Fragen und Antworten zur Krankheit und zum neuen Forschungsgebäude der Unistadt

Welt-Alzheimer-Tag: Forscher in Göttingen wollen Demenz früh erkennen

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Räumliche Nähe durch U-förmiges Gebäude: Zwei Forschungseinrichtungen arbeiten in Göttingen eng zusammen.  

Göttingen. In Göttingen ist für 27,5 Millionen Euro kürzlich ein vom Land finanzierter Gebäudekomplex entstanden, in dem Wissenschaftler von zwei unabhängigen Einrichtungen gemeinsam die Alzheimer-Demenz, deren Diagnosen und Therapien erforschen.

Wer arbeitet in dem 3500-Quadratmeter großen Komplex mit 200 Räumen?

60 Forscher des Institutes für Biostructural Imaging (BIN) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und 54 Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DNZE). Beteiligt sind Wissenschaftler aus Max-Planck-Instituten.

Wie wurde das Gebäude gestaltet?

Die U-Form ermöglicht beiden Einrichtungen eigene Gebäudetrakte, die sich optisch in der Farbe der Fassadenteile unterscheiden. Die Form ermöglicht gemeinsame „Kooperationsflächen“, die beide Trakte verbinden und Lager sowie Seminarräume und Werkstätten bieten.

Welchen Fragestellungen zu Alzheimer-Demenz werden eine Rolle spielen?

Generell soll ein klar abgestecktes Feld der Alzheimer-Forschung beackert werden: Die Forscher wollen die Erkrankungen des Nervensystems, also auch Alzheimer-Demenz, besser verstehen.

Welchen Nutzen können Betroffen oder Erkrankte davon haben?

DNZE-Standortsprecher Prof. Andre Fischer

Ziel der Forscher ist, die Demenz schon weit vor dem Ausbruch zu erkennen. Auch neue Therapien sollen erforscht und entwickelt werden. Der UMG-Forscher und DNZE-Standortsprecher Prof. Andrè Fischer sagt: „Es ist unser Ziel, den Ausbruch der Krankheit um mindestens fünf Jahre zu verzögern.“Dann wäre bei der Vielzahl der Erkrankten schon viel erreicht. Es geht also darum, Ergebnisse der Grundlagenforschung schneller an den Patienten zu bringen.

Womit beschäftigen sich die Forscher des BIN?

BIN-Standortsprecher Prof. Dr. Silvio Rizzoli und seine Kollegen arbeiten im BIN vor allem an einer Verbesserung der Bildgebungstechniken, um kleinste Vorgänge in den Zellen des Gehirns erkennen zu können. Dabei hilft die ultra-hochauflösdende Mikroskopie des Nobelpreisträgers Stefan Hell, der am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen forscht.

Gibt es Fortschritte in der Alzheimer-Forschung?

Ja. Kürzlich fanden Göttinger Forscher bei Versuchen mit Mäusen heraus, dass ein Farbstoff die ursächlichen Eiweiß-/Protein-Verklumpungen im Gehirn verhindert. Die Göttinger arbeiten auch daran, ein Enzym zu blockieren, das für die Entstehung von Demenz verantwortlich ist.

Was ist besonders am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen?

Das DNZE ist die einzige Forschungseinrichtung, die diese Erkrankungen in der Bandbreite von der Grundlagenforschung bis zu klinischen Studien, Bevölkerungsstudien und der Versorgungsforschung bis zur Anwendung am Patienten und die Überprüfung abdeckt.

Was bedeutet der neue Komplex für Göttingen?

Göttingen ist Weltklasse in den Neurowissenschaften. Nun wird die hervorragende Zusammenarbeit von Uni und anderen Forschungseinrichtungen am Göttingen-Campus weiter gefördert – auch durch kurze Wege. „Wir wollen die Stärke der Lebenswissenschaften hier stärken“, sagt Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne).

Demenz und Alzheimer

In Deutschland haben etwa 1,5 Millionen Menschen Alzheimer oder eine andere Demenzerkrankung. Unter Demenz werden verschiedene Leiden zusammengefasst, bei denen die geistige Leistungsfähigkeit sehr stark zurückgeht. Die weitaus meisten Betroffenen haben Alzheimer. Typische Alzheimer-Symptome sind Gedächtnis-, Sprach- oder Denkstörungen. Es ist unklar, was bei Alzheimer genau im Gehirn passiert. Eine Rolle spielen könnten Eiweißfragmente (Amyloid-Peptide), die sich ablagern. Sie stören die Reizübertragung, die Zellen sterben ab.

Archiv-Video

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