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WM-Bauarbeiter statt Fußball-Stars bei Fotoschau im Fokus

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Von: Thomas Kopietz

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Ausstellung als Protest gegen die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar: Im Göttinger Kino Méliès läuft „The forgotton team“. Bei der Eröffnung: Bernd Boy (IG Bau, links) und Autor sowie boycott-qatar-Aktivist Bernd M. Beyer.
Ausstellung als Protest gegen die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar: Im Göttinger Kino Méliès läuft „The forgotton team“. Bei der Eröffnung: Bernd Boy (IG Bau, links) und Autor sowie boycott-qatar-Aktivist Bernd M. Beyer. © Privat/nh

Mit den negativen Seiten der Fußball-WM in Katar befasst sich eine Fotoausstellung in Göttingen. Im Mittelpunkt stehen die Bauarbeiter.

Göttingen – Die Protestwelle gegen die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, wird auch getragen von der Initiative „Boycott-qatar 2022“, die ein Göttinger maßgeblich anschiebt: Bernd M. Beyer. Die Initiative unterstützt eine Foto-Ausstellung, die im Foyer des Göttinger Kinos Méliès läuft: „The forgotten team“. Sie richtet sich aber nicht an Fußball-Stars und -Mannschaften aus, sondern an den Bauarbeitern.

Ohne sie, das vergessene Team, wäre die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar nicht möglich: Die Infrastruktur wird von Arbeitern aus südasiatischen und afrikanischen Ländern gebaut. Es gab Tote auf den Baustellen. Auch werden die Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung der Arbeitskräfte angeprangert. Kritiker sagen, dass die Arbeitsbedingunge in einigen Fällen der Zwangsarbeit gleich käme.

„All unsere Träume platzten mit dem Tod meines Bruders. Er hatte gehofft, den Lebensstandard für uns alle zu verbessern, doch der Großteil seines Lohns ging für die Rückzahlung der Vermittlergebühren drauf“, sagt Didarul Islam aus Bangladesch, dessen 34-jähriger Bruder, Mohammad Kaochar Khan, am 15. November 2017 in Katar tot in seinem Bett aufgefunden wurde.

Zwischen 2017 und 2022 besuchte Mohamed Badarne mehrmals Katar und Nepal, um sich mit Arbeitern und ihren Familien zu treffen und ihre Geschichten festzuhalten. Badarne arbeitet unabhängig und hat ein großes Netzwerk von Kontakten unter Arbeitern Organisationen und Journalisten aufgebaut. Aus seinen Fotos entstand die Ausstellung „The forgotten team“ (www.mbadarne.com). Sie ist bis Montag, 21. November, zu den Öffnungszeiten des Kinos Méliès, Bürgerstraße 13 in Göttingen (etwa 17 bis 22 Uhr) im Foyer und im Bistro zu sehen.

Eröffnet wurde sie am vergangenen Sonntag im Méliès vom Veranstalterbündnis Amnesty International, Entwicklungspolitisches Informationszentrum (EPIZ), Katholische Hochschulgemeinde, DGB, Ver.di und IG Bau.

Bernd Boy, Teamer der IG Bau, gab Hintergrundinformationen zu den Arbeitsbedingungen in Katar und erläuterte das Kafala System, das die Arbeitsmigranten in Abhängigkeit hält. Auch wenn es in diesem System Reformen gab, so habe sich die Lage vieler Arbeiter vor Ort bisher nicht geändert. „Zu wenig wird die Umsetzung der Reformen kontrolliert.“

Der Schriftsteller und Mitbegründer der Initiative „boycott qatar“, Bernd M. Beyer, beschrieb, wie sich innerhalb der kritischen Fanszene Widerstand gegen die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar regte. Mehr als 100 Gruppen und über 1000 Einzelpersonen haben einen Aufruf gegen die WM unterschrieben. In vielen Bundesliga-Stadien gab es am Wochenende sichtbare Protestaktionen.

Viele Gegner organisieren nun alternative Veranstaltungen und verzichten auf die Übertragung der Spiele in ihren Fankneipen (www.boycott-qatar.de).

Am Donnerstag, 17. November, gibt es um 19 Uhr die Diskussionsveranstaltung „Katar und die Fußballweltmeisterschaft 2022“. Dietrich Schulze-Marmeling und Bernd Boy beleuchten dann den politisch-strategischen Hintergrund der WM in Katar und nehmen die Arbeitsbedingungen für Arbeitsmigranten in dem Golfstaat in den Blick. Die Zugangsdaten dieser Online-Veranstaltung sind auf www.epiz-goettingen.de und www.khg-goettingen.de zu finden. (Thomas Kopietz)

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