Betroffene berichteten von Schlägen und „vermeintlich medizinischen Handlungen“

Wegen sexueller Übergriffe auf Mitarbeiterinnen: Uni Göttingen will Professor loswerden

+
Sitz der Uni-Zentrale: Das Aula-Gebäude am Wilhelmsplatz in Göttingen. In einem Gerichtsverfahren gegen einen Professor muss nun der Stiftungsrat klagen. 

Wegen mutmaßlicher körperlicher Übergriffe auf Mitarbeiterinnen soll ein Professor der Uni Göttingen aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden. Er soll die Frauen unter anderem geschlagen haben.

Das ist das Ziel einer Disziplinarklage vor dem Verwaltungsgericht Göttingen.

Wie bei einem ersten Verhandlungstermin bekannt wurde, hatte die Hochschule das Disziplinarverfahren im Sommer 2017 gegen den 55-Jährigen eingeleitet. Zuvor soll sich eine Zeugin an die Gleichstellungsbeauftragte gewandt haben. Mitte September 2017 habe die Uni dem Wissenschaftler, der zeitweilig als Institutsleiter tätig war und leitende Positionen in universitären Gremien innehatte, die Führung der Dienstgeschäfte verboten. Außerdem wurde ihm ein Hausverbot erteilt.

Laut Sachstandsbericht hatte der Professor eingeräumt, dass es ihm an professioneller Distanz zu Mitarbeiterinnen gefehlt habe. Vom Vorwurf der sexuellen Belästigung habe er sich distanziert. Im Zuge der Ermittlungen seien dann weitere Vorwürfe hinzugekommen. Die Uni habe in ihrem Bericht 33 Einzelvorwürfe aufgelistet. Demnach sollen die meisten Vorfälle zwischen 2014 und 2016 stattgefunden haben.

Zahlreiche Vorwürfe gegen Professor

Dem Wissenschaftler werde vorgeworfen, Doktorandinnen und Angestellte als „Bestrafung“ auf Gesäß, Brust oder Beine geschlagen oder ihnen Schläge angedroht zu haben. Auch würden ihm „vermeintliche medizinische Handlungen“, sexuelle Belästigungen und Berührungen, unangemessenes Auftreten und die Ausnutzung von Abhängigkeiten zur Last gelegt.

Im Frühjahr 2018 legte die Uni-Präsidentin dem Stiftungsausschuss den Ermittlungsbericht vor. Dieser folgte ihrer Empfehlung und beschloss, eine Disziplinarklage auf den Weg zu bringen mit dem Ziel, den suspendierten Wissenschaftler aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen. Die Klage wurde unter anderem damit begründet, dass der Professor gegen seine Pflichten verstoßen habe und das Vertrauen „irreparabel beschädigt“ sei.

Wir die Klage zugelassen?

Beim ersten Verhandlungstermin in dieser Woche spielten die einzelnen Vorwürfe noch keine Rolle. Stattdessen ging es ausschließlich um die Frage, ob die Klage in dieser Form zulässig ist - was sich wegen der besonderen Konstruktion der Georg-August-Universität als Stiftung des öffentlichen Rechts als relativ verzwacktes juristisches Problem entpuppte. Nach Ansicht des Gerichts hat die Klage einen Mangel: Kläger ist bislang der Stiftungsausschuss der Universität, dieser sei aber gar nicht zuständig.

Gerichtspräsidentin Stefanie Killinger verdeutlichte die Problematik mit Begriffen aus der Architektur: Die landesweit einmalige Konstruktion der Stiftungsuniversität Göttingen bestehe aus zwei Säulen, dem Stiftungsausschuss der Uni und dem Stiftungsausschuss der Universitätsmedizin (UMG). Darüber rangiere als Dachgeschoss und übergeordnetes Organ der Stiftungsrat. Da Statusfragen von beamteten Professoren eine Angelegenheit beider universitärer Institutionen seien, könne nicht der Stiftungsausschuss, sondern nur der Stiftungsrat als Klagebehörde fungieren. Die Trägergesellschaft muss nun den formalen Mangel binnen drei Monaten beheben. Dann wird der Fall erneut beraten.

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft mit dem Fall. Nach Angaben eines Sprechers habe man strafrechtliche Ermittlungen aufgrund von Strafanzeigen eingeleitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.