Ratgeber im Caritas Zentrum

Wohnungsnot in Göttingen: Immer häufiger sind Menschen wohnungslos

Die Caritas stellt ihre Jahreskampagne vor: (von links) Anna Werner-Parker (Leiterin Mittagstisch Sankt Michael), Pater Ludger Joos (Pfarrer Sankt Michael), Maria Weiss (Caritas-Centrum Göttingen) und Stephan Siebert (Caritasverband Südniedersachsen). Fotos:  Daniel Zander

Göttingen. Das Caritas-Zentrum Göttingen macht auf ein Riesenproblem aufmerksam, die Wohnungsnot in der Uni-Stadt, und schließt sich einer bundesweiten Initiative an.

Im Kinderzimmer ist kaum Platz. Mehr als einige Betten passen in den engen Raum nicht hinein. Eine Fläche zum Spielen und Lernen – unmöglich. Doch eine größere Wohnung kann sich die Familie aus dem Göttinger Umkreis einfach nicht leisten. Das Geld ist dafür zu knapp.

Viele Göttinger suchen Rat

Diesen Fall schildert so zumindest Maria Weiss vom Caritas-Centrum in Göttingen. Bei ihr lassen sich Menschen, die finanzielle oder andere Sorgen haben, beraten. Bei den Gesprächen, die Weiss führt, werde ein Problem ziemlich deutlich: „In Göttingen fehlt der Wohnraum“, sagt sie. 37 Prozent der Menschen, die im vergangenen Jahr zur Sozialpädagogin gekommen sind, hätten Probleme mit ihrer Wohnsituation gehabt. „Der Bedarf ist enorm, doch es regiert der Freie Markt. Es entstehen eher luxuriöse Wohnungen als die benötigten Sozialbauten.“

Neue Jahreskampagne

Um das zu ändern, versucht die Caritas nun bundesweit auf das Thema aufmerksam zu machen. Plakate zeigen das Motto der aktuellen Jahreskampagne: „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“. Sie hängen auch in Göttingen, wie etwa an der Godehard-Kirche.

Ebenfalls soll das Problem in die Politik getragen werden. Denn viele Ursachen der Wohnungsnot verortet Stephan Siebert vom Caritasverband Südniedersachsen eben dort: „Die Gründe sind unter anderem ein absinkendes Rentenniveau, weniger Sozialleistungen, sinkende Einkünfte und prekäre Beschäftigungsverhältnisse.“

Darüber hinaus würden laut dem Deutschen Mieterbund jedes Jahr zwischen 60.000 und 80.000 Wohnungen aus dem Sozialen Wohnungsbau in Deutschland herausfallen, weil die Mietpreisbindung ablaufe, sagt Siebert.

Auch Studenten betroffen

Doch es sind nicht nur Obdachlose oder Sozialhilfeempfänger, die zur Caritas kommen und sich Hilfe bei der Wohnungssuche erhoffen. Betroffen von dem fehlenden Wohnraum sind besonders in der Uni-Stadt Göttingen auch Studenten

„Viele übernachten zunächst bei Freunden und Bekannten oder werden zu Pendlern“, berichtet Maria Weiss. „Diese Menschen melden sich dann aber nicht als Wohnungslos“, fügt sie an. Daher sei es auch schwer, eine offizielle Statistik über Wohnungslose zu erfassen, zumal sich auch Obdachlose nicht immer melden – meist aus Scham.

Sozialticket für Nahverkehr

Die Caritas versucht auch vor Ort zu helfen. „Wir haben Kontakte zu etlichen Vermietern, die wir zur Wohnungssuche nutzen können“, sagt Weiss. Darüber hinaus setzt sich das Caritas-Centrum in Göttingen für viele Ideen ein, wie zum Beispiel ein Sozialticket für den öffentlichen Nahverkehr. „Für die Stadt Göttingen gibt es bereits so ein Modell. Das wünschen wir uns auch für den Landkreis.“

Und auch der Familie, deren Kinder kaum Platz in ihrem Zimmer haben, konnte laut Weiss geholfen werden. „Wir haben Stockbetten organisiert. Jetzt haben die Kinder mehr Platz.“

Hintergrund: Die Stadt will bauen

In Göttingen gibt es laut Stadtverwaltung 2671 soziale Wohnbauten – die Zahl werde sich allerdings wegen auslaufender Bindungen im kommenden Jahr verringern. In den Notunterkünften der Stadt leben aktuell 1308 Menschen, inklusive Geflüchtete. Der Stadt sei das Problem bewusst, sie wolle dagegen vorgehen. „Wir haben uns gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft vorgenommen, bis 2030 zusätzlich 5000 Mietwohnungen zu schaffen. Das entspricht rechnerischen 420 Wohnungen pro Jahr“, sagt Pressesprecher Dominik Kimyon. Das geschehe im Rahmen des sogenannten kommunalen Handlungskonzepts zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Insbesondere wollen wir 4000 bezahlbare Wohnungen für untere und mittlere Einkommensgruppen schaffen“, betont Kimyon. Dafür habe die Stadt Göttingen – neben der Landesförderung für sozialen Wohnungsbau – eine ergänzende kommunale Förderung aufgelegt. So ständen im Zeitraum von 2018 bis 2021 3,5 Millionen Euro für die Förderung von Sozialwohnungen zur Verfügung. Zugleich kaufe die Stadt Belegrechte an, um Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt sind, ein Zuhause zu geben. 

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