Aktuell keine Gefahr und Evakuierungen - aber Sondierungen

Liegen 80 Bomben im Boden der Weststadt von Göttingen?

Die Sparkassen-Arena (S-Arena) in Göttingen mit Schützenplatz in der Weststadt ist auch Heimspielstätte des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen. Die Gegend ist immer wieder Fundort von Bomben, Fliegerbomben, Blindgängern aus dem 2. Weltkrieg. Weitere werden dort vermutet.
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Die Sparkassen-Arena (S-Arena) in Göttingen mit Schützenplatz in der Weststadt ist auch Heimspielstätte des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen. Die Gegend ist immer wieder Fundort von Bomben, Fliegerbomben, Blindgängern aus dem 2. Weltkrieg. Weitere werden dort vermutet.

In der Göttinger Weststadt westlich und östlich der Leine, also um Godehardstraße, Blümchenviertel, Schützenplatz und Maschpark) gibt es etwa 80 Verdachtspunkte für Blindgänger im Boden.

Göttingen – Maximal zehn könnten auch unter Gebäuden liegen. Eine unmittelbare Gefahr bestehe momentan aber nicht, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. „Die Gefahr ist dieselbe wie seit 76 Jahren“, sagte Köhler. Nach derzeitiger Kenntnislage sei es nicht erforderlich, dass kurzfristig einzelne Areale geräumt werden müssten. „Maßnahmen wie die Evakuierung der Bevölkerung werden ergriffen, sobald es zu einer möglichen Entschärfung oder kontrollierten Sprengung kommt.“ Die Untersuchung über Sondierungen werde eine längere Zeit dauern. Die Anwohner würden fortlaufend und schnell informiert, sowohl über Untersuchungen als auch über Ergebnisse.

Experten des Landesamtes für Geoinformation und Landvermessung hatten historische Luftbilder unter die mit neuester 3-D-Technik unter die Lupe genommen, auf denen mögliche Einschläge nicht detonierter Fliegerbomben festgestellt werden können. Klar ist: Ein Punkt liegt nahe am Leineradweg und Skatepark am Rande des Schützenplatzes. Dort waren bei Bauarbeiten Verdachtsmomente entstanden. In Kürze werden dort aus Vorsichtsgrüngen Sprengschutzcontainer aufgebaut. Der Bereich und der Radweg sollen bis Frühjahr 2022 gesperrt bleiben. Die Skateranlage bleibt offen, ebenso der Schützenplatz samt Sparkassen-Arena, Heimspielstätte der Bundesliga-Basketballer der BG Göttingen.

Den Verdachtspunkten wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen nun nachgehen und sie nach und nach sondieren. Begonnen werden soll am Kulturzentrum Godehardstraße, wo auch das Göttinger Symphonie Orchester seine Übungsräume hat. Dort geht aber der Betrieb weiter. Erst bei laufenden Sondierungsarbeiten müssten generell die Gebäude evakuiert werden.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) informierte am Mittwoch mit dem Ersten Stadtrat Christian Schmetz und Sprengmeister Thorsten Lüdeke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen über die weiteren Kampfmittelsondierungen, die für Stadt „eine große finanzielle Belastung darstellen werden“, wie es hieß. Allein die Sprengung von vier Blindgängern Ende Januar hätte Kosten im hohen sechsstelligen Euro-Bereich verursacht.

Die Stadtverwaltung hatte bereits am Dienstag Info-Blätter an einige Haushalte in der Weststadt verteilt. Darin steht auch, dass sich auf den betreffenden Grundstücken Verdachtspunkte befinden.

Die Experten sagten auch, dass 80 Verdachtsfälle im Bereich um Bahnhöfe in Großstädten keine ungewöhnliche Zahl seien. In Hannover und Osnabrück gebe es gar eine dreistellige Zahl von Verdachtspunkten.

Christian Schmetz betonte: „Für die nächsten Jahre werden die Menschen im Quartier immer wieder mit Sondierungen, Evakuierungen und – im Fall eines Bombenfunds – Entschärfungen oder Sprengungen zu tun haben.“ Die Stadt stehe den Betroffenen dabei eng zur Seite. Göttingen habe leidvoll erleben müssen, dass das Thema Bombenblindgänger nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. „Die kontrollierte Sprengung von gleich vier Weltkriegsbomben Anfang 2021 hat gezeigt, wie wichtig die Arbeit des KBD ist.“ Bei allem Aufwand, den die Stadt und ihre Bewohner jetzt betreiben müssten, komme es darauf an, „auch diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern“.

Auf www.goe.de/bombenverdacht gibt die Stadt fortlaufend neue Lageentwicklungen bekannt. (Thomas Kopietz/Stefan Rampfel)

Das ist bei Evakuierungen zu beachten:

Bei einer Entschärfung wären Anwohner in einem Radius von 1000 Metern rund um die Fundstelle des Blindgängers betroffen. Dies betrifft fast die gesamte Weststadt, den Egelsberg und Teile der Innenstadt. Die Bahnstrecke und der Bahnhof liegen ebenso im Evakuierungsbereich wie die Wohnanlagen Groner Landstraße 9, Hagenweg 20 und das Iduna-Zentrum.

Das ist ein ähnlicher Bereich, wie bei der gezielten Sprengung von vier Fliegerbomben am 30./31. Januar diesen Jahres im Bereich Leineaue und Pfalz-Grona-Breite, als 8000 Menschen evakuiert wurden, der Bahnverkehr zeitweise ruhte.

Schutzmaßnahmen wären auch für Anwohner erforderlich, die im 1250-Meter-Radius wohnen. Sie sollten ebenfalls ihre Wohnungen verlassen, sich aber während der Evakuierung zumindest in geschützten Bereichen, beispielsweise im Keller, aufhalten. Grund ist, dass mit weit fliegenden Splittern zu rechnen ist, falls vorhandene Blindgänger gesprengt werden müssen. (ysr)

Der Schützenplatz in Göttingen ist Standort der Sparkassen-Arena (S-Arena), zu sehen im Hintergrund, und des Skater-Parks. Im Boden des Gebietes werden weitere verdächtige Objekte im Untergrund vermutet, einer am Rande des Platzes nahe Radweg.

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