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„Wir sind bereit, für unsere Freiheit zu kämpfen“

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Von: Michael Caspar

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Besorgt über die Entwicklungen in ihrer Heimat: Kvitoslava Hampe aus Göttingen steht vor einem Bild
Besorgt über die Entwicklungen in ihrer Heimat: Kvitoslava Hampe. © Michael Caspar

Krieg in der Ukraine. Die Russen sind einmarschiert. Für die Göttingerin Ukrainerin Kvitoslava Hampe herrscht dort seit 2014 Krieg.

Göttingen - Der russische Präsident Wladimir Putin habe längst schon mit „der Anerkennung der beiden ostukrainischen Provinzen Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten und eingeleiteter Truppenbewegungen eine Kriegserklärung an die Ukraine ausgesprochen“, sagt Hampe. Seit Donnerstagnacht ist definitiv Krieg.

„Wir sind bereit, für unsere Freiheit zu kämpfen“, betont die Ukrainerin. Sie täten das für ihr Land und für die Menschen in Nachbarstaaten, etwa im Baltikum oder in Polen. Diese Länder, befürchtet Hampe, würden im Fall, dass Putin mit seiner aggressiven Politik Erfolg habe, als nächste „Opfer russischer Erpressung“.

„Die ukrainische Armee beruft Reservisten ein; meine Freundin, eine Ärztin, musste sich in einem Armeekrankenhaus melden“, berichtet Hampe aus ihrem privaten Umfeld. Die Regierung habe den Verkauf von Jagdgewehren an Bürger freigegeben. Diese könnten sich so gegen Invasoren, aber auch – beim Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung – gegen Kriminelle mit Waffengewalt wehren.

Kiew hoffe auf die Unterstützung der Europäischen Union. Hampe lobt zwar die „diplomatischen Bemühungen“, den Konflikt doch noch beizulegen. Die Wirtschaftshilfen brächten das Land, das mit Korruption und einer schwachen Justiz leide, voran. Sanktionen gegen Russland, wie der Stopp der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 oder die Unterbindung des Kapitalverkehrs mit dem Westen würden Moskau schmerzen, ist Hampe überzeugt.

„Europa muss uns aber auch Waffen liefern“, stellt Hampe klar. Es sei „traurig“, dass Deutschland das seit Jahren zu unterbinden versuche. Ihr Land werde Russland im Falle eines offenen Krieges nicht lange standhalten können. Europa habe eine moralische Verpflichtung gegenüber dem größten Land des Kontinents. Die Ukraine habe nach der Wende ihre Atomwaffen abgegeben. Im Gegenzug sei dem Land die Sicherheit der eigenen Grenzen versprochen worden.

„Die Ukraine befindet sich seit 2014 in einem unerklärten Krieg mit Russland“, sagt die Göttingerin. Damals habe Putin die Krim annektiert. Pro-russische Milizen hätten mit Unterstützung des Kreml in den Provinzen Donezk und Luhansk die Macht an sich gerissen. Einen Teil der Gebiete habe die ukrainische Armee wieder unter die Kontrolle der Zentralregierung gebracht. Russland habe angedeutet, dass rückgängig machen zu wollen.

Mit Nachdruck weist Hampe Putins Erklärung zurück, die Ukraine sei immer ein Teil Russlands gewesen. Die Russen sprächen den Ukrainern seit Jahrhunderten ab, ein eigenständiges Volk zu sein. (Michael Caspar)

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