Urteil des Landgerichts Göttingen

Wegen brutaler Gewalttat: 29-Jähriger muss sechseinhalb Jahre hinter Gitter

Gebäude im Winter: Das Landgericht und Amtsgericht sind am Maschmühlenweg in Göttingen untergebracht. Archivfoto: Bernd Schlegel

Göttingen/Osterode. Ein mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestrafter Mann aus Osterode muss laut Landgerichtsurteil auch die nächsten Jahre hinter Gittern verbringen.

Die Kammer verurteilte den 29-Jährigen, der rund neun Jahre in Haft gesessen hat, fast auf den Tag genau ein Jahr nach einem neuen Gewaltausbruch wegen gefährlicher Körperverletzung sowie vorsätzlicher Körperverletzung in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Außerdem wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Vor Beginn dieser Maßregel muss er im Vorwegvollzug 15 Monate im Gefängnis absitzen.

Wahllose Schläge

Der Angeklagte hatte kurz vor Weihnachten 2017 nach Alkoholkonsum seine damalige Freundin vor den Augen ihres Kindes geschlagen und gewürgt. Der 29-Jährige sei zunehmend aggressiver geworden und „völlig außer Rand und Band geraten“, sagte der Richter Tobias Jakubetz. Er habe sich die Kleidung vom Leib gerissen und sich dann nur noch mit Unterhose und Strümpfen bekleidet auf das Sofa gelegt und „toter Mann“ gespielt – „ein sehr bizarres Verhalten“, so der Richter.

Die Freundin hatte sich daraufhin im Bad eingeschlossen und per SMS drei Hilferufe an ihre Mutter gesandt. Die Mutter begab sich mit ihrer anderen Tochter und deren Freund spätnachts zu der Wohnung. Der 29-Jährige habe nach ihrem Auftauchen wie ein Berserker wahllos zugeschlagen und getreten, sagte der Richter.

Brutale Attacke auf Mutter

Er verpasste der Mutter seiner Freundin zwei Schläge ins Gesicht und schlug sie später mit dem Rücken und dem Kopf gegen die Wand. Seiner Freundin versetzte er einen Tritt, so dass sie die Treppe hinunterstürzte.

Nachdem es den Frauen schließlich gelungen war, aus dem Haus herauszukommen, sei der Angeklagte mit einem Messer in der Hand hinter ihnen hergelaufen und habe damit in Richtung der Mutter gezielt, die das Kind seiner Freundin auf dem Arm hatte. Das Kind wurde dabei an der Kniekehle verletzt.

Not-OP nach Stich

Danach seien alle drei gestürzt. Die Schwester seiner Freundin habe ihm dann einen Tritt versetzt. Daraufhin sei er mit den Worten „Jetzt bist du dran“ mit dem Messer auf sie losgegangen und habe ihr einmal in den Oberbauch gestochen, wodurch die Leber verletzt wurde. Die Verletzungen seien lebensbedrohlich gewesen, nur durch eine Notoperation habe die Frau gerettet werden können.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Messerattacke als versuchten Totschlag bewertet und eine Gesamtstrafe von acht Jahren gefordert. Das Gericht stufte die Tat dagegen als gefährliche Körperverletzung ein. Der Angeklagte habe nur einmal zugestochen und kein Tötungsmotiv gehabt. Außerdem sei seine Steuerungsfähigkeit aufgrund seiner massiven Alkoholisierung erheblich vermindert gewesen. Der Verteidiger hatte auf eine niedrige Freiheitsstrafe von fünf Jahren plädiert.

Schlimm für das Kind

Das Gericht lag mit seinem Urteil in der Mitte zwischen den beiden Anträgen. Auffallend sei, dass der Angeklagte bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten gegenüber seinen Partnerinnen verurteilt wurde, sagte der Richter. Ähnlich wie bei dem letzten Fall sei auch jetzt wieder ein Kind anwesend gewesen und diesmal sogar verletzt worden. „Das ist richtig schlimm, wenn ein Kind so etwas mitbekommt.“

Straferschwerend kämen auch die schweren körperlichen und psychischen Folgen hinzu, welche insbesondere die lebensgefährlich verletzte Schwester seiner Freundin davongetragen habe.

Entziehung

Obwohl der Angeklagte schon einmal ohne nachhaltigen Erfolg eine Entzugstherapie im Maßregelvollzug absolviert hat, ordnete das Gewicht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an: „Unbehandelt sind Sie eine Gefahr für jede potenzielle Partnerin“, so der Richter. (pid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.