Internationale Untersuchung

Was verrät die Stimme? Uni Göttingen leitet Forschungsteam, das Zusammenhang zur Persönlichkeit untersucht

Eine Frau sitzt mit einem Stift in der Hand an einem Schreibtisch und füllt einen Fragebogen aus
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Befragung und Tonaufnahmen: Mehr als 2000 Testpersonen füllten Fragebögen aus, um verschiedene Aspekte ihrer Persönlichkeit feststellen zu können.

Die Uni Göttingen leitet ein Forschungsteam, das den Zusammenhang zwischen Stimme und Persönlichkeit untersucht. Einige Persönlichkeitsaspekte scheinen in der Stimme erkennbar.

Göttingen – Wohl jeder hat sich schon einmal vom Klang einer Stimme verzaubern lassen. Aber können wir unseren Ohren trauen? Was kann eine Stimme über unseren Charakter verraten? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen hat gezeigt, dass Menschen zumindest einige Aspekte ihrer Persönlichkeit mit ihrer Stimme auszudrücken scheinen.

Die Forscherinnen und Forscher hätten herausgefunden, dass eine tiefere Stimmlage mit Personen in Verbindung gebracht werde, die dominanter, extrovertierter und soziosexueller seien, also mehr Interesse an Gelegenheitssex hätten, meldet die Uni Göttingen.

Die Ergebnisse gälten sowohl für Frauen als auch für Männer. Über ihre Studie berichten die Forscher im Journal of Research in Personality.

Arbeitsgruppe der Uni Göttingen: Daten von mehr als 2000 Teilnehmern

Grundlage der Erkenntnisse waren die Daten von mehr als 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Testpersonen füllten Fragebögen aus, um die eigene Persönlichkeit zu beurteilen. Tonaufnahmen ihrer Stimme wurden mit einem Computerprogramm vermessen, um die exakte Tonhöhe zu bestimmen.

Es sei die erste Studie dieser Art, bei der ein objektives digitales Maß für die Stimmhöhe anstatt subjektiver Bewertungen wie „hoch“ oder „tief“ verwendet worden sei, so die Hochschule. Die Sexualität der Testpersonen schätzten die Forscher ein, indem sie deren Antworten über sexuelles Verhalten, Einstellung und Verlangen analysierten.

Sie sammelten auch Daten, um einzuschätzen, wie dominant, neurotisch, extrovertiert, offen für Erfahrungen, umgänglich und gewissenhaft sie sind.

Arbeitsgruppe der Uni Göttingen: Möglich, dass Eigenschaften mit Stimmlage ausgedrückt werden

Ergebnis: Menschen mit tieferen Stimmlagen sind laut der Studie dominanter, extrovertierter und häufiger an Sex außerhalb einer Beziehung interessiert. Die Beziehung zwischen der Stimmlage und anderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Umgänglichkeit, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit oder Offenheit scheine hingegen weniger klar zu sein, berichten die Wissenschaftler.

Es sei möglich, dass diese Eigenschaften nicht mit der Stimmlage ausgedrückt würden. Zwischen Männern und Frauen fand das Team keinen Unterschied.

Arbeitsgruppe der Uni Göttingen: „Fangen auch an, Annahmen über Vertrauen und Dominanz zu treffen“

„Die Stimmen von Menschen können uns stark und unmittelbar beeindrucken“, sagt Erstautorin Dr. Julia Stern von der Arbeitsgruppe Biologische Persönlichkeitspsychologie der Uni Göttingen. „Auch, wenn wir nur die Stimme hören – zum Beispiel am Telefon – wissen wir ziemlich schnell, ob wir mit einem Mann, einer Frau, einem Kind oder einer älteren Person sprechen. Wir nehmen wahr, ob die Person interessiert, freundlich, traurig, nervös klingt und ob sie eine attraktive Stimme hat. Wir fangen auch an, Annahmen über Vertrauen und Dominanz zu treffen.“

Dies veranlasste Stern zur Frage, ob diese Annahmen gerechtfertigt sind. „Der erste Schritt war, zu untersuchen, ob Stimmen tatsächlich mit der Persönlichkeit von Menschen zusammenhängen. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen tatsächlich einige Aspekte ihrer Persönlichkeit mit ihrer Stimme auszudrücken scheinen.“ (Kornelia Schmidt-Hagemeyer)

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