Besuch des Ministerpräsidenten

Weil lobt Polizei und Stadt: Göttingen ist das Brennglas

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Fürsprecher: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) machte sich ein Bild am Corona-Hotspot Göttingen, besuchte und lobte die Polizei, informierte sich bei Stadtverwaltung und Krisenstab. 

Der Ministerpräsident setzt persönlich ein Zeichen: Göttingen steht seit vier Wochen im Fokus – leider als Corona-Hotspot mit zahlreichen Infektionen in Wohnblocks.

Dazu kommt eine medial betriebene Rassismus-Debatte, entfacht am Beispiel von Großfamilien. Und in den Medien laufen noch immer Bilder von Gewaltszenen am Rande einer Demo zwischen Menschen, die die Quarantäne verlassen wollten und Polizisten. Stephan Weil macht sich am Donnerstag in Göttingen ein Bild und besucht zuerst die Polizei, setzt sich in der Kantine der Polizeiinspektion mitten zwischen die Beamten und ißt „Curry Pommes“ wie er hinterher zufrieden erzählt.

Das ist aber nicht alles, was der Ministerpräsident sagen will. Er möchte sich bei den Polizisten bedanken – für all das, was sie momentan leisten müssen: Die Polizei habe durch die Pandemie Aufgaben hinzu bekommen. Gleichzeitig merke man, dass sich die Polizei, resultierend aus Vorgängen wie den USA, rechtfertigen müsse, weil sie besonders kritisch beäugt werde. Den Polizisten in Göttingen stärkt Weil den Rücken: „Aus meiner Sicht weiß der Großteil der Bevölkerung sehr zu schätzen, was die niedersächsische Polizei in allen Landsteilen leistet.“

Ihm falle zudem positiv auf, dass es in den Reihen der Polizei eine Vielzahl von reifen Persönlichkeiten gebe, die sehr umsichtig sind im Umgang mit der Verantwortung und dabei nicht über das Ziel hinausschießen. „Es ist ein schwieriger und anstrengender Beruf.“ In Göttingen spüren das zurzeit die heimischen und die von außen angeforderten Beamten, die das Quarantäne-Haus „Groner Landstraße 9“ sichern müssen, die sich am vergangenen Samstag beschimpfen und von einigen wenigen in Quarantäne eingesperrten Menschen angreifen lassen mussten, acht wurden verletzt.

Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen

„Göttingen ist das Brennglas und zeigt, was Polizei alles leisten muss“, sagt Weil, der auch klar macht: „Die Polizei muss dafür sorgen, dass die verhängten Maßnahmen auch realisiert und befolgt werden.“ Gleichzeitig gebe es auch ein Demonstrationsrecht. „So ist die Göttinger Polizei am Wochenende buchstäblich zwischen die Fronten geraten. Weil hat diese Bilder gesehen, „die er sich niemals für Niedersachsen gewünscht hätte“. Der Polizei in Göttingen zollt er ein Lob – für Augenmaß, Umsicht und Konsequenz, der Chef der Polizeiinspektion, Thomas Rath hört das gerne.

Nach der Polizei besuchte Weil Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, um sich über die Lage im Corona-Hotspot Göttingen zu informieren. Die Lage in Göttingen sei ohnehin nicht mit der in NRW zu vergleichen, betont Weil. Es handele sich – im Gegensatz zum Landkreis Gütersloh – um sehr lokal begrenzte Bereiche. „In Göttingen ist man sehr klug mit den Ausbrüchen umgegangen, konnte sie immer wieder sehr schnell eindämmen.“ Wertschätzung also auch für die Stadtoberen in Göttingen, die man als Land weiter unterstützen wolle.

Beherbergungsverbot

Göttingen jedenfalls – Weil studierte früher dort – sei gar nicht so außergewöhnlich. Ähnliche Wohnsituationen in großen Blocks gebe es in anderen Teilen Niedersachsens. „Die Göttinger haben wirklich Pech gehabt mit diesen Kombinationen neuer Vorgänge. Der Ministerpräsident steht übrigens hinter dem Beherbergungsverbot für Menschen aus den betroffenen Kreisen in Niedersachsen. Man habe mit Blick auf den Sommerferienstart in NRW auch den Druck von den Urlaubsorten auf den Ostfriesischen Inseln nehmen wollen, sagte Weil, der um Verständnis bittet und auf eine schnelle Entspannung in Gütersloh und Umgebung hofft.

Die Corona-Lage beschrieb Weil mit einem Bild: „Wir gehen weiter über dünnes Eis.“ Man wolle nicht wieder in den Bereich weitreichender Beschränkungen kommen, wie man sie erlitten habe. „Wir sind überzeugt von dem, was wir machen.“

VON THOMAS KOPIETZ

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