Haus mit Sirenen und Wörtern

Weltklasse-Künstler Jim Dine schenkt Göttingen das „House of Words“

Umgeben von Worten, geschrieben mit Kohle und Kreide: Jim Dine ist 86, ein Mitbegründer der Pop-Art, Maler, Bildhauer, Poet, Zeichner
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Umgeben von Worten, geschrieben mit Kohle und Kreide: Jim Dine ist 86, ein Mitbegründer der Pop-Art, Maler, Bildhauer, Poet, Zeichner, arbeitet auch in Göttingen und schenkt den Göttingern das „House of Words“.

Jim Dine ist 86 und wieder in Göttingen, wo er, der Maler, Bildhauer, Fotograf, Poet und Zeichner öfter sehr produktiv arbeitet – in Nachbarschaft zu Gerhard Steidl. 2020 hat er „seinen“ Pavillon fertiggestellt – ein kleines Häuschen hinder dem neuen Kunsthaus und Günter-Grass-Archiv.

Göttingen - Darin: das Gesamtkunstwerk „Poet Singing – The Flowering Sheets“, das nach einer Tour um die Welt dort seinen Stammplatz gefunden hat – inklusive einer überlebensgroßen Kopf-Büste von eben Jim Dine. Der ist , wie gesagt, gerne in Göttingen und schenkt das Häuschen, das „House of Words“, nun den Menschen der Stadt Göttingen. Am Mittwochabend wurde es eröffnet.

Gerhard Steidl hat die fünf großen Holzstatuen, die griechischen Sirenen nachempfunden sind, Jim Dine „abgeschatzt“ wie der Göttinger Verleger, Buchdrucker und Ausstellunsmacher von Weltruf sagt. „Gesichert“ wäre das charmantere Wort. Steidl war, wie er sagt, „der Geburtshelfer“ von „Poet Singing – The Flowering Sheets“, bereitete die Premiere 2008 in Los Angeles vor.

Irgendwann fragte Steidl Dine, was eigentlich später einmal mit den Skulpturen geschehen solle. „Die landen in einem Museum“, war Dines schroffe Antwort. Gerhard Steidl aber blieb hartnäckig, bekam die Sirenen und lagerte sie nach einer Ausstellung in Rom 2018 auf dem Steidl-Gelände ein.

Die Schenkung bekräftigt die Aussage Dines, Steidl sei sein Freund und Arbeitspartner. Es wird auch eine dauerhafte Erinnerung an diesen eigenwilligen, fantastischen Künstler Jim Dine sein, dieses Unikat seines alten Kunstprojekts, in dem er quasi mitten drin steht. Besser: Dines Kopf in Übergröße aus Gips, der Betrachter seiner mit Zeichen-Kohle und weißer Kreide eindrucksvoll auf die Wand geschriebenen Verse ist – umgeben von Musen aus Eichenholz, nachempfunden der antiken Szene um Orpheus.

„Künstlerische Arbeit ist immer auch ein Selbstporträt“, sagte Dine einmal, der an den Wänden in ein eigenes Gedicht in Satzfragmenten darstellt, ein sehr persönliches, in dem es um eigene Vorgänge, Gedanken, romantische Sehnsucht sowie eine Reise durch Zeit und Ort geht.

Gerhard Steidl und der übergroßer Kopf seine Freundes Jim Dine: Das „House of Words“ steht im Hof des Kunsthauses in Göttingen.

Das „House of Words“, 8x6-Meter groß, steht in einer Ecke des neu gestalteten Kunsthaus-Innenhofs. Der ist offen für das Publikum. Das kleine, unscheinbare Holzhäuschen, dieses Schatzkistchen mit einer Kunstinstallation von Weltrang, soll vielen Menschen den Zugang – auf Anfrage und bei Führungen – zur Kunst gewähren, „ohne eine Schwelle überwinden zu müssen“, wie Gerhard Steidl sagt, der als Direktor des Kunsthause zusammen mit dessen Geschäftsführer Alfons von Uslar für die Finanzierung das „House of Words“ gesorgt hat.

Steidls Band zu großen Künstlern, in diesem Fall Jim Dine, beschert nun Göttingen ein einzigartiges Dauer-Kunstobjekt im sich weiter entwickelnden Kunstquartier der südlichen Innenstadt.

Dass „Poet Singing“ nach Präsentationen in der Getty Villa in Malibu, in Basel und Rom nun ausgerechnet in Göttingen seinen Stammplatz einnimmt, dokumentiert auch die Tiefe der Verbindung Jim Dines zu Gerhard Steidl und Göttingen, wo er fernab der Metropolen „in Ruhe arbeiten kann“. (Thomas Kopietz)

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