Programmkino in Göttingen hat geöffnet

Wieder großes Kino im Göttinger Méliès

Einst Baptistenkirche, jetzt das Programmkino Méliès – an der Bürgerstraße in Göttingen. Das kurz vor dem Lockdown eröffnete Kino ist nun wieder in Betrieb.
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Einst Baptistenkirche, jetzt das Programmkino Méliès – an der Bürgerstraße in Göttingen. Das kurz vor dem Lockdown eröffnete Kino ist nun wieder in Betrieb.

Endlich! Göttingens neues Programmkino, das Méliès an der Bürgerstraße 13, zeigt wieder Filme. Es hatte kurz nach der Eröffnung im September 2020 wieder schließen müssen.

Göttingen - Ein „wahres Schmuckstück“ ist in der alten Baptistenkirche entstanden, schwärmt Matthias Sonnenburg vom Verein Filmkunstfreunde Göttingen. „Es ist super geworden“, erklärt Kinobesucher Stephan Heupst. Er hat bereits während der Bauphase vorbeigeschaut und lobt die „wunderbare Verwandlung“ des einstigen Kirchenraums. Er ist mit seinen Emporen noch gut zu erkennen.

„Ich bin völlig begeistert“, sagt Kinobesucherin Birgit Meurer. Sie hat bereits im September und Oktober Vorstellungen im Méliès besucht. Damals durften aufgrund der Hygieneauflagen nur gut 25 Personen ins Kino, das über 109 Sitze verfügt. Derzeit verkauft das Méliès immerhin 52 Karten pro Vorstellung. Besucher sitzen im Schachbrettmuster. Die Plätze vor, hinter und neben ihnen sind immer frei.

„Ich kann den Kinosaal gut erreichen“, freut sich Rollifahrerin Heide Frirdich. Sie muss allerdings in der ersten Reihe sitzen und den Kopf entsprechend weit nach hinten legen. Das tut ihrer Begeisterung über den Ableger des Göttinger Programmkinos Lumière aber keinen Abbruch. Sie werde Stammgast, erklärt Frirdich, die nur eine Straße weiter in der Nachbarschaft des Kinos wohnt.

Cineastin Meurer lobt das bauliche Konzept. Im Eingangsbereich vor der Kasse gibt es eine lange Fensterfront. An den Wänden hängen Tafeln mit Informationen zum Namensgeber, Filmpionier Georges Méliès, aber auch zum Gebäude. 1902 wurde der Grundstein der Kirche gelegt. Vier Jahre dauerten die Bauarbeiten. Nachdem die Gemeinde Anfang der 80er Jahre auf die andere Straßenseite gezogen war, diente das einstige Gotteshaus, das nun der Stadt gehörte, eine Zeit lang als Jugendzentrum.

Nach jahrelangem Leerstand beschloss der Rat der Stadt 2017, die Immobilie an Investor Gerhard Rocznik zu verkaufen. Er hat im Erdgeschoss neben dem Kino ein Bistro geschaffen. Es ist stilvoll mit Film-Utensilien ausgestattet. In einem Anbau und in den oberen Stockwerken entstanden Wohnungen.

„Damit sich der Kinobetrieb unter Corona-Bedingungen rechnet, müssten alle Vorstellungen ausverkauft sein“, sagt Kino-Chefin Telke Reeck. Da das im Sommer selten der Fall ist, gibt es im Méliès erstmal nur eine Vorstellung um 19 Uhr. Parallel läuft bis Ende August das Open-Air-Kino im Freibad am Brauweg. Das Lumière ist aufgrund von Sanierungsarbeiten geschlossen. Fußbodenbelag, Wandbezüge und Lichttechnik sind bereits erneuert worden. Probleme gibt es mit den Kinostühlen.

Der Hersteller kann sie nicht produzieren, weil er keinen Bezugsstoff bekommt. Telke Reeck hofft, dass das Kino Ende September wieder öffnen kann. 150.000 Euro erhält sie für die Sanierung von der Filmförderung, dem Land und der Stadt. (Michael Caspar)

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