Trend bei Bestattungen

Zahl muslimischer Gräber in Niedersachsen steigt an

+
Grabfeld für muslimische Bestattungen: Der Friedhof Junkerberg in Göttingen bietet drei Grabfelder. Mehr als 100 Gräber sind dort zu sehen, die optisch gut erkennbar sind.

Göttingen/Hannover. In zahlreichen niedersächsischen Städten gibt es schon seit vielen Jahren Grabstätten für Muslime. Der Bedarf wächst.

Die Lage hat sich gebessert: Während viele Muslime derzeit noch in ihren Herkunftsländern beerdigt werden, ist die Erwartung, dass die Zahl der Beisetzungen in Deutschland künftig steigt. 2006 war das Bestattungsrecht in Niedersachsen geändert worden – seitdem ist es möglich, Tote auch nach islamischem Brauch ohne Sarg nur in einem Tuch zu beerdigen.

Städte auch in Niedersachsen setzen auf mehr muslimische Bestattungen: „Die meisten Friedhöfe stehen finanziell unter Druck“, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Aeternitas. Die Pflege leerer Grabfelder koste Geld, hierzulande halte der Trend zur kosten- und platzsparenden Urne an. Muslimische Bestattungen seien dagegen Erdbestattungen. Über ein Dutzend niedersächsische Städte haben inzwischen gesonderte Gräberfelder für Muslime eingerichtet. Seit 1989 schon gibt es in der Landeshauptstadt ein separates Gräberfeld, das mehrfach erweitert wurde. Wichtig ist unter anderem die Ausrichtung des Toten nach Mekka. Weit über 1000 Muslime wurden dort inzwischen beigesetzt.

So sieht die aktuelle Situation in niedersächsischen Städten aus

Die ältesten bekannten muslimischen Grabstätten aus dem Jahr 1693 finden sich in Hannover. Der Friedhof Hannover-Stöcken, wo es seit 1989 muslimische Gräber gibt, verzeichnete in den vergangenen Jahren eine deutliche Steigerung der Beisetzungen: von 49 im Jahr 2002 auf 104 im vergangenen Jahr. Die Fläche ist 33 000 Quadratmeter groß und bietet Platz für 2300 Gräber. Eine Erwachsenen-Ruhestätte ist dort drei Quadratmeter groß und in Gebetsrichtung nach Osten ausgerichtet. Seit 2010 ist auch eine besondere Art der Bestattung möglich: Anstelle eines Sarges dürfen auch Leinentücher verwendet werden.

Grabmal: Auf dem Friedhof Junkerberg in Göttingen-Weende gibt es auf der Westseite drei Grabfelder für muslimische Bestattungen, die zahlenmäßig stetig zunehmen.

Die Universitätsstadt Göttingen verzeichnet auf ihrem jüngsten Friedhof Junkerberg im Stadtteil Weende eine stetig steigende Zahl von muslimischen Beerdigungen, teilte Stadtsprecher Detlef Johannson mit. Seit 1996 finden dort Muslime in auf drei Gräberfeldern ihre letzte Ruhe.

In Northeim gibt es auf dem Hauptfriedhof ein muslimisches Abteil, wo im Januar 2014 die erste Beisetzung stattfand. Das Feld ist 50 mal 30 Meter groß und liegt im Osten der Anlage. 50 Gräber, die Richtung Mekka ausgerichtet sind, können entstehen. Bis heute wurden dort zwölf Menschen beerdigt. Nach Auskunft der Stadtverwaltung sind momentan drei weitere Grabstellen reserviert.

In der 250.000-Einwohner-Großstadt Braunschweig gibt es auf dem 1887 eingerichteten Hauptfriedhof seit 1994 ein Grabfeld für Muslime. „Es gibt einen steigenden Bedarf. Das liegt wohl daran, dass die dritte Generation der Menschen mit Migrationshintergrund nun vermehrt Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt sieht. Früher wurden die Toten oft überführt. Doch das nimmt ab“, sagt Guido Haas von der Friedhofsverwaltung. Auf 4500 Quadratmeter – das entspricht etwa einem halben Fußballfeld – gibt es in der Löwenstadt Platz für 600 Grabstätten. Wurden in den ersten zwei Jahren noch drei bis fünf Menschen pro Jahr bestattet, so liege die Zahl heute bei zehn bis zwölf Beerdigungen, sagt Haas.

Die Bistumsstadt Hildesheim (100.000 Einwohner) hat seit 1999 auf dem Nordfriedhof zwei Bereiche für Muslime eingerichtet. Dort gibt es 105 Ruhestätten, Tendenz steigend. „Die Nachfrage hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, sagt Stadtsprecher Dr. Helge Miethe. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.