Runder Tisch Kultur diskutiert über Corona-Förderung

Viele Künstler gehen leer aus

Tauschten sich über eine Optimierung der Kulturförderung in Corona-Zeiten aus: Fritz Güntzler mit Vertretern von einem Dutzend Göttinger Kultureinrichtungen.
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Tauschten sich über eine Optimierung der Kulturförderung in Corona-Zeiten aus: Fritz Güntzler mit Vertretern von einem Dutzend Göttinger Kultureinrichtungen.

Vertretern von einem Dutzend Göttinger Kultureinrichtungen kamen beim „Runden Tisch“ zusammen und diskutierten über die versprochene Corona-Förderung.

Göttingen – Bürokratische Hürden, zu eng gefasste Bedingungen und zu kurze Förderzeiträume: Von den 25 Milliarden Euro Corona-Hilfsgelder des Staates ist nicht einmal eine Milliarde Euro an die Kulturschaffenden geflossen. Das mache ihn „sprachlos und ärgerlich“, bekannte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) beim „Runden Tisch Kultur“. Vertreter von einem Dutzend Göttinger Kultureinrichtungen waren Güntzlers Einladung ins Junge Theater gefolgt. „Vielen soloselbstständigen Künstlern steht das Wasser bis zum Hals“, warnte Tine Tiedemann vom Kulturzentrum musa. Freischaffende Musiker, Regisseure oder Bühnenbildner seien in den vergangenen Monaten leer ausgegangen, weil der Gesetzgeber keine verlorenen Erträge, sondern Fixkosten erstatte. Diese hätten die Soloselbstständigen aber in der Regel kaum. Grundsicherung werde ihnen nicht bewilligt, weil ihnen das zur Alterssicherung angesparte Vermögen angerechnet werde.

„Berlin hat nachgesteuert“, betonte Güntzler. Künftig bekämen Veranstalter Geld, um coronabedingte Verluste bei Veranstaltungen abzudecken. Davon profitierten die Künstler, die nun wieder häufiger gebucht würden. Olaf Martin vom Landschaftsverband Südniedersachsen, berichtete, das sein Verein einen Teil der Landesmittel verteilt. Martin riet, in Verträgen Ausfallhonorare für den Fall zu vereinbaren, dass die Veranstaltungen aufgrund der Pandemie ins Wasser fielen.

„Einige Künstler verdienen sich ihren Lebensunterhalt teilweise mit Kursen“, berichtete Anne Moldenhauer vom Kulturzentrum KAZ. Sie beklagten nun Einnahmeeinbrüche, weil sie aufgrund von Hygieneauflagen nur deutlich kleinere Kursgruppen unterrichten dürften. Das lasse sich, so Martin, durch Honorarverträge zwischen Künstler und Kultureinrichtung auffangen. Dafür gebe es dann Fördergelder.

Vergleichsweise gut durch die Krise sind bisher die großen, öffentlich geförderten Kultureinrichtungen wie das Göttinger Symphonie Orchester, das Deutsche oder das Junge Theater. Die Zuschüsse flossen weiter. Die Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit. Dort haben die Probleme allerdings mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs begonnen. Die Zahl der Sitzplätze ist aufgrund der Pandemie deutlich gesunken, die Kosten aufgrund der Hygieneauflagen gestiegen.

„Wir bespielen deshalb jetzt größere Bühnen etwa die Sparkassen-Arena oder die Lokhalle“, berichtete Nico Dietrich, der Intendant des Jungen Theaters. Sie hätten dadurch deutlich mehr Besucher, allerdings auch deutlich höhere Kosten. Ohne Sponsoren sei das nicht möglich.

Veranstalter leiden unter den kurzen, bis zum Jahreesende oder bis Frühjahr 2021 reichenden Förderzeiträume, wurde beim Runden Tisch deutlich. Sie fordern eine Ausweitung bis Ende 2021. Zudem machten sie sich für mehr Flexibilität bei öffentlicher Förderung stark, um Veranstaltungen aufgrund geänderter Rahmenbedigungen noch einmal umplanen zu können.

Ein weiteres Problem: Das Publikum ist verunsichert. Viele meiden größere Veranstaltungen. Andere kommen nicht, weil ein geselliges Miteinander am Rande der Veranstaltungen aus Hygienegründen nicht erwünscht ist. (Michael Caspar)

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