Positive Aspekte im Vordergrund

Göttinger Wissenschaftler erforschen das Glück im Handwerk

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Traumberuf gefunden: Jacqueline Engel (hier mit ihrem Chef Heiko Holzapfel) kann sich als Friseurin kreativ entfalten.

Göttingen. Macht die Arbeit im Handwerk glücklich? Dieser Frage gehen jetzt Wissenschaftler der Uni Göttingen nach.

Kulturanthropologin Dr. Dorothee Hemme und die Ökonomin Dr. Ann-Kathrin Blankenberg arbeiten dazu an der neuen Studie „Handwerksstolz – Glücksforschung im Handwerk“. Die Idee für das Projekt entstand bei einer Studie über Innovationen durch vorhandene Erfahrungen im Handwerk. „Ich traf dabei auf sehr viele zufriedene und glückliche Menschen im Handwerk“, sagt Hemme. Das weckte bei ihr das Interesse an der Thematik. Bei der Denkmalmesse in Leipzig fragte sie stichprobenartig nach den Gründen für das Glück der Handwerker.

Um auch den volkswirtschaftswissenschaftlichen Bereich zu beleuchten, holte sich Hemme die Ökonomin Ann-Kathrin Blankenberg mit ins Boot. Gemeinsam konzipierten die Wissenschaftlerinnen einen Fragebogen. Damit soll die Lebenszufriedenheit, basierend auf der Arbeitszufriedenheit, ermittelt werden.

Zur Zielgruppe für die Studie gehört Friseurin Jaqueline Engel aus Göttingen. Sie kann sich nicht vorstellen, etwas anderes zu tun. Und: Sie ist vor allem stolz auf ihre Arbeit, weil sie „etwas kann, was nicht jeder kann“. Durch ihre Arbeit kann sie sich „kreativ entfalten“ und gleichzeitig anderen helfen, ihre Persönlichkeit durch Frisuren und Haarfarben zum Ausdruck zu bringen. Allerdings stört sie, dass ihr Handwerk gesellschaftlich einen so schlechten Ruf hat. Dabei braucht jeder Mal einen Friseur: „Hätte der Richter keinen Friseur, würde er auf dem Kopf auch aussehen wie sonst was“, sagt sie.

Die Forschung soll sich auf die positiven Aspekte im Handwerk konzentrieren. „Leider ist in der Gesellschaft vor allem die Kritik an handwerklichen Berufen und die niedrigen Löhne präsent“ erzählt Blankenberg.

Die beiden Wissenschaftlerinnen berichten, dass sie im Zuge der Umfrage bereits zahlreiche Rückmeldungen erhalten haben. „Die meisten freuen sich über die Wertschätzung, die ihnen auf diese Weise entgegengebracht wird“ sagen sie.

Es haben sich bereits rund 600 Handwerker an der Studie beteiligt. Hemme und Blankenberg hoffen auf noch mehr Resonanz, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten. Die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen ruft gemeinsam mit der Uni Göttingen alle Mitarbeiter von Handwerksbetrieben dazu auf, an der zwölfminütigen Online-Umfrage teilzunehmen. Die Fragen können noch bis Ende März am PC sowie an mobilen Endgeräten beantwortet werden.

www.handwerksstolz.de

Von Kristina Stein

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