Trauerkultur

Mit dem Tod auseinandersetzen: Witwe flüsterte auf Göttinger Friedhof

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Friedhofsgeflüster: Historikerin Dr. Anja Kretschmer berichtete den Gästen der Führung, wie die Menschen in früheren Zeiten mit dem Tod umgingen. 

Göttingen. Eine Friedhofsführung der etwas anderen Art erlebten 70 Teilnehmer des ersten Göttinger „Friedhofsgeflüsters“.

Nicht der Göttinger Stadtfriedhof stand als Veranstaltungsort im Mittelpunkt. Er bildete nur die Kulisse. Vielmehr ging es darum, wie die Menschen in früheren Zeiten mit dem Tod umgingen, um die damalige Trauerkultur und die Bedeutung von alten Ritualen.

Historikerin schlüpft in das Kostüm einer geheimnisvollen Witwe

Zu diesem Zweck hatte sich die Rostocker Historikerin Dr. Anja Kretschmer mit einem entsprechenden Kostüm in eine geheimnisvolle schwarze Witwe aus dem späten 19. Jahrhundert verwandelt. Anschaulich erzählte sie ihren gespannt lauschenden Zuhörern von Totenkronen und Leichenbittern oder davon, was die Taube mit dem Tod zu tun hat oder warum man Erbsen in den Sarg schütten sollte.

„Es geht mir darum, dass Menschen ihre Berührungsängste verlieren und sich damit auseinandersetzen, dass unsere Zeit begrenzt ist“, sagt Anja Kretschmer, die mit ihrem Friedhofsgeflüster durch ganz Deutschland reist. Schon als Kind sei sie von Friedhöfen fasziniert gewesen und habe sich deshalb auch 2012 in ihrer Doktorarbeit diesem Thema widmete. „Da ich bei meinen 90-minütigen Führungen viel über das Brauchtum erzähle, sind die Friedhöfe an sich eher Kulisse und tragen zur passenden Stimmung bei“, sagt sie. So könne sie ihr Wissen in der ganzen Republik weitergeben. 

Und weil es dabei nicht immer nur ernst zugehen soll, erzählt sie vieles auch mit einem Augenzwinkern. „Denn das Lachen – und das wussten schon unsere Vorfahren – ist immer noch die beste Art, um der Endgültigkeit gegenüberzutreten“, sagt sie. 

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