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Weststadt in Göttingen: Die Bombensuche geht ab sofort weiter

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Von: Thomas Kopietz, Bernd Schlegel

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Mit einem Bohrer, der an einem Bagger befestigt ist, werden Löcher in Erde getrieben. Anschließend führt Steffen Noack (rechts) ein Rohr ein, damit die eigentlichen Messungen mit einer Sonde erfolgen können.
Mit einem Bohrer, der an einem Bagger befestigt ist, werden Löcher in Erde getrieben. Anschließend führt Steffen Noack (rechts) ein Rohr ein, damit die eigentlichen Messungen mit einer Sonde erfolgen können. © Bernd Schlegel

Die Pause ist vorbei – die Suche nach Weltkriegsmunition und -Bomben in der Göttinger Weststadt westlich des Schützenplatzes geht weiter. In den nächsten sechs bis acht Wochen werden insgesamt 14 Verdachtspunkte östlich der Leine überprüft.

Göttingen – Je Verdachtspunkt sind bis zu 60 Bohrungen notwendig. Dafür verantwortlich ist die Firma Schollenberger Kampfmittelbergung aus Celle. Deren Spezialist Andreas Harbich-Michalak setzt dafür eine Sonde ein, die das Magnetfeld in der Erde überprüft und ein Messprotokoll für jeden Punkt speichert.

Bei der Suche arbeitet die Spezialfirma eng mit dem Einsatzstab der Stadt Göttingen und dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen (KBD) zusammen. Harbich-Michalak wird alle Ergebnisse anschließend mit KBD-Sprengmeister Thorsten Lüdeke besprechen, der im vergangenen Jahr eine Weltkriegsbombe am Weender Tor entschärfen konnte.

Die aktuellen Verdachtspunkte sind östlich der Leine zu finden. Das Untersuchungsgebiet liegt zudem westlich des Schützenplatzes. Die Arbeiten müssen zuvor sorgfältig vorbereitet werden. So liegen in diesem Bereich mehrere Versorgungsleitungen, die vorsichtig freigelegt werden müssen. Dazu gehören unter anderem eine Stromleitung mit einer Spannung von 20 000 Volt sowie eine Hochdruck-Gasleitung der Stadtwerke. „Die Leitungen liegen in etwa 80 Zentimeter Tiefe und sind nach dem Zweiten Weltkrieg dort verlegt worden“, erläuterte René Bock von der Göttinger Stadtverwaltung bei einem Ortstermin. Alle Leitungen und Rohre wurden mit Markierungen an der Oberfläche gekennzeichnet.

Während der Arbeiten kommt es auch zu Verkehrsänderungen. Der Radweg am östlichen Leineufer ist ab sofort von der Kleingartenanlage an nach Süden hin gesperrt.

Von den mehr als 80 Verdachtspunkten in der Weststadt sind bisher 24 untersucht worden. An keinem Punkt lag ein Bombenblindgänger, an zwei Punkten andere Kampfmittel. Sie wurden unter entsprechenden Sicherungsmaßnahmen für die Bevölkerung kurzfristig im November und Dezember vergangenen Jahres gesprengt, was auch in kilometerweitem Abstand teilweise noch zu hören war. Der Blick auf die Verdachtspunkte war durch die intensive Auswertung von Luftbildern entstanden.

Zunächst stehen aber keine weiteren Beeinträchtigungen für die Bürger an. Je nach Ergebnis der Sondierungen kann es gegebenenfalls Einsätze zur Kampfmittelbeseitigung geben, die wiederum Sperrungen oder Evakuierungen zur Folge haben können.

14 Verdachtspunkte: Das Gelände an der Leine in der Göttinger Weststadt mit der S-Arena (unten rechts) aus der Luft. Die Sondierung wird sechs bis acht Wochen dauern.
14 Verdachtspunkte: Das Gelände an der Leine in der Göttinger Weststadt mit der S-Arena (unten rechts) aus der Luft. Die Sondierung wird sechs bis acht Wochen dauern. © Stefan Rampfel

Die Sondierungen waren im Januar mit Blick auf die Corona-Entwicklungen unterbrochen worden. Die Einsatzkräfte für einen möglichen Evakuierungseinsatz waren pandemiebedingt anderweitig eingebunden. Außerdem galt es, das Risiko zu umgehen, dass eine eventuell notwendige Evakuierung nicht machbar gewesen wäre, so, wenn Mitarbeitende von Feuerwehr, Stadtordnungsdienst, Polizei und Hilfsorganisationen infolge von Infektionen oder als Kontaktperson in Quarantäne und damit nicht einsatzbereit wären.

Eine besondere Gefahrenlage für die Bevölkerung entsteht bei den Sondierungen nach aktueller Lage nicht. Wenn Kampfmittel gefunden werden sollten, werden die Göttinger frühzeitig über Maßnahmen zu deren Beseitigung informiert, versprechen die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung. Weitere Infos gibt es hier. (Bernd Schlegel und Thomas Kopietz)

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