Ministerpräsident bleibt Landeschef der SPD

Weil holt ganz starkes Resultat und führt weiter die Niedersachsen-SPD

Überzeugende Wiederwahl: Die Genossen haben Stephan Weil (SPD) mit überwätigender Mehrheit als Landeschef der SPD Niedersachsen bestätigt. Foto: Mohssen Annanimoghaddam/dpa

Bad Fallingbostel. Für den alten und neuen SPD-Landeschef war es ein perfektes Ergebnis. 94,1 Prozent der Stimmen heimste Ministerpräsident Stephan Weil ein.

Das war nur minimal weniger als vor zwei Jahren. „In Zeiten wie diesen sind solche Ergebnisse nicht selbstverständlich bei der deutschen Sozialdemokratie“, freute sich der sich der 59-jährige Jurist.

Dabei schwang offenbar auch Erleichterung mit, dass er nicht in die Nähe der bei den Genossen nach dem Absturz von Bundeschef Martin Schulz inzwischen verpönten 100-Prozent-Marke geraten war. „Hundert, das ist der Anfang vom Ende“, hatte noch vor dem Wahlgang ein Weil-Vertrauter durchaus mit einem gewissen Ernst gewarnt.

Dabei hat die niedersächsische Basis allen Grund zur vollen Zufriedenheit mit ihrem Vorsitzenden. In einer beispiellosen Aufholjagd hatte Weil im Herbst 2017 mit 36,9 Prozent zum furiosen Sieg bei der Landtagswahl geführt, die CDU auf den zweiten Platz verdrängt und sein Amt als Regierungschef verteidigt.

In seiner einstündigen Rede lieferte Weil seine Rezepte für diesen Erfolg nach: „kommunale Erdung“ in Städten und Gemeinden, „ausgeprägte Geschlossenheit“ in Landesverband und Landtagsfraktion, „nicht rumquatschen, sondern arbeiten“.

Jetzt und in den nächsten Jahren gelte es, die Position als Volkspartei, als „die“ Niedersachsen-Partei auszubauen. „Da ist noch Luft nach oben“, rief der Chef seiner Basis aufmunternd zu. Die SPD habe die Chance, sich dauerhaft als dominierende Kraft zu etablieren und sich in der „gesellschaftlichen Mitte richtig breit zu machen“. Auf die mitregierende CDU ging Weil bei diesen Worten wohlweislich nicht ein. Doch so mancher Delegierte hörte da doch gern eine kleine Kampfansage an den Koalitionspartner raus.

Offenen Widerspruch erntete Weil mit seinen Inhalten nicht. Heftige Kritik entzündete sich dagegen an der – aus der Sicht vieler Delegierter – schwachen Frauenförderung. Vor allem die Jusos rangen hart um ihr Anliegen „jünger und weiblicher“, bemängelten, dass Frauen bei Spitzenpositionen leer ausgingen.

Vergeblich verwies Weil auf die prominenten Gegenbeispiele von Fraktionschefin Johanne Modder und Landtagspräsidentin Gabriele Andretta.

Den Unmut des Parteinachwuchses bekam prompt der von Weil vorgeschlagene neue Generalsekretär Alexander Saipa (41) aus Goslar zu spüren. Nur 62,5 Prozent votierten für den Landtagsabgeordneten als Nachfolger vom freiwillig ausgeschiedenen Amtsinhaber Detlef Tanke. Saipa trug es mit Galgenhumor: „Meine Gegenkandidatin war die Frauendiskussion.“

Bei den Wahlen der fünf Weil-Stellvertreter lag Modder mit 95,1 Prozent vorn, gefolgt von Umweltminister Olaf Lies mit 94,1 Prozent. Beide gehören dem Bezirk Weser-Ems an. Petra Tiemann (Nord-Niedersachsen) kam als Nachfolgerin von Ex-Wirtschaftsstaatsekretärin Daniela Behrens auf 78,8 Prozent, Landtagsvizepräsidentin Petra Emmerich-Kopatsch (Braunschweig) auf 73,9 und der Hanoveraner Ulrich Watermann auf 64 Prozent. (ymp)

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