Universität Göttingen

Würdiger Schlussakt für die scheidende Uni-Präsidentin Beisiegel

Geschenke für die scheidende Uni-Präsidentin: Die Vize-Präsidentinnen und -Präsidenten beschenkten Prof. Dr. Ulrike Beisiegel – von Dr. Valérie Schüller (Mitte) gab es Blumen, von Prof. Dr. Norbert Lossau ein historisches Bild. Rechts Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne. Nicht im Bild: Prof. Dr. Andrea Bührmann und Prof. Dr. Ulf Diederichsen. Foto: Alciro da Silva

Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel hat in der Uni-Aula Abschied von der Universität genommen. Sie erhielt lange währenden Applaus.

Ulrike Beisiegel, „die bekannteste in den Reihen der deutschen Uni-Präsidentinnen und -Präsidenten“, so bezeichnet von ihrem Nachfolger auf Zeit, Reinhard Jahn, ist am Donnerstagabend in der Uni-Aula verabschiedet worden – zum Schluss mit einem fünfminütigen Applaus. Die etwa 300 Gäste erheben sich dazu. Ein würdiger und bewegender Moment für die 66-Jährige, die nach den Worten aller Festredner acht Jahre unermüdlich, hoch engagiert, voller Optimismus für die Universität Göttingen gearbeitet und einiges bewegt hat.

Vergnügungssteuer?

„Uni-Präsidentin, ist dieser Job vergnügungssteuerpflichtig?“, fragt die Interimsvorsitzende des Uni-Stiftungsrates, Barbara Ischinger. Eine Frage, die einen Fingerzeig impliziert. Denn zuletzt hatte Beisiegel unangenehme, unruhige Krisen-Zeiten nach dem zweiten Verpassen des Exzellenzstatus erlebt – inklusive Grabenkämpfe und öffentlicher Attacken aus der Professorenschaft.

Herausragende Verdienste

Ischinger betont – wie auch Vize-Präsidentin Dr. Valérie Schüller – die herausragenden Verdienste Beisiegels um die Wissenkommunikation in allen Bereichen, für Stadt und Region und über die Projekte Südniedersachsen Innovations Campus (SNIC ) und Nacht des Wissens. Beispiele seien auch die ausgeweiteten Kooperationen mit Hochschulen in Europa, den USA, aber auch Indonesien und China.

Volksnahe Präsidentin

Den Menschen in Göttingen war Beisiegel trotzdem nah. Ischinger bringt es auf den Punkt: Die Präsidentin sei im besten Sinne „volkstümlich und präsent“ gewesen. Manchmal, wenn sie sich mit ihrem oft gezeigten Lachen um Themen wie Nachwuchsförderung, Gleichstellung und Fundraising gekümmert habe, schien der Job vergnügungssteuerpflichtig, manchmal aber eben auch gar nicht, sondern eher vorbereitend für die schweren Aufgaben dieser Welt. Hannah Carlson singt danach bezaubernd Barbaras „Göttingen“. Ein leichter Moment.

Weiter eine starke Uni

„Die Zusammenarbeit war leicht“, sagt Stefan Treue, Direktor am Deutschen Primatenzentrum (DPZ). Er steht für die Innen- (Uni-Professor der Biologie) und Außenansicht (DPZ-Direktor). Ulrike Beisiegel habe den Profilierungsprozess der Uni vorangetrieben mit beeindruckender Intensität und starken Projekten, wie einer Zukunftswerkstatt.

Das Verpassen der Exzellenz habe die Uni 2011 keineswegs erschüttert. Im Gegenteil: Man könne stolz auf diese Universität, den Standort sein: Platz 4 im Ranking der Sonderforschungsbereiche und ein Spitzenplatz in der Statistik der Drittmitteleinwerbung kündeten nach wie vor von Stärke.

Die ließe sich laut Treue aber nicht allein daran und der Zahl der Publikationen festmachen. Der Göttingen Campus, das Zusammenspiel vieler Einrichtungen in Forschung und Lehre, funktioniere nämlich auch und vor allem wegen eines Faktors: „Am Ende tragen die Menschen den Campus, leben den Göttingen-Spirit.“ Den lebt auch Ulrike Beisiegel. In Reden hat sie ihn oft geschildert oder beschworen, je nach Bedarf.

Jahn: Nachfolger auf Zeit

„Das hat es früher hier so nicht gegeben“, sagt Reinhard Jahn bezüglich dieses besonderen Geistes. Der Spitzenforscher vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie wurde vor Jahrzehnten – wie seine Kollegen – von Uni-Professoren kritisch beäugt. Jahn, der es nun als Ehre ansieht, die Uni zeitweise leiten zu dürfen, betont auch, dass sie leistungsmäßig nicht abgefallen sei, in Rankings oft vor Exzellenz-Unis stehe.

Ein Dankes-Paket

Worte, die Ulrike Beisiegel gerne hört, die Balsam sind. In ihrer Rede bleibt sie sich treu, sie verteilt weder Seitenhiebe, noch zu viel Pathos: Die Präsidentin vermittelt stattdessen lieben ein großes Dankeschön an viele: von ihren „Vizes“ über Professoren, Fachleiter, die UMG, die Lehrenden, die Öffentlichkeitsarbeiter, ihren Stab im Vorzimmer und die Hausmeister sowie Fahrer. Ein feiner Zug, dieses Dankes-Paket. Ebenfalls, dass sie trotz einiger bitterer Erfahrungen, („das hat mich sehr getroffen“) darüber nur wenige Worte verliert. Sie dankt auch dem Land und der Staatssekretärin im Wissenschaftsressort, Dr. Sabine Johannsen, für die Unterstützung, die der Uni extrem geholfen habe nach dem Exzellenz-Aus 2012.

Nachts am Campus

Wie begeistert die Präsidentin bei ihrer Arbeit war, schildert Valérie Schüller: Eine Nachmittagssitzung auf dem Campus habe bis in die Nacht gedauert. Beim Gang über den Campus schwärmte Ulrike Beisiegel dann noch von "ihrer" Uni und der Staats- und Universitätsbibliothek. "Sie war begeistert, in wie vielen Arbeitsräumen noch Licht brannte, wie viele Studierende noch lernten", sagt Schüller.

Ulrike Beisiegel geht aufrecht – und wünscht ihrer Uni das Beste, vor allem im Erneuerungsprozess. Sie freut sich über das Geschenk aus dem Alten Botanischen Garten, den prachtvollen Blumenstrauß. Sie freut sich, während die Menschen im Saal lange und stehend applaudieren. Für das Foto überspielt sie das Gerührtsein mit einem Small-Talk.

Humorvoller Moment

Barbara Ischinger löst die Frage nach der Vergnügungssteuerpflichtigkeit auf: Nein, das sei der Job nicht. Reinhard Jahn stellt das übrigens unisono klar, und augenzwinkernd wünscht er Ulrike Beisiegel nun Neuanfänge und Überraschungen. Diese halte der Ruhestand bereit, „was ich gerade erfahren habe“. Ein humorvoller Moment. Am Ende resümiert die scheidende Präsidentin: „Es war eine gute Zeit in Göttingen.“ Und: „Ich werde sicher mal zurückkommen. Vielleicht werde ich ja auch mal eingeladen“, sagt sie keck.

Ein versöhnlicher, würdiger Abschied für eine Frau, die extrem viel hineingeworfen hat in ihre Arbeit, die bis zum letzten Tag fast alles für Ulrike Beisiegel ist, für die erste Frau, die die Göttinger Uni leitete.

VON THOMAS KOPIETZ

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