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„Wetten, dass..?“ in Göttingen: Ein Professor foppt Gottschalk

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Von: Thomas Kopietz

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Locker: Während einer Pressekonferenz warb Thomas Gottschalk vor der Show „Wetten, dass..?“ im Februar 2001 in der Göttinger Lokhalle. Dabei überlistete ein falscher Professor den Showmaster. Archivfoto: Jochen Herzog
Locker: Während einer Pressekonferenz warb Thomas Gottschalk vor der Show „Wetten, dass..?“ im Februar 2001 in der Göttinger Lokhalle. Dabei überlistete ein falscher Professor den Showmaster. (Archivfoto) © Jochen Herzog

„Wetten, dass..?“ gastiert im Jahr 2001 in der Göttinger Lokhalle. Wir erinnern an das Ereignis mit Showmaster Thomas Gottschalk.

Göttingen – „Wetten, dass..?“ in Göttingen. Zwei Jahre nach der Eröffnung der Lokhalle kehrt der Glanz der Fernsehwelt samt Thomas Gottschalk am 17. Februar 2001 dort ein – und 15 Millionen Zuschauer sitzen gebannt vor den Fernsehern. Sie erleben Superstars auf der silber-grau-blauen Couch, so David Copperfield, Tony Curtis, Michael Schuhmacher, Natalie Cole und Peter Maffay.

Und sie erleben Kuriositäten. Für Lokhallenbetreiber GWG ist die Show samt Logistik und Übertragung eine „Feuerprobe“.

Anfragen für 10.000 Tickets für die Lokhalle

Was die 1250 Zuschauer – es gab Anfragen für 10.000 Tickets – zu Beginn noch nicht wissen: Diese Ausgabe von „Wetten, dass..?“ wird es in die Annalen der Sendung schaffen – auch, dank spezieller Göttinger Eigenarten und eines falschen Professors.

Bevor Thomas Gottschalk, der im Hotel Freizeit In eine 130 Quadratmeter-Suite bezogen hat, die erste Wette mit dem Kult-Spruch „Top, die Wette gilt!“ startet, steht für den damals 50-Jährigen in Göttingen die Pflicht an. Die heißt auch Pressekonferenzen. Und die Fotografen setzen den Moderator dabei passend in Szene: Vor einer Rangierlok posiert der Strahlemann standesgemäß in der Lokhalle und plaudert locker.

Einmalig: Thomas Gottschalk und die „Besorgten Väter“ live bei „Wetten, dass..?“ in Göttingen.
Einmalig: Thomas Gottschalk und die „Besorgten Väter“ live bei „Wetten, dass..?“ in Göttingen. © dpa

Das tut er auch am Freitagabend bei der Generalprobe. Für den Zuhörer wird klar, warum dieser Moderator und die Show mit ihm so erfolgreich ist – in der Spitze auf mehr als 23 Millionen Zuschauer kommt: Gottschalk arbeitet ohne Spick-Karten, gibt selbstbewusst Ablauf und Takt vor: „Dann mach’ ich ne lockere Ansage, erzähl’ ein bisschen was, sage: We will rock you...“.

So passiert es dann auch während der Live-Show und Gottschalk spielt darin eine ungewohnte Rolle: Er rockt, er singt – stilecht gekleidet in Lederjacke und Guns’n-Roses-Shirt – mit der Band „Die besorgten Väter.“

Damit er die Quoten nicht klaut, musst Du ihn einladen.

Gottschalk über Jauch

Echt eng wird es für Ronan Keating („Life is a Rollercoaster“). Sein Auftritt muss vorgezogen werden, da er schnell zu seiner Frau zurück muss. Der Grund ist ein so triftiger wie schöner: Als er sich für seinen Auftritt schminken lässt, kommt die Nachricht, dass bei seiner Frau Yvonne Connolly die Wehen einsetzen. In Göttingen tritt auch der Sänger auf, der Rekordhalter bei „Wetten, dass..?“ ist: Peter Maffay. Auch die großartige Natalie Cole singt live und nimmt auf der Riesencouch Platz, auf der sich später manche Stars – vorneweg Tom Hanks – im Laufe der Wetten-dass-Jahre langweilen sollten. Auf dem Sofa sitzen am 17. Februar 2001 auch Magier David Copperfield, Weltmeister Michael Schuhmacher, der zugibt: „Ich bin kein Zocker. 10 Euro im Casino, das war’s bisher“. Dazu Tony Curtis und dessen Frau Jill Vandenberg mit tiefem Dekolletee.

