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Wenn das Budget knapp wird: Mietzahlung auf keinen Fall aussetzen

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Von: Bernd Schlegel

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Die Verwaltung der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Göttingen an der Reinhäuser Landstraße: Dort kommen Probleme bei Mietverhältnissen immer wieder zur Sprache.
Die Verwaltung der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Göttingen an der Reinhäuser Landstraße: Dort kommen Probleme bei Mietverhältnissen immer wieder zur Sprache. © Bernd Schlegel

Die Kosten in allen Bereichen steigen. Dadurch wird das monatliche Budget für viele knapp. Doch gerade Mieter sollten etwas Wichtiges beachten.

Göttingen – Viele Mieter drücken die steigende Neben- und auch Lebenshaltungskosten. Bei solchen Problemen steht auch die Städtische Wohnungsbaugesellschaft in Göttingen ihren Kunden zur Seite. Die Verantwortlichen kennen die Probleme – dazu Fragen und Antworten.

Was sollte getan werden, wenn insbesondere die Kosten für die Nebenkosten, zum Beispiel für die Heizung, nicht mehr bezahlt werden können?

„Ganz wichtig ist in einem solchen Fall, sich um Hilfe zu bemühen“, sagt Claudia Leuner-Haverich, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbau GmbH. Viele Stellen in Stadt und Landkreis Göttingen bieten Unterstützung an. Zahlreiche neue Betroffene werden voraussichtlich ab Januar Wohngeld bekommen können, aber es dürfte von der Antragstellung bis zur Bewilligung eine Weile dauern. „Deshalb ist es gut, früh den Antrag zu stellen.“

Was sollte man auf keinen Fall tun?

„Ganz wichtig ist es, die Mietzahlung auf keinen Fall auszusetzen“, so Leuner-Haverich, weil sonst die Gefahr besteht, bereits nach zwei Monaten Rückstand die fristlose Kündigung zu bekommen. Außerdem ist es immer sinnvoll, mit dem Vermieter Kontakt aufzunehmen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Welche Bestandteile der Miete machen jetzt Probleme?

Nach den Erfahrungen der Städtischen Wohnungsbau ist es vor allem Abschlag für die Wärmeversorgung, also die Kosten für die Heizung und Aufbereitung des Warmwassers. Gerade dabei besteht ein verhältnismäßig großes Sparpotenzial. Und natürlich ist es sinnvoll, die Raumtemperatur zu senken, um den Warmverbrauch zu minimieren.

Claudia Leuner-Haverich
Claudia Leuner-Haverich, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWB) Göttingen GmbH. © Miriam Merkel/SWB/nh

Welche Einsparmöglichkeiten gibt es beim Warmwasser?

Hier kann das ganze Jahr gespart werden, indem man sein eigenes Verhalten ändert. Hier einige Beispiele: Duschen statt Baden. Mit weniger Wasser kürzer duschen, Geschirr nicht unter dem fließenden Wasser abspülen, beim Zahnputzen den Hahn nicht ständig laufen lassen. Leuner-Haverich: „Das trägt alles dazu bei, die Kosten in den Griff zu bekommen. Aber natürlich ist es auch so, dass alle, die bereits sparsam mit Energie umgegangen sind, kaum Einsparmöglichkeiten haben.“

Wann werden die extrem hohen Energiepreise voll spürbar?

Das kommt auf die jeweilige vertragliche Situation an. Voraussichtlich in den nächsten ein bis zwei Jahren wird jeder die Preissteigerungen deutlich zu spüren bekommen. Die Nebenabrechnung erfolgt in der Regel mit einem halben Jahr Verzögerung. Damit die Nachzahlungen nicht zu hoch werden, hat die Städtische Wohnungsbaum nach Absprache mit den Mietern die Abschlagszahlungen für 2023 schon erhöht.

Wie viele Neubauprojekte für Wohnungen gibt es derzeit in Göttingen?

In den nächsten Jahren werden etwa 1000 Mietwohnungen in Göttingen von unterschiedlichen Investoren fertig, davon sind etwa 350 öffentlich gefördert. Ein Beispiel ist der Nonnenstieg (ehemaliges IWF-Gelände): Dort beginnt in Kürze die Vermietung von öffentlich gefördertem Wohnraum. Weitere Bereiche sind die Grüne Mitte Ebertal, die Zimmermannstraße und das Gothaer Gelände, das für die Bebauung gerade vorbereitet wird. Die Städtische Wohnungsbau stellt allein fast 90 Wohnungen fertig.

Wo liegt das aktuelle Problem bei Bauprojekten?

Durch die steigenden Bau- und Finanzierungskosten ist es nicht mehr möglich, Wohnungen im mittleren Preissegment (unter zehn Euro je Quadratmeter Kaltmiete) ohne öffentliche Förderung zu bauen. Bei der Städtischen Wohnungsbau sind die Baukosten im Vergleich zu November 2021, also innerhalb von 13 Monaten, um fast 30 Prozent gestiegen. Auch die Zinsen für die Baukredite sind deutlich gestiegen.

Wie geht es in der Zukunft mit dem Wohnungsbau in der Region weiter?

Das ist derzeit nicht absehbar. Entscheidend könnte aus Sicht der Städtischen Wohnungsbau sein, wie wirtschaftlich sich Klimaschutz bei Neu- und Umbauten umsetzen lässt. Außerdem ist unklar, wie sich die Finanzierungs- und Baukosten entwickeln.

Was müssen die Ziele für den Bausektor sein?

Es muss ein Umdenken her, so Leuner.Haverich: Es müssen bestehende Gebäude besser genutzt werden. Außerdem muss eine Umbaukultur entwickelt werden. Wichtig ist zudem, klimafreundlich zu bauen. Der derzeitige CO2-Verbrauch des Bausektors liegt weltweit bei fast 50 Prozent. Da gibt es ein dringendes Einsparerfordernis. „Wir haben aber für viele der Herausforderungen noch keine abschließenden Lösungen“, sagt Leuner-Haverich. (Bernd Schlegel)

Hintergrund: Städtisches Tochterunternehmen verwaltet 4700 Wohnungen

Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWB) GmbH besteht seit 1960 und verwaltetet 4700 Wohnungen in der Uni-Stadt.

Damit ist das Tochterunternehmen der Stadt Göttingen einer der großen Anbieter am Wohnungsmarkt in Südniedersachsen. Derzeit werden etwa 50 Wohnungen pro Jahr energetisch saniert. Diese Quote muss deutlich steigen, um die städtischen Klimaziele zu erfüllen. Wenn möglich, wird für die Wärmeversorgung auf Fernwärme gesetzt. Geschäftsführerin des Unternehmens mit Sitz an der Reinhäuser Landstraße ist Claudia Leuner-Haverich. Weitere Infos gibt es hier. (bsc)

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