Rentnerin um 290 000 Euro betrogen – 31-Jähriger bestreitet Tatbeteiligung

Weiterer Prozess gegen „Falsche-Polizisten-Bande“

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier wird gegen den 31-Jährigen verhandelt.
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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier wird gegen den 31-Jährigen verhandelt.

Vor dem Landgericht Göttingen hat ein weiterer Prozess um einen spektakulären Betrugsfall der „Falsche-Polizisten-Bande“ begonnen.

Göttingen/Duderstadt - Ein 31-jähriger Konstruktionsmechaniker aus Rheine hat dort Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Duderstadt eingelegt. Dieses hatte ihn im März wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Betruges zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Mitglied einer bundesweit agierenden Bande war, die gezielt ältere Menschen um ihr Vermögen zu bringen versucht. Eines der Betrugsopfer war eine 86-jährige Frau aus Duderstadt. Diese war 2018 mit perfiden psychologischen Tricks dazu gebracht worden, nach und nach insgesamt 290 000 Euro herauszugeben.

Dem erstinstanzlichen Urteil zufolge soll sich der Angeklagte spätestens im Frühjahr 2018 der Gruppierung angeschlossen haben, die von Hintermännern in der Türkei gesteuert worden sei. Die dortigen Akteure seien zumeist Deutschtürken gewesen, die akzentfrei deutsch sprachen. Diese hätten aus einem Callcenter in Istanbul ältere Personen in Deutschland angerufen und sich als Polizisten oder Staatsanwälte ausgegeben. S

ie versetzten die Angerufenen dann in Angst und Schrecken, indem sie beispielsweise behaupteten, dass die Senioren auf der Liste einer Einbrecherbande ständen oder Opfer von Hackern, korrupten Bankmitarbeitern oder falscher Notare geworden seien. Deshalb müssten sie ihr Geld in Sicherheit bringen, indem sie es einem vermeintlichen Polizisten übergeben.

Der 31-Jährige selbst bestreitet, in die Geldabholaktion in Duderstadt involviert gewesen zu sein. Zum Auftakt der Berufungsverhandlung erklärte er, dass er zwar bei der Gruppierung mitgemacht habe, aber nichts mit der Tat in Duderstadt zu tun habe. „Es tut mir leid für die alte Dame, das ist unterste Schublade, was da passiert ist“, sagte er. Das Gericht hat mehrere Verhandlungstage bis Ende Dezember angesetzt.

Von Heidi Niemann

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