Deutschlandweit erste Untersuchung von Publikumsstrukturen

Zu wenig preiswerte Angebote in der Göttinger Kulturszene

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Hochkultur: Ein hoher Akademikeranteil kennzeichnet das Göttinger Kulturpublikum. Hier eine Szene aus „Die Schutzbefohlenen“ nach Elfriede Jelinek im Deutschen Theater.

Göttingen. In der Göttinger Kulturszene gibt es zu wenig preiswerte Angebote. Das ergab eine Befragung von rund 5500 Besuchern von 17 Kultureinrichtungen.

Mit Ausnahme des KAZ werden kaum Personen mit Migrationshintergrund erreicht.

„Diese Untersuchung ist deutschlandweit die erste, die Publikumsstrukturen vergleicht“, sagte die Göttinger Kulturdezernentin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck in einer Sitzung des Ratsausschusses für Kultur und Wissenschaft.

Befragt wurden Besucher unter anderem des Deutschen Theaters, der Händel-Festspiele, der Musa und der Stadtbibliothek. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass über Ermäßigungen junge Besucher angelockt werden können, die nicht so zahlungskräftig sind. Das zeige das Kulturticket für Studenten.

Eine ähnliche Karte ist nach den Worten der Dezernentin jetzt auch für Auszubildende im Gespräch. Verhandlungen würden derzeit mit der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer geführt. Nach Möglichkeit solle sie zum Ausbildungsbeginn im kommenden Jahr eingeführt werden.

Die untersuchten 17 Kultureinrichtungen locken jährlich mit über 3700 Veranstaltungen über 430.000 Besucher an. Auf die Einwohner von Göttingen umgerechnet seien das rund 3,3 Kulturbesuche jährlich.

Trotz der Einschränkung auf Personen ab 18 Jahren und der Nichteinbeziehung der Kinder- und Jugendangebote vieler Göttinger Kultureinrichtungen könne zusammenfassend festgehalten werden, dass die Kulturangebote insbesondere gut gebildete Frauen im mittleren bis höheren Alter mit deutschem Sprachhintergrund erreichen, heißt es im Fazit der Untersuchung.

Im Vergleich zur Göttinger Gesamtbevölkerung falle besonders der hohe Anteil des Publikums mit akademischem Bildungsabschluss auf. 56 Prozent der Befragten gehörten dazu, während deren Anteil in der Stadt bei 18 Prozent liege.

Etwa zwei Drittel des Publikums kommen aus dem Göttinger Stadtgebiet, rund 20 Prozent auf dem Umland.

Frauen nutzten vor allem das Literarische Zentrum, die Stadtbibliothek und das Göttinger Symphonie Orchester. Während das Junge Theater und das Rockbüro verstärkt ein junges Publikum anspreche, zögen die Händel-Festspiele und das Künstlerhaus ein überwiegend älteres Publikum an.

Fast die Hälfte des Publikums habe ein monatliches Netto-Einkommen pro Erwachsenem von bis zu 1300 Euro zur Verfügung, ein Viertel sogar mehr als 2600 Euro. (zhp)

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