Göttingen

Wildbienen-Neufunde in Niedersachsen: Göttinger Fachleute weisen fünf Arten erstmals nach

Die Senf-Wespenbiene (Nomada melathoracica)
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Erstmals in Niedersachsen nachgewiesen: Die Senf-Wespenbiene (Nomada melathoracica).

Göttinger Experten haben die Verbreitung gefährdeter Wildbienenarten untersucht und dabei in Südniedersachsen extrem seltene Spezies festgestellt – fünf Arten sogar zum ersten Mal.

Göttingen – Aus Niedersachsen sind bisher rund 370 Wildbienenarten bekannt – nun sind einige neu hinzugekommen. Fünf in Niedersachsen erstmals festgestellte Wildbienenarten und zahlreiche weitere extrem seltene und gefährdete Spezies – das ist das Ergebnis mehrerer Projekte der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e.V. (BSG) zur Erforschung und zum Schutz der Wildbienen-Fauna in Südniedersachsen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Seltene Wildbienenarten in Südniedersachsen: Lebensräume in und außerhalb von Schutzgebieten

Von 2016 bis 2020 haben Göttinger Wildbienen-Fachleute um den Experten Thomas Fechtler zahlreiche Lebensräume in und außerhalb von Schutzgebieten untersucht. Ziel war und ist laut Mitteilung die Gewinnung von Wissen über die Verbreitung besonders gefährdeter Arten, die Entwicklung von Schutzkonzepten und die praktische Umsetzung von Biotop-Pflegemaßnahmen.

„Zu den niedersächsischen Neubürgern gehören unter anderem die Eichen-Sandbiene (Andrena ferox), die Geflügelte Kegelbiene (Coelioxys alata) und die Senf-Wespenbiene (Nomada melathoracica)“, sagt Thomas Fechtler. „Der Nachweis dieser in ganz Deutschland stark gefährdeten und teilweise sogar vom Aussterben bedrohten Arten ist sehr bemerkenswert.“

Seltene Wildbienenarten in Südniedersachsen: Großer Artenreichtum in der Region Göttingen

Dabei spiele sicher auch der Klimawandel eine Rolle, der in den vergangenen Jahren zur Einwanderung einzelner Arten geführt habe. In der Region Göttingen herrsche ein großer Artenreichtum, da es dort verhältnismäßig viele entsprechende Lebensräume mit genügend Nistplätzen und Nachrungsangeboten gebe. Daraus ergebe sich auch eine hohe Verantwortung, das zu erhalten.

Das bestätigt auch Fionn Pape, BSG-Vorstandsmitglied und Co-Autor der Studie: „Die Wildbienen-Vielfalt erhält sich nicht von alleine, es ist ein Erfolg für den regionalen Naturschutz, dass viele der besonders gefährdeten Arten auf Flächen nachgewiesen wurden, die die BSG im Rahmen von Naturschutz-Einsätzen langjährig praktisch pflegt.“

Dazu zählten unter anderem die Schedener Magerrasen Huhnsberg und der Groß Schneener Einzelberg.

Seltene Wildbienenarten in Südniedersachsen: Wildbienen kommen im Naturschutz zu kurz

Es sei aber auch deutlich geworden, dass Wildbienen im Naturschutz noch immer zu kurz kommen. Beispielsweise gebe es keine speziellen Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Arten.

Meist sei nicht einmal bekannt, wo sich naturschutzfachlich besonders wertvolle Wildbienen-Populationen befinden. „Die BSG wird die Erforschung der Wildbienen-Vielfalt der Region und ihren Schutz weiter intensiv vorantreiben“, sagt Pape.

Seltene Wildbienenarten in Südniedersachsen: Neue Arten

Die Niedersächsischen Neubürger sind die Eichen-Sandbiene (Andrena ferox), die Geflügelte Kegelbiene (Coelioxys alata), die Große Schmalbiene (Lasioglossum majus), die Ehrenpreis-Wespenbiene (Nomada atroscutellaris) und die Senf-Wespenbiene (Nomada melathoracica).

Kegel- und Wespenbienen sind sogenannte Kuckucksbienen, die ihre Eier in die Nester von Wirtsbienenarten schmuggeln. Dort bedienen sich die Larven an den Vorräten, die die Wirtsbienenweibchen für ihre eigenen Nachkommen zusammengetragen hatten. (Sarah Schnieder)

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