Göttingen

Wilhelmsplatz in Göttingen: Situation zwischen cool und nicht ertragbar

Wilhelmsplatz in Göttingen – historischer Platz mit dem Verwaltungssitz der Universität samt Uni-Aula
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Wilhelmsplatz in Göttingen – historischer Platz mit dem Verwaltungssitz der Universität samt Uni-Aula: Der Platz ist tagsüber eine Idylle zum Verweilen, abends wird er zur Party-Location.

Kontrollen, Strafen und verschärfte Maskenpflicht – Die Debatte um Partys in der Göttinger City spitzt sich zu. Wir haben bei der Stadtverwaltung nachgefragt.

Göttingen – Die Diskussion um das Feiern auf dem Wilhelmsplatz, dem Albaniplatz und in Nebenstraßen in der Göttinger Innenstadt kocht weiter hoch. Ordnungsbehörde und Polizei haben mehr Kontrollen und Strafen wie Platzverbote für Regelbrecher angekündigt. Die Maskenpflicht wurde verschärft. Wir haben nach alternativen Plätzen für das abendliche Feiern in der City gefragt.

Die Stadtverwaltung hat über den Ordungsdezernenten Christian Schmetz darauf geantwortet:

Ist eine Zunahme von Anzeigen bzw. Beschwerden zu verzeichnen – auch im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre?
Nein, die Beschwerdelage ist unverändert (niedrig).
Was wird letztlich dagegen unternommen?
Wie das vergangene Wochenende leider deutlich gemacht hat, ist es in mehreren Städten bundesweit zu ähnlichen Szenen gekommen. Es handelt sich also nicht um spezifisches Problem für Göttingen, dennoch muss es vor Ort gelöst werden. Stadt, Polizei und weitere Akteure wie die Jugendhilfe sind im wiederkehrenden Austausch über die Lage.
Der Fachbereich Ordnung der Stadt und die Polizei stehen natürlich auch jetzt im regen Austausch zur Situation am Wilhelmsplatz. Insbesondere die Frage, welche rechtlichen Optionen derzeit möglich und auch umsetzbar und durchsetzbar sind, wird dabei erörtert.
Ergebnisse sind die Ausweitung der Maskenpflicht in den Nächten von Freitag bis Montag, häufigere Kontrollen und eine schärfere Bestrafung von Verstößen, wie durch Erteilung von Platzverboten.
Gibt es Gedankenspiele, wie und wo man den jungen Menschen einen Raum zum Feiern geben könnte?
Überlegungen zu einem Konzept, etwa eine „Party-Meile“ auf dem Schützenplatz zu etablieren, sind nicht erfolgversprechend. Ein solcher Platz müsste dauerhaft zur Verfügung stehen, Anschlüsse für Wasser, Abwasser, Strom müssen in ausreichendem Maße vorhanden sein.
Es würden zuverlässige Betreiber benötigt, die über das notwendige Equipment und entsprechendes Personal verfügen. Dass eine abgelegene Partymeile, die die Menschen aus der Innenstadt lockt, im Sinn der Gastronomie und des Einzelhandels der Innenstadt ist, wäre zu bezweifeln.
Ein entsprechender Versuch im vergangenen Jahr in einer westdeutschen Großstadt wurde nach kurzer Zeit eingestellt.
Die Innenstadt ist in Göttingen auch Wohnraum – im Vergleich zu anderen Städten mehr als dort. Aber fürchtet man nicht eine Entvölkerung – auch wegen der über Jahre währenden Lärmbelästigungen und Sachbeschädigungen?
Wohnen in der Innenstadt ist ein erklärtes Ziel im Innenstadtleitbild der Stadt Göttingen. Es trägt zur Vitalität und nachhaltigen Belebung der Altstadt bei und hebt unsere Stadt im Vergleich zu anderen Städten positiv ab.
Gerade mit Blick auf die Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Innenstädte zeigt doch, dass Göttingen hier schon lange auf dem richtigen Weg ist und durch die Mischung von Leben, Arbeiten, Einkaufen und Kultur/Freizeit in der City eine besondere Atmosphäre bietet.
Selbstverständlich führt das durch unterschiedliche Interessen und Präferenzen der Bewohner und Bewohnerinnen beziehungsweise derjenigen, die sich in der Innenstadt aufhalten, hier und da zu Konflikten.
Sind dafür auch zu wenige Kontrollen ohne notwendige Konsequenzen verantwortlich?
Deutlich betont werden muss, dass nicht etwa mangelnde Kontrollen von Stadtordnungsdienst oder Polizei die Ursache für Situationen wie am Wilhelmsplatz sind.
Es handelt sich hier um ein gesamtgesellschaftliches Problem: Es ist zu beobachten, dass ein gewisser Teil der Bürger und Bürgerinnen schlicht keine Lust darauf hat, Regeln zu befolgen und durch eigenes Handeln einen Beitrag zu einem verträglichen Miteinander zu leisten.
Auch ist die Toleranz vieler Menschen groß, solange sie nicht selbst als Anwohner oder Anwohnerinnen beispielsweise von Lärm betroffen sind. Das ist im Übrigen auch eine Erkenntnis von „Stadt vor Ort“. Bestimmte Situationen, die von einzelnen angeprangert werden, empfinden andere durchaus als cool, erwünscht oder nicht so schlimm.
Warum haben Anwohner, die sich über den Lärm, die Verunreinigungen – auch von Eingängen – und Vandalismus beschweren, aus den Medien Antworten erhalten, nicht aber von der Stadtverwaltung?
Der Beschwerdeführer hatte sich nicht an die Stadt gewandt, sondern direkt an die Medien. Menschen, die sich bei der Stadtverwaltung Göttingen melden, erhalten auch über die Stadt Göttingen eine Antwort.

(Thomas Kopietz)

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