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Wegweisender in der Tumorforschung: Göttinger Professor Alfred Schauer ist tot

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Von: Thomas Kopietz

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Porträtfoto Prof. Dr. Alfred Schauer.
Wurde 93 Jahre alt: Prof. Dr. Alfred Schauer, Pathologe und ehemalige Direktor der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) © UMG/nh

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) trauert um Professor Alfred Schauer, der am 15. November gestorben ist.

Göttingen - Der ehemalige Direktor der Abteilung Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie II, ist am 15. November im Alter von 93 Jahren verstorben, wie die UMG jetzt mitteilte. Schauers Arbeit als Forscher brachte besonders für die Entstehung, Erkennung und Behandlung von Krebserkrankungen herausragende Fortschritte mit sich.

Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 1997 hatte Alfred Schauer den Lehrstuhl Pathologie inne und leitete besagte Abteilung. Durch seine Initiative kam es 1979 zur Gründung des Tumorzentrums Göttingen an der UMG, dessen Vorsitzender er bis 2001 war. Von 1991 bis 2001 betreute er die Kooperation und den Studierendenaustausch mit der Jagiellonen-Uni Krakau in Polen.

Alfred Schauer war ein leidenschaftlicher Hochschullehrer

„Die UMG trauert um einen hochkompetenten, engagierten Allgemein- und Tumorpathologen, inspirierenden und leidenschaftlichen Hochschullehrer und national wie international beachteten Wissenschaftler. Die Uni-Medizin Göttingen wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, so die Uni-Medizin.

Alfred Schauer studierte in München

Alfred Schauer wurde 1929 in München geboren. Er studierte in seiner Heimatstadt Humanmedizin und wurde 1956 an der Uni München mit einer Arbeit über Bildung und Abbau biogener Amine promoviert. Seine fachliche und wissenschaftliche Ausbildung erhielt er bei dem Tumorpathologen Prof. Walter Büngeler am Pathologischen Institut der Uni München.

1963 folgte die Habilitation mit der Lehrbefugnis für Allgemeine und Spezielle Pathologie. Von 1968 bis 1974 leitete er die Abteilung Allgemeine und Experimentelle Pathologie an der Ludwig Maximillians-Universität München. 1974 nahm er den Ruf der Uni Göttingen an.

Verdienste in der Tumor- und Krebsforschung

Als Forscher widmete er sich zunächst auch den Untersuchungen über Stress-Erosionen der Magenschleimhaut. 1967 nutzte Schauer einen Forschungsaufenthalt an der University California Los Angeles, um die Bildungs- und Speicherungsstätten der körpereigenen hochwirksamen Substanzen Histamin und Dopamin in spezifischen Zellen der Magenschleimhaut mit Hilfe radioaktiver Mikromethoden zu lokalisieren.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit lag auf der chemisch-induzierten Krebsentstehung und der Beschreibung von Frühstadien bösartiger Geschwülste der Leber, des Magens, des Darms und der Harnwege.

So entstanden ab 1964 umfangreiche Arbeiten über die Stufen der Krebsentwicklung. Die Darstellung der Frühveränderungen an der Leber, die er mit seinem damaligen Mitarbeiter Ekkehard Kunze verfasste, erschien in einer Buchreihe der Weltgesundheitsorganisation. Sie galt bis in die neuere Zeit als richtungsweisend für die Prüfung lebercancerogener Substanzen.

Unterscheidung von Tumoren - Methode heute weltweit im Einsatz

Mitte der 1970er-Jahre verlagerten sich Schauers Forschungsschwerpunkte von der experimentellen auf die humane Tumorpathologie. Ab 1979 gelang ihm auch mit den Göttinger Wissenschaftler Kollegen Prof. Klaus Weber und Prof. Mary Osborn vom MPI für biophysikalische Chemie der immunhistochemische Nachweis des Zyto-Skeletts zur Typenunterscheidung von Haut- und Schleimhaut-Tumoren, Sarkomen (Knochen-, Bindegewebe- und Muskeltumore) sowie frühkindlichen Tumoren. Die Methode kommt heute weltweit zum Einsatz.

Zudem engagierte sich Schauer in der Diagnostik und Therapie von Brustkrebs. Ende der 1970er-Jahre setzte er mit Kollegen die Studie „Kleines Mammakarzinom“ – beteiligt waren 77 deutsche Kliniken – in Gang. Die Ergebnisse dieser Großstudie waren entscheidend für die Einführung der heute etablierten brusterhaltenden Chirurgie in Deutschland. (Thomas Kopietz)

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