Wenn sie groß sind, ziehen sie in den Wildtierpark Edersee

Waschbär-Findlinge aus Göttingen: Baby-Alarm auf Wildtier-Station

Babyalarm: Regina Reineke und ihr Sohn Mika kümmern sich derzeit um vier kleine Waschbären. Sie werden zukünftig ein neues Zuhause im Waldpark Edersee finden. Foto: Schlegel

Göttingen/Jühnde. Seit einigen Tagen ist im Haus von Regina Reineke Babyalarm. Vier kleine Waschbären werden von der Jühnderin groß gezogen.

Reineke betreibt in der kleinen Ortschaft bei Dransfeld eine Wildtierauffangstation. Vergangene Woche wurde ein Waschbär-Trio, zwei Fähen und ein Rüde, bei Erdarbeiten in Göttingen entdeckt. Mitarbeiter des Naturschutzbundes (Nabu) riefen bei Reineke an und baten um Hilfe. Zwei Tage zuvor hatte sich eine Freundin bei Reineke gemeldet. Von Privatleuten aus Duderstadt war ihr ein Waschbär-Mädchen gebracht worden.

Spätestens alle zwei Stunden - auch nachts - müssen sich Reineke und ihr Sohn Mika (8), der ihr bei der Pflege hilft, ein Fläschchen mit Katzenaufzuchtmilch, die mit Fencheltee zubereitet wird, anrühren.

Keine natürlichen Feinde 

Da Waschbären in Deutschland keine natürlichen Feinde haben und damit von vielen als Schädlinge angesehen werden, wurde schon jetzt über die Zukunft der vier Tiere entschieden. Sie werden, wenn sie einmal groß sind, ein neues Zuhause im Wildtierpark Edersee finden. „Von dort habe ich bereits eine Zusage bekommen“, sagte die 47-Jährige. Klar ist auch, dass die vier jungen Bären vor ihrem Umzug an den Edersee kastriert beziehungsweise sterilisiert werden, damit sie sich nicht weiter vermehren können.

Reineke hat derzeit auch noch 23 Igel zu Gast, die zum Teil noch schlafen oder bis zur Auswilderung noch an Gewicht zunehmen müssen.

Unterstützung bei der zeitraubende Aufgabe gibt es zudem von Hündin Luna, einer finnischen Rentierhütehündin, die das Bären-Quartett ebenfalls adoptiert hat und bei jeder Fütterung dabei ist.

Reineke rechnet damit, dass sie sich voraussichtlich mindestens anderthalb Jahre um die kleinen Bären kümmern muss. Bis dahin bleibt noch jede Menge Arbeit. Mit „Helga“ und „Hunky“ haben bereits zwei der Baby-Bären bereits einen Namen bekommen.

Außerdem soll demnächst ein großes Waschbär-Gehege am Haus in Jühnde entstehen. Dafür braucht Reineke noch reichlich Unterstützung. Sie hofft insbesondere auf Materialspenden und benötigt Maschendrahtzaun, Dachlatten, Schrauben, Nägel, Krampen, dicke Seile, ausgediente Katzen-Kratzbäume, größere Äste als Klettermöglichkeiten, alte Strickleitern, ausrangierte Hängematten und Bettbezüge, Holzkisten, Körbe, Schlafhäuser, Karabinerhaken sowie Baumscheiben.

Waschbär-Findlinge: Baby-Alarm auf Wildtier-Station

Kontakt: Wildtierauffang-Station Göttingen und Umgebung, Regina Reineke, Dorfstra0e 20a, 37127 Jühnde, Tel. 0160/93250994, E-Mail: krawallerna15@gmail.com

Hintergrund: Waschbären wurden in den 1930er-Jahren freigelassen

Waschbären sind in Südniedersachsen und Nordhessen inzwischen zu einer Plage geworden. Sie waren in den 1930er-Jahren mit Genehmigung von Hermann Göring Jagdbehörde in Deutschland angesiedelt worden.

Zwei Pärchen wurden vor etwa 80 Jahren am Edersee freigelassen. Einem deutschen Züchter kam damals die Idee, die aus Amerika stammenden Kleinbären auszusetzen, um die örtliche Fauna zu bereichern.

Während des Zweiten Weltkriegs rissen weitere in Pelzfarmen bei Berlin gehaltene Waschbären aus. Inzwischen haben sich die Populationen immer weiter vergrößert.

Die Waschbären sind mittlerweile auch in Österreich, Schweiz, Frankreich und Polen heimisch geworden. Die kuscheligen Tiere vermehren sich prächtig und werden dadurch zu einem immer größeren Problem.

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