Film über Arbeit der MPIDS ist auf Youtube zu sehen

Mit Hilfe Göttinger Stahlwippe werden Wolken in Alpen erforscht

Turbulente Arbeit: Professor Eberhard Bodenschatz mit Post-Doktorand Dr. Jan Molacek am sogenannten „Active Grid“, einer Maschine, die mit 130 Motoren und 132 Ventilen Turbulenzen erzeugen kann, wie sie auch in Wolken stattfinden. Foto: von Polier

Göttingen. Die Forschungen des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) im Schneefernerhaus in den Alpen sind jetzt einen Schritt weiter gekommen.

Im Jahr 2008 hatten die Forschungen kurz unterhalb der Zugspitze begonnen.

Eine fünfeinhalb Tonnen schwere Stahlwippe ist aus Göttingen in das Schneefernerhaus transportiert worden, das früher mal ein Hotel war. Mit der Wippe als Grundlage sollen vier Hochgeschwindigkeitskameras Turbulenzen in Wolken aufnehmen. Mit einer Schnelligkeit von 7,5 Meter pro Sekunde rasen die Kameras dann auf der Stahlwippe entlang. Auch die sogenannte turbulente Dynamik der Wolkentröpfchen soll in 3D aufgenommen werden. Das Team um Professor Eberhard Bodenschatz erhofft sich Erkenntnisse über die Entstehung von Niederschlag und wie man ihn besser vorhersagen kann. Im April oder Mai soll die Arbeit auf 2650 Meter Höhe beginnen, fünf Jahre soll sie dauern. Bodenschatz sagt, das Experiment hätte wohl auch auf dem Brocken funktioniert, aber die Windgeschwindigkeiten sind dort höher als am Fuße der Zugspitze, was das Experiment erschweren würde.

Wenn man Wolken und ihre Entstehung in Gänze verstanden hat, kann beeinflusst werden, wo Regen niedergeht, sagt Bodenschatz. „Wenn sich die Wolke zur Ressource entwickelt, kann man sich auch um sie streiten. Jetzt geht es um Öl, aber wenn es um Wasser geht, wird es interessant.“ Das ist eine ethische Frage. Allgemeines Wissen sei besser als wenn nur eine Organisation dieses Wissen hat. Außerdem könnten die Erkenntnisse in Regionen eingesetzt werden, in denen Niederschläge ausschließlich über dem Meer stattfinden und nicht auf dem Land niedergehen. Auch mit Atomenergie sei es eine ethische Abwägung gewesen. Zwar gibt es die Bombe, aber von der Atomenergie habe man in Deutschland etwa vierzig Jahre lang profitiert.

Die Turbulenzen von Wolken waren bereits eindrucksvoll in einem Experiment des MPIDS bei der Göttinger Nacht des Wissens 2015 zu sehen. Dort warf Bodenschatz mit seinen Mitarbeitern einen Laser an eine Hauswand und pustete Diskonebel hindurch. Unter dem Titel „Die Poesie der Wolken“ kamen damals ungewöhnliche und unberechenbare Strukturen zum Vorschein.

Unter dem gleichen Titel ist nun auf dem Videoportal Youtube ein etwa achteinhalb Minuten langer Film des MPIDS zu sehen, der die Arbeiten beschreibt, die dem Experiment im Schneefernerhaus vorangegangen sind. Auch Experimente in einer institutseigenen Halle und einem Windkanal in Göttingen sind in dem Film zu sehen.

Das Video gibt es unter: zu.hna.de/wolkenvideo

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