Kam Wasser doch nicht mit Kometen auf Erde?

Zweifel an der Theorie über die Herkunft des irdischen Wassers: Die Grafik der ESA deutet an, wie die Kometen-Sonde Rosetta den Wasserdampf des Kometen „Tschuri“ analysierte. Foto: MPS/nh

Göttingen. Der Wasserdampf des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, kurz „Tschuri“, gleicht nicht dem Wasser der Erde.

Das zeigen Messungen mit Rosettas Massenspektrometer Rosina, für das das Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) entscheidende Hardware-Komponenten beigesteuert hat. Von den neuen Ergebnissen berichtet das Rosina-Team im Fachmagazin Science.

Damit weckt die ESA-Mission Rosetta Zweifel an der Theorie, dass Kometen einst die Erde maßgeblich mit Wasser versorgten. Auf welchem Weg das Wasser auf die Erde kam, versuchen Forscher zu klären, indem sie einen genauen Blick auf dessen molekulare Struktur werfen. Denn nicht alle Wassermoleküle sind gleich. Auf der Erde kommt auf etwa 6400 „normale“ Vertreter ein Molekül, bei dem ein Wasserstoffatom durch das schwerere Isotop Deuterium ersetzt ist, erläutern Axel Korth und Urs Mall vom MPS, Koautoren der neuen Studie. „Es gilt, im Sonnensystem Körper zu finden, die ähnliche Werte aufweisen.“

Auf „Tschuri“ stehen jedem Deuterium-Atom nur etwa 1880 normale Wasserstoffatome gegenüber. Die Wissenschaftler schließen aus ihren Ergebnissen, dass weniger kurzperiodische Kometen wie „Tschuri“ erdähnliches Wasser aufweisen, sondern hauptsächlich Asteroiden die Hauptkandidaten für die kosmischen Wasserlieferungen zur Erde sind.

Das Massenspektrometer Rosina (Rosetta Spectrometer for Ion and Neutral Analysis) ist eines von zehn wissenschaftlichen Instrumenten des Rosetta-Orbiters. Mit seiner hohen Empfindlichkeit konnte Rosina vom 8. August bis 4. September den Wasserdampf von 67P/Churyumov-Gerasimenko genau vermessen und so auch seltene Isotope verlässlich aufspüren.

„Die aktuellen Ergebnisse sind allerdings eine Momentaufnahme“, gibt Urs Mall zu bedenken. Es sei es möglich, dass Messungen der nächsten Monate andere Werte liefern. Anders als alle vorangegangenen Kometenmissionen bietet Rosetta die Möglichkeit, den Kometen auf seinem Weg zur Sonne zu begleiten und zu verfolgen, wie er sich verändert. „Tschuris“ zunehmende Aktivität könnte auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Wasserdampfs haben. (p)

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