Urteil gegen zwei Angeklagte

Wegen Drogenhandels in Gefängnissen: 38-Jährige aus Göttingen soll in Haft

Auf einem Schild vor einem Backsteingebäude steht Eingang Landgericht Amtsgericht Gerichtszahlstelle Arbeitsgericht
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Im Göttinger Landgericht wurde eine 38-Jährige aus Göttingen nun zu fast sieben Jahren Haft verurteilt. (Archivfoto)

Wegen Drogenhandels in Gefängnissen standen eine 38-Jährige und ein 33-Jähriger vor Gericht. Nun fiel das Urteil in dem Prozess.

Göttingen – Das Landgericht Göttingen hat eine einschlägig vorbestrafte 38-jährige Frau aus Göttingen wegen gewerbsmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit neuen psychoaktiven Stoffen (NpS) in elf Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Ein 33-jähriger Mitangeklagter erhielt wegen zwei solcher Fälle eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die 38-Jährige ab Januar 2019 elf Mal über das Internet bei Anbietern in Polen sogenannte neue psychoaktive Stoffe bestellt hatte, um diese gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Drogenhandel in Gefängnissen: Über Dritte in verschiedene Haftanstalten eingeschleust

Die Drogen seien über Dritte in verschiedene Justizvollzugsanstalten eingeschleust, dort weiterverarbeitet und als „Spice“ an Gefangene weiterverkauft worden.

Der 33-jährige Mitangeklagte hatte selbst im Gefängnis gesessen. Nach Überzeugung des Gerichts war er in zwei Fällen an dem illegalen Handel beteiligt gewesen, in einem Fall noch vor seiner Haftentlassung. Er habe die entsprechenden Kontakte im Vollzug gehabt und Preisabsprachen getroffen. Mit dem Gewinn aus den Drogengeschäften habe er Schulden beglichen.

Das Gericht ging mit seinem Urteil zum Teil deutlich über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte für die 38-Jährige eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert, für den 33-Jährigen vier Jahre Haft.

Drogenhandel in Gefängnissen: 38-Jährige räumt Bestellung ein

Während der 33-Jährige die Vorwürfe bestritt, hatte die 38-Jährige eingeräumt, die Bestellungen getätigt zu haben. Sie habe die psychoaktiven Substanzen jedoch nicht verkaufen, sondern zum Eigenkonsum verwenden wollen.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidiger hatten zudem beantragt, für beide Angeklagte die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anzuordnen. Dem folgte das Gericht nicht.

Beide Angeklagte seien zwar süchtig, sagte der Vorsitzende Richter Martin Speyer. Der 33-Jährige sei aber in der Haft „clean“ geblieben. Die 38-Jährige wiederum sei zur Tatzeit in ihrer Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen. Sie habe sich um ihre Tochter gekümmert und sei einer geregelten Arbeit nachgegangen.

Drogenhandel in Gefängnissen: Ab Mitte Mai weiterer Prozess

Der Handel mit psychoaktiven Substanzen sei für die beiden Angeklagten vielmehr ein „Geschäftsmodell“ gewesen, mit dem sich hohe Gewinne erzielen ließen.

Nach Ansicht der Kammer ergibt sich dies unter anderem aus diversen Zeugenaussagen sowie der Auswertung von Chats und abgehörten Telefonaten. Erhebliche Geldeingänge auf den Konten der 38-Jährigen werteten die Richter ebenfalls als Indiz. Um die durch Straftaten erzielten Gewinne abzuschöpfen, ordnete das Gericht die Einziehung von mehr als 35 000 Euro an.

Ab Mitte Mai müssen sich vor dem Landgericht Göttingen drei mutmaßliche weitere Tatbeteiligte wegen Verstoßes gegen das Neue-psycho-aktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) verantworten. In dem zweiten Verfahren geht es um das Einschmuggeln illegaler Substanzen in die JVA Rosdorf. (Heidi Niemann)

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