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Weinlese bei Göttingen: Viel Sonne für die Trauben

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Von: Clara Veiga Pinto

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Ist zufrieden mit seinem Ertrag: Winzer Michael Winkler aus Lenglern (hier ein Archivbild) hat in diesem Jahr so viel Weintrauben lesen können wie im vergangenen Jahr.
Ist zufrieden mit seinem Ertrag: Winzer Michael Winkler aus Lenglern (hier ein Archivbild) hat in diesem Jahr so viel Weintrauben lesen können wie im vergangenen Jahr. (Archivfoto) © Swen Pförtner/dpa

Das größte Weinanbaugebiet Niedersachsens ist in Lenglern in der Gemeinde Bovenden zu finden. Verkauft werden die edlen Tropfen in Göttingen.

Göttingen/Hannover – Für Winzer Michael Winkler aus Lenglern in der Gemeinde Bovenden war 2022 ein „interessantes Jahr“. Er bewirtschaftet mit etwa 6000 Weinreben auf knapp drei Hektar Niedersachsens größtes Weinanbaugebiet.

Viel Sonne für die Trauben: Weinlese mit Freunden, Familie und Studenten

In den vergangenen Wochen startete die Weinlese. Mit der Hilfe von Freunden, Familie und einigen Studenten erntete Michael Winkler die Trauben.

„Dieses Jahr war es sehr sonnig und warm, was gut für die Trauben ist. Aber leider war es auch sehr trocken“, sagt der Winzer. Das führte dazu, dass einige Trauben nicht saftig genug waren, dafür aber gesund. „Bei der Weinsorte Solaris gab es aber dieses Jahr teilweise viel Ertrag“, erinnert sich Winkler. Bei seinen anderen Sorten Riesling, Cabernet Cortis und Souvignier gris sei die Ernte ähnlich gelaufen wie im Vorjahr. „Beim Rotwein hatten wir diesmal etwas weniger Ertrag. Beim Weißwein dafür etwas mehr. Das gleicht sich aus.“

Viel Sonne für die Trauben: Weinlese begann eine Woche später

Ein Unterschied zum Jahr 2021: Die Trauben konnten erst eine Woche später gelesen werden. Das lag daran, dass der Wein wegen der Temperaturen im Frühjahr auch später ausgetrieben war. „Das war aber eigentlich gar nicht so schlecht, denn es war so spät, dass es keinen Nachtfrost mehr gab“, sagt Winkler. Aktuell verkauft Winkler seinen Wein nur in der Südapotheke in Göttingen.

Und auch im restliches Niedersachsen war die Lese erfolgreich. Viele Winzer in Niedersachsen haben mehr geerntet als ein Jahr zuvor, weil die Erträge bei jungen Pflanzen von Jahr zu Jahr langsam stiegen, sagte Jan Brinkmann, Winzer aus Bad Iburg im Landkreis Osnabrück und Vorsitzender des niedersächsischen Weinbauverbandes. „Es sieht sehr gut aus.“

Viel Sonne für die Trauben: Thema Trockenheit

Allerdings habe die Menge etwas unter der Trockenheit gelitten, vor allem in der Lüneburger Heide und rund um Hannover. Konkrete Zahlen zur Weinlese gab es nicht. „Wer keinen Wassermangel hatte, war sehr zufrieden mit diesem Jahr“, sagte Brinkmann.

Vor allem in der Heide aber sei es so trocken gewesen, dass die Pflanzen nicht weiter gewachsen seien. Der Winzer hat nach eigener Aussage beinahe seinen Wein nicht vermarkten dürfen, weil die Qualität und der Alkoholgehalt fast zu hoch gewesen seien. Hintergrund ist das Weingesetz, das ein niedersächsisches Landweingebiet bisher nicht vorsieht.

Viel Sonne für die Trauben: Alkoholgehalt

Daher darf der Wein nicht regional gekennzeichnet sein, sondern nur als deutscher Wein. Außerdem darf kein Wein mit einem Alkoholgehalt über 15 Prozent vermarktet werden. Um den hohen Alkoholgehalt etwa eines schweren Rotweins zu erreichen, dürfe der Wein nur in den Qualitätsweingebieten „aufgezuckert“ werden, sagte Brinkmann. So steige der Alkoholgehalt.

Aber: „Das dürfen wir nicht.“ Um einen Antrag für ein niedersächsisches Landweingebiet stellen zu können, seien die Erträge der vergangenen fünf Jahre ausschlaggebend – weil aber der Anteil an Jungwinzern im Land hoch sei, fehlten noch ein, zwei Jahre. „Uns werden so viele Steine in den Weg gelegt. Das Weinrecht kann kein normal denkender Mensch verstehen“, kritisierte Brinkmann.

Viel Sonne für die Trauben: 40 Profi-Anbauer in Niedersachsen

Nach Angaben des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit dürfen im laufenden Jahr landesweit 40 Menschen professionellen Weinanbau betreiben – im Verband sind davon etwa 24 zusammengeschlossen. Die Zahl der genehmigten Rebflächen sei seit 2016 auf rund 36,4 Hektar gewachsen – angepflanzt werde Wein auf einer Fläche von rund 22 Hektar. Das norddeutsche Flächenland erhielt am 27. September 2016 erstmals Weinbaurechte.

Vor allem im Raum Göttingen (5,15 Hektar) und in der Region Hannover (4,49 Hektar) sind den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren Weinanbauflächen bewilligt worden. Aber auch im Landkreis Vechta (4,31 Hektar), im Raum Uelzen (4,20 Hektar) oder um Osnabrück (2,48 Hektar) gibt es demnach Anbaugebiete. (Clara Pinto, mit lni)

Seine erste Ernte fuhr Winzer Michael Winkler im Jahr 2018 ein. Ein Jahr zuvor hatte er die Anbaugenehmigung erhalten.

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