Durchschnittskaltmiete steigt und steigt

Wohngemeinschaften verdrängen Familien aus größeren Wohnungen

Wird bei Studenten immer beliebter: Im Ortsteil Weende stiegen die Mieten deutlich stärker als in vielen anderen Bereichen Göttingens an. Foto: Rampfel

Göttingen. Wohngemeinschaften verdrängen zunehmend Familien aus größeren Wohnungen. Das ist ein Ergebnis einer Untersuchung zur Mietpreisentwicklung in Göttingen.

Michael Mießner vom Geographischen Institut der Universität Göttingen hat die Analyse erarbeitet. Dabei stellte er fest, dass bei 3-, 4- und 5-Zimmerwohnungen zunehmend Familien das Nachsehen haben. Hintergrund: Gerade durch Wohngemeinschaften sind Studierende in der Lage, höhere Mieter zu bezahlen als beispielsweise Familien mit nur einem Einkommen. „Familien werden so genötigt, in Wohneigentum zu investieren, sofern es ihnen möglich ist.“

Um fast elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zogen die Mietpreise an: Die Vermieter verlangen aktuell durchschnittlich 8,88 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Diese Steigerung ist absolut überdurchschnittlich. Die höchsten Mietpreise werden in der Nordstadt mit 11,61 Euro je Quadratmeter verlangt, gefolgt von der Innenstadt mit 9,72 Euro je Quadratmeter und Weende mit 9,72 Euro je Quadratmeter. Die Steigerungsraten liegen mit über 14 Prozent am höchsten. Die Untersuchung ergab: Mit den hohen Mietpreisen und den Steigerungen nutzen die Vermieter die hohe Umzugsrate bei den Studenten aus.

Es gibt noch eine weitere Folge: Empfänger von Transferleistungen – zum Beispiel Hartz IV – werden aus Weende und Geismar immer mehr in die Weststadt verdrängt. Der Anteil der Studierenden nimmt dagegen in der Innenstadt, in der Nordstadt und in Weende weiter zu. Studenten sind laut der Studie also eine vergleichsweise zahlungskräftige Bevölkerungsgruppe, der es im Gegensatz zu anderen möglich ist, ihre Wohnortwünsche in Göttingen noch am ehesten umzusetzen.

Hintergrund für die Dynamik auf dem Göttinger Wohnungsmarkt ist, dass im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise Immobilien zunehmend als sichere Kapitalanlage gelten. Dies hatte zur Folge, dass Investitionen in Deutschland zunächst in Ballungsräume und Metropolen flossen. Seitdem dort die Renditen sinken, rücken laut Mießner verstärkt Regionalzentren und Uni-Städte wie Göttingen in den Fokus der Anleger.

Ein Problem ist dabei: Investitionen in Wohngebäude müssen „sich rechnen“. Solange dies gelte, werden aus Sicht von Michael Mießner die derzeitigen Entwicklungen anhalten. (bsc)

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