Nur wenige haben Spenderausweis

Welche Motive verhindern Organspende?

Viele werden ausgegeben, nicht alle ausgefüllt: Zu wenige Menschen haben einen Organspendeausweis, die Wartelisten auf ein Spenderorgan oft lang. Foto: dpa

Göttingen. Weniger als 20 Prozent der Menschen in Deutschland besitzen einen Organspendeausweis. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wollen die Gründe dafür suchen.

Das Forscherteam aus verschiedenen Disziplinen und dem Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der UMG wird in der Studie „Ich möchte lieber nicht“ über zwei Jahre auch der Frage nachgehen: Warum entscheiden sich Menschen gegen den Organspendeausweis, obwohl sie um den Mangel an Spendeorganen und lange Wartelisten wissen?

Von besonderem Interesse für die Wissenschaftler sind die Menschen, die im Fall Organspende unsicher oder unentschieden sind. Man wolle wissen, welche Sorge, welche Befürchtungen, aber auch welche Motivation hinter einem Zögern oder einer Ablehnung stünden, heißt es. Prof. Dr. Silke Schicktanz vom Institut für Ethik und Geschichte in der Medizin an der UMG: „Wir wollen die tiefer liegenden persönlichen Motive verstehen, die hinter der Skepsis oder der Unentschiedenheit stehen.“

Antworten sollen Interviews und Gespräche liefern. Dafür sucht die UMG Teilnehmer, die Auskunft geben wollen. Sie sollten keinen Organspendeausweis haben, keinen besitzen wollen oder unentschieden in ihrer Meinung zur Organspende sind. Befragt werden sollen auch Personen, die sich als Angehörige gegen eine Post-mortale- oder Lebendspende entschieden haben, oder auch kein gespendetes Organ für sich haben möchten.

Das Forschungsprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 400 000 Euro über zwei Jahre gefördert. Beteiligt daran ist auch die Universität Erlangen-Nürnberg. (tko)

• Kontakt/Anmeldung: www.soziologie.phil.uni-erlangen.de/webform/anmeldebogen-studie-organtransplantation oder per Email an larissa.pfaller@fau.de. Interviewtermin: Freitag, 10. April, Seminarraum des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, Humboldtallee 36, Erdgeschoss.

Organspenden: leichter Aufwärtstrend in Niedersachsen

Die Zahl der Organspenden in Niedersachsen hat im vergangenen Jahr nach einem Einbruch wegen des Organspende-Skandals an der Göttinger Uniklinik 2012 erstmals wieder zugenommen. Sie stieg 2014 auf 269, das waren 34 mehr als im Vorjahr, teilte das Gesundheitsministerium in Hannover mit. Das Land Niedersachsen versucht mit der Kampagne „Du fehlst mir“ über Organspenden aufzuklären und das Vertrauen der Menschen in das System wiederherzustellen. Bundesweit hat sich die Zahl der Spender im vergangen Jahr mit 864 nahezu stabilisiert (2013: 876). In Deutschland warten etwa 10 600 Patienten auf ein Spenderorgan, wie die Stiftung Eurotransplant berichtet. (lni)

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