Gottschalk-Spezi Günter Jauch ist auch da

Da ist auch Gottschalk-Spezi Günter Jauch. „Damit er die Quoten nicht klaut, musst Du ihn einladen“, scherzt Gottschalk. Das gelingt. Den pfiffigen Jauch stellt der freche Gottschalk mit einer Quizfrage bloß: Er hält eine Gewindestange hoch und fragt, was ist das? Eine obenliegende Nockenwelle, eine Schiffsschraube, eine Gewindestange oder eine Stranzmuffe?“ – „Was ist denn eine Stranzmuffe?“, kontert Jauch. Gottschalk: „Das habe ich vorher erfunden!“ Das Publikum johlt.

Dass die Göttinger Wetten, dass..?-Ausgabe legendär werden sollte, dafür sorgt die Saalwette: Die erfindet ausgerechnet ein Gastronom aus Kassel. Frank Marth schlägt vor, dass in der renitenten Uni- und Demo-Stadt mindestens 15 Professoren, die auch einmal auf einer Demo waren, zusammen auf der Bühne der Lokhalle stehen. 16 kommen. Dabei ist auch ein falscher Professor. Der Straßenmusikant nutzt die Chance, gibt sich als Professor für Wasserforschung an der Uni Haifa (Israel) aus. Eine Urkunde, die das beweist, hat er nicht dabei, nur ein Schulzeugnis. Auch ein Foto, das ihn auf einer Demo zeigt, gibt es nicht. Die ZDF-Mitarbeiter aber lassen ihn gewähren. Vor der Kamera und bei der After-Show-Party macht er einen blendenden Eindruck, überzeugt als falscher Prof alle Anwesenden. Keiner schöpft zunächst Verdacht. Die Schummelei, die sich ja in den Wetten durch die gesamte Historie der Show zieht, fliegt erst später auf.

Professoren auf der Bühne bei „Wetten, dass..?“

Zum Charakter der Protest-Stadt Göttingen, für die auch die aufmüpfigen Professoren der „Göttinger Sieben“ stehen, passt auch, dass unter den 16 Professoren auf der Bühne eine Frau ist, die nichts anderes als protestieren will. Sie sei eine Professorin für Bleiberecht, rollt ein Transparent aus und zeigt so ihren Protest gegen die Abschiebungen von Asylbewerbern. Das ist Göttingen!

Gewitzt: Der Kasseler Gastronom Frank Marth stellte Thomas Gottschalk die Saalwette.
Gewitzt: Der Kasseler Gastronom Frank Marth stellte Thomas Gottschalk die Saalwette. (Archivfoto) © Lothar Koch

In sich hat es eine weitere Wette an diesem Abend: Der Schweizer Roger Weisskopf, erriet Klopapier-Sorten am Geschmack. Auch diese absurde Wette steht für diese Show, über die später in Wohnzimmern und Kneipen geredet wird.

Zwar kann Göttingen als „Wetten-das..?-Ort“ keinen legendären Gänsehaut-Auftritt wie Michael Jacksons „Earthsong“ bieten, die Show im Februar aber hat Einzigartiges zu bieten – wie den Gottschalk-Auftritt als Rock´n Roller. Damit wollte er eigentlich bei der Quali für den Eurovision Songcontest antreten. Er tat es nicht. Gut so.

Gelungene, ja unbezahlbare Werbeaktion für Göttingen und die Lokhalle

„Wetten, dass..?“ entpuppt sich für Göttingen und die Lokhalle am Ende als gelungene, ja unbezahlbare Werbeaktion. 15 Millionen TV-Zuschauer sind dabei, Manager von Bands werden aufmerksam bringen Mega-Stars wie Bryan Adams, Sting, Die Toten Hosen und Die Ärzte (vor 7000 Fans!) in die Lokhalle. (Thomas Kopietz)

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