80% stehen Spende positiv gegenüber

Anderen helfen: Wieder mehr Menschen zur Organspende bereit

+
„Du fehlst mir“: So heißt die Plakatkampagne des Landes Niedersachsen für Organspenden, für die sich Axel Rahmel (Bild) von der Deutschen Stiftung Organtransplantation einsetzt.

Göttingen. Trendwende: Die Bereitschaft der Menschen in Deutschland zur Organspende hat nach 2013 auch 2014 zugenommen.

Das gilt auch für Niedersachsen, wie eine Umfrage unter etwa 4000 Bürgern ergab. Die auch durch die Transplantationsskandale ausgelösten Rückgänge der Spender-Zahlen scheinen damit gestoppt worden zu sein.

80 Prozent der Befragten stehen einer Organspende positiv gegenüber, 71 Prozent sind grundsätzlich damit einverstanden, dass man nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnimmt, 2013 waren es laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 68 Prozent. Zwölf Prozent der Befragten lehnen eine Organspende ab. Sie fürchten den Missbrauch durch Organhandel.

Der Trend aber ist positiv: Seit 2012 steigt die Zahl derer, die einen Organspendeausweis ausgefüllt haben, wieder an. 22 Prozent der Befragten hatten 2012 einen Organspendeausweis, 2013 waren es 28 und 2014 jetzt 35 Prozent.

Für fast zwei Drittel aller Spender ist das entscheidende Motiv dafür, anderen Menschen helfen zu wollen. Für 45 Prozent ist die Entlastung ihrer Angehörigen eine wichtige Motivation, ihre Organe im Falle des Hirntodes freizugeben.

Dennoch herrscht weiter Organmangel, die Wartelisten mit schwerkranken Patienten, die auf ein Spenderorgan warten ist lang, in Deutschland sind es mehr als 11.000. Das hat dramatische Folgen, denn für viele Wartende kommt das Organ zu spät.

Von 2010 bis 2013 war die Organspender-Zahl von 1300 auf unter 900 gefallen. Besonders drastisch wirkt sich der Organmangel bei den Nierenpatienten aus, sie stellen den Großteil der Menschen auf den Wartelisten dar.

Nach den vorläufigen Zahlen von Januar bis Mai 2015 seien 375 hirntoten Spendern Organe entnommen worden, sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Axel Rahmel, in Hannover. Das waren 18 mehr als im Vorjahr.

In Niedersachsen wirbt auch die Landesregierung, unter anderem in einer Plakatkampagne, unter dem Titel „Du fehlst mir“ für die Organspende.

Ein Blick in die Statistik zeigt die Notwendigkeit von Werbeaktionen: Niedersachsen rangierte bei der Zahl der Organspender pro Million Einwohner 2013 im Ländervergleich fast ganz unten. Mit einem Wert von 8,1 war man gleichauf mit dem Saarland. Nur die Schleswig-Holsteiner spendeten weniger Organe: 7,8 pro eine Million Einwohner. Die Menschen aus Hamburg und Schleswig-Holstein lagen mit Werten von 22,4 und 18,2 vorne.

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) betont, dass eine eigene Entscheidung für die Organspende auch die Angehörigen im Todesfall entlaste. Jeder müsse eine persönliche Entscheidung treffen, ob er im Fall seines Hirntodes Organe spenden wolle. „Wenn man nicht selbst entscheidet, stehen die Angehörigen vor der Frage.“ 

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.