Einige ist das tatsächlich eine starke Belastung. Fakt ist, wie gesagt: Es ist augenblicklich nicht genug Impfstoff da. Aber es ist eine Anfangsphase. Wir bitten um etwas Geduld. Und: Wir sind startklar, können sofort weiter mit den mobilen Teams impfen und könnten auf der Stelle im Impfzentrum loslegen – und insgesamt locker am Tag 1000 Impfungen schaffen. Dennoch: Mit Blick auf den Beginn der Pandemie und die Prognosen können wir uns trotzdem glücklich schätzen, nach knapp einem Jahr einen Impfstoff zu haben – und möglicherweise auch bald mehrere Alternativen. Das sollte man nicht vergessen.
Die Mitarbeiter im Impfzentrum wollen loslegen, was tun sie jetzt?
Sie sind eigentlich für das Impfen zuständig, aber sie haben sehr viel in der Halle gemacht, Räume mit eingerichtet, Laufwege farblich markiert, Verschönerunen vorgenommen, sie wurden geschult und haben die Impfabläufe geprobt. Wir halten uns mit Arbeit bei Laune.
Wie ist die Impfbereitschaft bei Bewohnern und Mitarbeitern in den bisher geimpften Altenheimen in Göttingen?
Wir haben eine Impfbereitschaft bei den Bewohnerinnen und Bewohnern von Altenpflegeheimen von über 90 Prozent. Impfen ist für die alten Menschen, die während der Pandemie ja lange in ihren Einrichtungen bleiben mussten, der Lichtblick auf dem Weg dahin, auch wieder Herausgehen zu können. Bei einzelnen Pflegerinnen gibt es auch skeptische Einstellungen. Sie wollen erst einmal abwarten und schauen, wie der Impfstoff von Biontech/Pfizer wirkt. Ich betone immer wieder: Mit einer solchen Intensität ist noch kein Impfstoff auf der Welt vorbereitet und getestet worden. Er wird weltweit eingesetzt, überall werden Wirkung und Nebenwirkungen beobachtet. In der Europäischen Union ist er von 27 Staaten geprüft worden. Er ist sicher und hat wenig Nebenwirkungen. Ich würde ihn jedem empfehlen und appelliere: Bitte lasst Euch impfen, es ist die einzige Möglichkeit, um diese Pandemie einzudämmen. (Thomas Kopietz)

Zur Person: Petra Broistedt

Petra Brostedt ist seit Oktober 2016 Kultur- und Sozialdezernentin der Stadt Göttingen. Davor war sie Kreisrätin für Soziales, Planen und Bauen beim Landkreis Hameln-Pyrmont. Die studierte Sozialpädagogin war zuvor Leiterin des Fachdienstes „Besondere soziale Dienste“ bei der Stadt Göttingen sowie Frauenbeauftragte und Persönliche Referentin des Landrats im Kreis Holzminden. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Göttingen. (Bernd Schlegel)

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