Feierstunde in der Aula

Wolfgang Schimpf war 16 Jahre Leiter des ältesten Göttinger Gymnasiums

Schulleiter  Wolfgang Schimpf (l.) und Dezernent Jan Eckhoff schütteln sich die Hände in der Schulaula.
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Verabschiedete den langjährigen Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums, Wolfgang Schimpf (l.), in den Ruhestand: Dezernent Jan Eckhoff.

Mit langem Applaus ist Wolfgang Schimpf, der das Göttinger Max-Planck-Gymnasium 16 Jahre lang geleitet hat, bei einer Feierstunde in der Schulaula in den Ruhestand verabschiedet worden.

Göttingen - Der Philologe richtete Göttingens ältestes Gymnasium, an dem 90 Lehrer mehr als 900 Schüler unterrichten, neu aus. „Muffig und elitär“ sei die 435 Jahre alte Bildungseinrichtung früher gewesen, berichtete Personalrat Michael Geschwentner. Unter Schimpf habe sie sich zu einem „weltoffenen und toleranten“ Gymnasium gewandelt.

Noch heute könne man an dem altsprachlichen Gymnasium Latinum und Graecum machen, betonte Schimpfs Stellvertreter, Martin Butzlaff. Der scheidende Direktor habe jedoch auch Neues eingeführt – etwa Informatikunterricht auf hohem Niveau. Heute gebe es zudem Hausaufgabenklassen, wo Schüler nach dem Unterricht täglich eine Stunde bei den Hausaufgaben betreut würden.

Nicht immer mit allen Entscheidungen einverstanden gewesen

Viele Redner würdigten Schimpfs kommunikativen Stil. „Er hat sich immer Zeit für uns genommen, auch wenn wir am Ende nicht mit allen seinen Entscheidungen einverstanden waren“, lobte Schülervertreter Jonas Jannsen.

Ihn hätten, erwiderte Schimpf in seiner Abschiedsrede, „die aufgeweckten und ehrgeizigen, zum Teil farbenfrohen und übermütigen Schüler“ beeindruckt. Begabung und Intelligenz kämen seiner Beobachtung nach „nicht immer gutbürgerlich daher“.

Jutta Böhling und Jasamin Djavidan-Kallenberg vom Schulelternrat berichteten von Schimpfs „langen E-Mails“, durch die sie „immer über alles informiert“ gewesen seien. Der Schulleiter habe „nie herumgeredet“, sondern sei für „ein klares Standing“ bekannt. Schimpf seinerseits würdigte die Elternschaft „in ihrer Vielfalt“. Er habe sie als „dynamisierend“ erlebt.

Unter Schimpf entstanden zahlreiche Kooperationen

Bürgermeister Thomas Häntsch (CDU), der den Oberbürgermeister und einstigen MPG-Abiturienten Rolf-Georg Köhler (SPD) vertrat, zeigte sich von den vielen Kooperationen des Gymnasiums beeindruckt, die unter Schimpf mit der Universität, Sportvereinen und Firmen zustande kamen.

Eine „kriminelle Lust an der Regelverletzung“ bescheinigte Jan Eckhoff, Dezernent beim Regionalen Landesamt für Schule und Bildung, dem streitbaren Schulleiter.

Schimpf habe nicht alles fraglos umgesetzt, was angeordnet worden sei. Er habe sich in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen zu Wort gemeldet. Während der Pandemie habe er zum Beispiel genervt auf Warnungen vor Wissenslücken reagiert und sich dafür ausgesprochen, die mit der Krise verbundenen Potenziale zu erkennen.

Der Schulleiter selbst zählte in seiner Abschiedsrede all die Bücher auf, an deren er sich während der vergangenen Jahre orientiert habe: Dschungelbuch, Warten auf Godot, Krieg und Frieden, Der Widerspenstigen Zähnung und Jahrmarkt der Eitelkeiten.

In seinem Rückblick ging er unter anderem auf das G8-Abitur ein, dass sie 2011 „mit einem Kraftakt sondergleichen“ eingeführt hätten und das ein paar Jahre später wieder rückgängig gemacht wurde. Schimpf: „Das geht nur im öffentlichen Dienst.“

Der Sohn des Schulleiters, Alexander Schimpf, gestaltete die Feier am Klavier musikalisch. (Michael Caspar)

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