Auswirkungen von Klimawandel und Züchtung

Wissenschafter erforschten Winterweizen: Neue Sorten blühen früher

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Winterweizen blüht früher: Im Vergleich zu den 1950er Jahren blüht Winterweizen heute zwei Wochen früher. Die Erderwärmung ist dabei nur ein Faktor. Eine ebenso wesentliche Rolle spielt laut einer Studie von Göttinger Agrarwissenschaftlern die Entwicklung neuer Sorten.

Göttingen. Winterweizen blüht heute etwa zwei Wochen früher als vor 60 Jahren. Neben den gestiegenen Temperaturen tragen dazu neu gezüchtete Sorten bei.

Zu diesem Ergebnis kamen Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen, die zusammen mit Forschern der Universität Bonn fast 500 000 Beobachtungen der Pflanzenentwicklung ausgewertet haben.

Verschiebungen der Entwicklungsstadien von Pflanzen im Jahresverlauf gelten als wichtiger Indikator für den Klimawandel. Als Folge der Erd- erwärmung blühen die meisten Pflanzen immer früher im Jahr, so auch der Winterweizen.

Aussaat und Züchtung

Bislang sei aber kaum bekannt, wie sich der Zeitpunkt der Aussaat und die genetischen Veränderungen durch die Züchtung langfristig auf die Pflanzenentwicklung auswirken, so die Göttinger Agrarwissenschaftler. Für ihre Studie haben sie Beobachtungen von 4 824 Standorten in Deutschland aus dem Zeitraum von 1952 bis 2013 ausgewertet.

Zusätzlich testeten sie im Feldversuch repräsentative Sorten von Winterweizen, die in den vergangenen sechs Jahrzehnten angebaut wurden, und verglichen zwei Jahre lang deren Entwicklung im Jahresverlauf.

„Wir konnten zeigen, dass die Einflüsse von Klimawandel und von Sortenveränderungen durch Züchtung auf den Blühzeitpunkt in dem betrachteten Zeitraum etwa gleich groß sind und in dieselbe Richtung wirken“, sagt der Erstautor der Studie Dr. Ehsan Eyshi Rezaei vom Department für Nutzpflanzenwissenschaften, Abteilung Pflanzenbau. „Denn die jüngeren Sorten benötigen im Zeitraum zwischen Feldaufgang und Blüte 14 bis 18 Prozent weniger Wärmesumme als Sorten aus den 1950-er und 1960-er Jahren.“ Deutliche Effekte einer früheren oder späteren Aussaat auf den Blühzeitpunkt konnten dagegen nicht nachgewiesen werden.

„Wir schließen daraus, dass bislang die Effekte der Erderwärmung auf den Winterweizen überschätzt werden“, ergänzt Prof. Dr. Stefan Siebert, der die Abteilung Pflanzenbau leitet. Zukünftige Studien zum Einfluss des Klimawandels sollten daher die Weiterentwicklung der Sorten berücksichtigen, so Siebert.

Feldversuch: Die Sorte „Tommi“ aus dem Jahr 2002 und „Heines VII“ aus dem Jahr 1950 zwischen Beginn des Ährenschiebens und Beginn der Blüte.

Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Agrarwissenschaftler in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

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