Weltweit einzigartiger MRT - Magnetresonanztomograph

Göttinger Forscher können jetzt ins schlagende Herz blicken

Ein Blick ins schlagende Herz: Göttinger Erfindung eröffnet ganz neue Möglichkeiten zur Diagnose und Behandlung von Herzpatienten. Foto: pid

Göttingen. Die Universitätsmedizin Göttingen hat am Freitag ein weltweit einzigartiges Gerät für die Echtzeit-Magnetresonanztomographie (MRT) in Betrieb genommen.

Mit der neuen Technologie ist es möglich, ein schlagendes Herz mit einer zeitlichen Auflösung von 30 Millisekunden aufnehmen.

Die Aufnahmegeschwindigkeit ist so hoch, dass sich auch bei unregelmäßigem Herzschlag Bilder in Echtzeit aufnehmen lassen. „Wir können damit jeden einzelnen Herzschlag abbilden und zusehen, wie das Herz pumpt“, sagte Professor Joachim Lotz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, anlässlich der Einweihung eines neuen Spezialgebäudes, das eigens für die neue MRT-Technologie gebaut wurde. Insgesamt haben der Neubau und die MRT-Geräte rund sieben Millionen Euro gekostet.

Das Echtzeit-MRT ist das weltweit einzige Gerät dieser Art, das in der klinischen Anwendung eingesetzt wird. Es ermöglicht ganz neue Möglichkeiten für die Diagnostik und Behandlung von Herzpatienten. So können die Mediziner beispielsweise den Blutfluss im menschlichen Kreislauf in Echtzeit messen und Herzrhythmusstörungen sehr viel genauer analysieren. Bereits in naher Zukunft wollen die Forscher die erste Herzkatheteruntersuchung am Menschen ohne Röntgenstrahlung vornehmen.

Mit Hilfe der neuen Bildgebung könne man außerdem auch an kritischen Stellen gezielte Gewebeentnahmen von krankhaften Veränderungen des Herzmuskels vornehmen, sagte der Vorsitzende des Herzforschungszentrums Göttingen, Professor Gerd Hasenfuß. Das neue Bildgebungsverfahren ist eine Göttinger Erfindung: Eine Forschergruppe um Professor Jens Frahm vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen hat die mathematischen Verfahren für die Bildgebung entwickelt.

Frahm ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der MRT-Technologie. Er hatte vor 30 Jahren die so genannte „Flash“-Technik entwickelt, mit der sich die sehr langen Messzeiten - ursprünglich dauerten die Aufnahmen einzelner Bilder mehrere Minuten - erheblich verkürzen ließen. Die Flash-Technik brachte damals den Durchbruch für die Anwendung der Magnetresonanz-Tomografie in der Medizin. Das jetzt entwickelte Bildgebungsverfahren stellt nun die nächste „Revolution“ auf diesem Gebiet dar. (pid)

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