KWP-Open-Air Göttingen

So lief der Samstag: Wenn Musiker den Auftritt total genießen

Alter schützt vor Klasse nicht: Deep-Purple-Mitgründer Ian Paice war als Schlagzeuger mit der Cover-Band „Purpendicular“ zu Gast bei „Rock im Wald“ in Göttingen. Es war ein mitreißendes Konzert.
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Alter schützt vor Klasse nicht: Deep-Purple-Mitgründer Ian Paice war als Schlagzeuger mit der Cover-Band „Purpendicular“ zu Gast bei „Rock im Wald“ in Göttingen.

Am Ende standen viele der Besucher im Kaiser-Wilhelm-Park: Das zweitägige Open-Air „Musik im Wald“ endete – wie es sich gehört –mit einer Dröhnung Rock.

Göttingen - Dafür sorgte der Deep-Purple-Schlagzeuger Ian Paice. Ihm war das Glück anzusehen, endlich wieder vor Live-Publikum spielen zu können. Gefühle, die auch beim formidablen Auftritt der „Feisten“ zuvor spürbar war.

Mathias Zeh („C“) und Rainer Schacht nahmen die etwa 700 Besucher im KWP auch mit auf eine Zeitreise. Was mit „Ganz schön feist“ in Göttingen begann und zu „Die Feisten“ wurde, hat nämlich Spuren hinterlassen: Erinnerungen und Songs, legendäre Songs wie den „Nussschüsselblues“, nach dem niemand mehr gedankenlos in der Kneipe in das Schüsselchen mit Erdnüssen greifen würde. Dass es die heute kaum noch gibt, zeigt: Der Song hat einige Jahre auf dem Buckel, ist aber trotzdem so toll wie beim ersten Hören.

Herrlich auch der „Junggesellenabschied mit über 50“ - das organisierte „Die-Sau-Rauslassen“ „erinnert an ein feuchtgewordenes Tischfeuerwerk, wie „C“ singt“. Das Lied ist vom jüngsten Album „Adam & Eva“ und wird natürlich mit diesem lakonischen-witzigen Geplänkel der Beiden, dem typischen „Feisten-Sichaufdieschippenehmen“, eingeleitet.

Apropos Geplänkel: Wunderbar auch die Geschichte um die Begeisterung für das „ZDF-Traumschiff“, Sascha Hehn als Kapitän und das Bemühen dort als Bordmusiker spielen zu wollen. Bislang ohne Erfolg.

Die „Feisten“ würden auch mal gerne mit den „Flippers“ und den „Amigos“ zusammen was machen. Ergebnis dieser nicht zustande gekommenen Kooperation ist „Flamingo Dolores“, ein großartiger Spaß-Schlager. Und dann sind da noch die nicht minder feinen Stücke „Gänseblümchen“ und der Schleimer-Song „Kriech nich da rein“ – Ähnlichkeiten mit „Griechischer Wein“ absolut erwünscht.

Und mehrfach sagen „C“ und Schacht ganz ernsthaft, wie schön es ist, wieder aufzutreten, vor Menschen. „Mensch, Ihr macht ja Lärm für 700.“ Bis bald Ihr Feisten.

Ian Paice redet wenig, gibt auch kaum Interviews. Aber er trommelt, sauber-exakt, treibend-druckvoll. Schließlich ist er ja ein Gründungsmitglied von „Deep Purple“, ja genau, „Deep Purple“. Wenn Paice am Ende – das letzte Stück der Set-List ist, na klar, „Smoke on the Water“, an von seinem Drum-Podest an den Bühnenrand tritt und sagt, „Es ist wunderbar, nach 18 Monaten wieder aufzutreten. Aber wir alle müssen lernen, wieder zusammen fröhlich zu sein.“ Sein Auftritt mit der sonst auch ohne echte „Purples“ agierenden, vorzüglichen Cover-Band „Purpendicular“ um Sänger Robby Thomas Walsh und Songs wie „Black Night“, der in „Roadhouse Blues“ übergeht, „Highway Star“ und „Hush“ hat die sitzende Masse zum Stehen gebracht, deren Arme und Beine zum Bewegen, deren Stimmen zum Mitsingen. Ja, gemeinsam fröhlich sein, bei ehrlicher, mitreißender Rock-Musik - das war bei „Musik im Wald“ möglich.

Ein Manko beim Auftritt von Paice/Purpendicular: Es war keine echte „Hammond“ -Orgel auf der Bühne. Paice übrigens nutzt die Auftritte mit der Cover-Band auch, um in Form und fit zu bleiben – für die Gigs mit „Deep Purple“. Dass diese klare Rock-Musik nicht nur etwas für ältere Semester ist, bewiesen übrigens begeistert vor der Bühne springend-tanzende junge Menschen.

Und es gab auch kleine Entdeckungen: So wie „Melanie Mau & Martin Schnella“, die das Festival am Samstag eröffneten. Und unter dem passenden Untertitel „Herzensangelegenheiten im Unplugged-Stil“ Coversongs fein interpretierten.

Das nicht vorhandene Gedränge vor der Bühne, das Sitzen an nummerierten Plätzen, die Maskenpflicht beim Umherlaufen, alles das war ungewohnt, aber „gar nicht schlimm“, wie eine Besucherin sagte. „Sie sitzen glücklich“, formulierte es Fachbereich-Kultur-Chef Hilmar Beck treffend.

Dass es „Musik im Wald“ live und im KWP gegeben hat, war wichtig, für die Besucher, aber auch für die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne. Sie machten das ausnahmslos deutlich, in emotionalen Ansagen - aber auch mit ihrer großen, ehrlichen Spielfreude. (Thomas Kopietz)

So sehen Rock-Sänger aus: Der Ire Robby Thomas Walsh hat mit „Purpendicular“ Erfolg und kam mit Ian Paice zum KWP-Open-Air.
Wieder da! Die „Feisten“, Mathias Zeh („C“) und Rainer Schacht, sind Stammgäste im KWP und kehrten an die alte Wirkungsstätte Göttingen zurück.
Schöne Cover-Versionen brachten „Melanie Mau & Martin Schnella“ zum KWP-Open-Air am Samstag mit.

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