SPD-Politiker Thomas Oppermann im Gespräch 

„Wir wollen doch nur Frieden“ - Nordsyrer zu Gast in Göttingen

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Sprechen über die Situation in Nordsyrien: Von links Journalist Sirwan Haji Barko, SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Oppermann, Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker Dr. Kamal Sido und Führungsmitglied der kurdisch-demokratischen Partei in Syrien Salaheddin Haj Rachid.  

Göttingen. Mit Krieg und Gewalt kann der Syrien-Konflikt nicht beendet werden – in diesem Punkt sind sich der Göttinger SPD-Politiker Thomas Oppermann und seine Gäste aus Nordsyrien einig. Der Bundestagsabgeordnete informierte sich über die Situation und über Möglichkeiten, den Leuten zu helfen.

Nordsyrien beinhalte laut Salaheddin Haj Rachid, einem Führungsmitglied der kurdisch-demokratischen Partei in Syrien, ein multikulturelles und religiöses Zusammenleben von Kurden, Armeniern, Christen, Jesiden und vielen weiteren. Zudem sei die Region ein Zufluchtsort für syrische Flüchtlinge, die vor der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) und bewaffneten Milizen fliehen. Heute sei die Region jedoch zu einem Austragungsort der Konflikte zwischen türkisch-islamischen und iranischen Interessen geworden.

Nicht genug Nahrung

„Ein großes Problem ist die Lage der Zivilbevölkerung in Nordsyrien. Es gibt nicht genug Nahrung, nicht genug Trinkwasser und auch der Zugang zu Strom ist nicht gesichert“, sagt Haj Rachid und bedankt sich für die Aufnahme der syrischen Flüchtlinge in Deutschland. Er wünscht sich auch eine Unterstützung vor Ort. „Wir brauchen Schulen, eine gute Infrastruktur“. Oppermann pflichtet ihm bei: „Wenn die Menschen in Syrien ein gesichertes Leben haben und eine Perspektive sehen, würden viele Menschen dort bleiben und nicht fliehen.“ Das Ziel sei es, die Situation politisch zu stabilisieren und ein gutes Leben zu ermöglichen.

Eine wichtige Bedingung für einen möglichen Frieden sei der Abzug aller nichtsyrischen Konfliktparteien – wie der der Türkei. „Die Türkei lässt die Unterstützung Nordsyriens nur sehr schwer zu“, so Haj Rachid. „Dieser Stellvertreter-Krieg, der in Syrien stattfindet, muss aufhören.“

Freies Radio in Syrien

Ein konkretes Projekt, das den Leuten in Nordsyrien hilft, ist das freie Radio arta.fm, was der ehemalige WDR-Reporter Sirwan Haji Barko ins Leben gerufen hat. „Wir haben junge Menschen zu Radio-Reportern ausgebildet und senden seit 2013 in Syrien“, sagt er. Gesendet werden besonders Interviews und Nachrichten. „Auch dienen wir als eine Art Schule und informieren die Leute.“

Bislang wird arta.fm noch nicht von Deutschland finanziell unterstützt. Thomas Oppermann will sich im Deutschen Bundestag dafür einsetzen, dass sich die Unterstützung Deutschlands nicht mehr nur hauptsächlich auf den Nordirak, sondern auch auf Nordsyrien richte. „Insbesondere der Zivilbevölkerung muss mehr geholfen werden.“ 

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