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Familie Flöz aus Berlin begeistert bei den Göttinger Figurentheatertagen

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Von: Ute Lawrenz

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Eine Zugabe nach begeistertem Applaus: Die Darsteller verabschiedeten sich mit einem Gläserspiel vom Publikum im Deutschen Theater.
Eine Zugabe nach begeistertem Applaus: Die Darsteller verabschiedeten sich mit einem Gläserspiel vom Publikum im Deutschen Theater. ©  Ute Lawrenz

Stummfilm im Theater hat die Familie Flöz aus Berlin dem Publikum im Deutschen Theater in Göttingen im Rahmen der Figurentheatertage beschert.

Göttingen – Mit ihrem märchenhaften Maskentheater ohne Worte zeigte sie ein Hochzeitsfest mit Höhen und Tiefen. Für die Zuschauer im ausverkauften Haus wurde es ein Fest für Augen und Ohren, das sie mit ausgiebigem Applaus belohnten.

Die Geschichte des Abends ist schnell erzählt: In einem herrschaftlichen Haus am Meer wird Hochzeit gefeiert. Dazu gehört viel Vorbereitung, auch während des Fests hört die Arbeit nicht auf.

Das alles ist zu sehen in dem Hinterhof des Hauses. Da trifft sich nicht nur das Personal. Auch der Manager des Anwesens atmet hier durch. Sogar Braut und Bräutigam wollen sich im Hof – nicht immer gemeinsam – hin und wieder eine kleine Verschnaufpause gönnen. Was die Situation verkompliziert: Eine hochschwangere Flüchtlingsfrau ist durch einen Zufall in den Hinterhof geraten.

Märchenhaftes Maskentheater ohne Worte

Dieses Setting eröffnet viele Möglichkeiten. Zum Beispiel trifft die zupackende Reinigungskraft im Hinterhof auf einen nicht so agilen Pförtner. Wer die Müllsäcke schleppt, ist da kaum die Frage, auch wenn die Putzfrau den Pförtner (eher vergeblich) ermutigt.

Eine durchschlagende Begegnung mit wohlriechenden Düften erlebt der Manager im Kampf gegen Hundek... Ein fast umwerfendes Bild gibt er ab im Hosenanzug (vermutlich) seiner Sekretärin. Seinen eigenen Anzug konnte er nicht mehr riechen.

Im Hinterhof begegnet die Braut der schwangeren Flüchtlingsfrau und will ihr helfen. Doch völlig verschreckt sucht diese zunächst zwischen den Mülltüten das Weite.

Geschenke für das Baby: Der Pförtner und die Putzfrau besuchen die Flüchtlingsfrau und ihr Neugeborenes.
Geschenke für das Baby: Der Pförtner und die Putzfrau besuchen die Flüchtlingsfrau und ihr Neugeborenes. ©  Ute Lawrenz

Mit nur drei Schauspielern Andres Angulo, Johannes Stubenvoll und Thomas van Ouwerkerk ist es dem Regisseur Michael Vogel in der Gemeinschaftsproduktion der Familie Flöz mit dem Theaterhaus Stuttgart dem Theater Duisburg und dem Lessing Theater Wolfenbüttel gelungen, den Hinterhof mit all diesen Menschen – und manchem mehr – vortrefflich zu füllen.

Mit unglaublicher Dynamik und Körperbeherrschung spielen die Akteure ihre Figuren, so dass die Worte nicht mehr fehlen. Viele Lacher und Zwischenapplaus heimsten die Akteure ein für ihre gut gesetzten Slapstick-Momente.

Begeisterter Applaus im Deutschen Theater

Die plakativen Kostüme von Mascha Schubert erlauben es ihnen, in Sekundenschnelle von einer Rolle in die nächste zu schlüpfen. Der Hinterhof im Bühnenbild von Felix Nolze macht es möglich, schnell ab- und neu gestylt wieder aufzutreten. Dabei tun die Masken (Hajo Schüler) ihren Job. Sie rücken das Erzählte ins Plakative: Was auf der Bühne passiert steht exemplarisch für eine Vielzahl von Einzelfällen.

Die märchenhafte Stimmung unterstützt die Musik (Maraike Brüning, Benjamin Reber, Song „Hold on“ Marlena Käthe). Vieles wird life gespielt von Maraike Brüning am Klavier und Marie-Louise Wundling auf dem Cello.

Nach begeistertem Applaus mit Bravorufen brachten die Schauspieler mit den Musikern eine Zugabe auf dem Gläserspiel und heimsten dafür noch mehr Applaus ein. Auf hoffentlich ein Wiedersehen bei den Göttinger Figurentheatertagen im kommenden Jahr. (Ute Lawrenz)

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