Stadt und UMG keine Konkurrenten

Im ZDF: Heute-Journal berichtet über Impfzentren in Göttingen und trifft falsche Aussage

Hauseigenenes Impfzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG.
+
Hauseigenenes Impfzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Eine Charge Impfdosen kam bisher an.

Die Lage der Corona-Impfzentren in Göttingen wurde nun Teil eines TV-Berichts des „Heute-Journals“ (ZDF). Ganz richtig waren die dort getroffenen Aussagen nicht.

Göttingen - Das „Heute-Journal“ hat am Dienstagabend (26.01.2021) über eine „Impfproblematik“ in Göttingen berichtet. Im Fokus dabei: die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mit der eigenen Impfstraße für Mitarbeiter und das Impfzentrum Siekhöhe der Stadt.

Die UMG wäre gerne öffentliches Impfzentrum, hat das beim Land beantragt und könnte sieben Tage pro Woche impfen. Im TV-Bericht hieß es: Das Impfzentrum Siekhöhe wäre nur fünf Tage pro Woche geöffnet.

„Heute-Journal“ (ZDF) berichtet über Impfzentren in Göttingen - und trifft „falsche“ Aussagen

„Das ist falsch“, sagt der für die Siekhöhe zuständige Dezernent für Ordnung, Christian Schmetz. „Wir können am Wochenende impfen, wenn Impfstoff da ist.“ Das Land habe das Impfen an Sonn- und Feiertage erst vor wenigen Wochen erlaubt.

„Anders als der Landkreis, der das Wochenende ausgeschlossen hatte, haben wir von Anfang an gesagt, dass wir auch am Samstag impfen werden“, sagt Schmetz, der es generell „seltsam“ findet, aktuell – auch in einem TV-Bericht – das Fass Sonn- und Feiertagsimpfungen aufzumachen. „Die Debatten können wir führen, wenn wir über mehr Impfstoff verfügen. Aktuell könnten wir die eine Charge, die wir für zwei Wochen bekommen, an wenigen Tagen verimpfen.“

Impfzentrum Siekhöhe der Stadt Göttingen: Alles ist fertig - aber der Impfstoff fehlt.

Die UMG hatte sich in dem ZDF-Bericht über Vorstandssprecher Wolfgang Brück so positioniert, dass man sein betriebsinternes Impfzentrum gerne generell öffnen würde – und sieben Tage in der Woche impfen könne.

Corona-Impfungen in Niedersachsen: Kein Wettbewerb zwischen Stadt Göttingen und UMG

„Der Eindruck eines Wettbewerbs zwischen der Stadt Göttingen und der UMG bei den Impfungen trifft in keiner Weise zu“, weist Brück Interpretationsspielräume bezüglich des TV-Berichts zurück. Im Gegenteil, man arbeite eng zusammen. Die Stadt kümmere sich dem Landeskonzept folgend um die Datenverwaltung und Dokumentation der UMG-Impfungen. „Die UMG hat die Ärztliche Leitung des Impfzentrums Siekhöhe.“ Brück sagt auch: Man könne in der UMG am Wochenende impfen.

„Das Land wäre gut beraten, dieses Angebot anzunehmen“, rät Christian Schmetz dem Sozialministerium. Auch er betont die Zusammenarbeit mit der UMG, man denke gemeinsam, auch was die Impfstofflieferungen angehe. „Wir werden Impfstoff, der uns zur Verfügung gestellt wird, für die UMG und das Weender Krankenhaus (EKW) einsetzen müssen, vor allem für das Personal auf den Covid-Stationen.“

Das würde aber die eigenen Bestände strapazieren, sagt Schmetz. Deshalb habe die Krisenstabsleiterin der Stadt, Petra Broistedt an Ministerin Carola Reimann geschrieben und mehr Impfstoff für UMG und EKW gefordert. Das Land sehe aber bislang keine Sonderlieferungen für Krankenhäuser vor. „Wann die nächsten Lieferungen für weitere Impfungen kommen, ist weiterhin offen“, so auch Brück.

Alles hängt vom Corona-Impfstoff ab: UMG hat ungenutzte Kapazitäten für Kühlung der Impfdosen

Stimmig im ZDF-Bericht war, dass die UMG in der hauseigenen Apotheke im Ultratiefkühlschrank Kapazitäten und technische Möglichkeiten für eine optimale Kühlung der Impfdosen hat, diese aber vom Impfzentrum der Stadt nicht genutzt werden dürfen. Das müsse das Sozialministerium genehmigen, sagen Schmetz und Wolfgang Brück.

„Das ist bis jetzt noch nicht geschehen“. Dort könnte der Impfstoff länger lagern als im Trockeneis des eigenen Impfzentrums. „Er würde dann länger als zehn Tage halten.“ Dieser Gedanke von Schmetz ist Fantasie: Denn dann müsste die Stadt so viel Impfstoff bekommen, dass sie diesen nicht innerhalb der Frist verimpfen könnte.

Der UMG-Vorstand wartet weiter auf Grünes Licht für die generelle Öffnung des eigenen Impfzentrums. „Nach ersten positiven Signalen aus dem Ministerium gab es bislang keine Entscheidung“, so Brück, der auch sagt, dass „ein eigenes UMG-Impfzentrum große Vorteile für die logistische Abwicklung und zügige Umsetzung der Impfungen der UMG-Mitarbeitenden hätte – wenn denn Impfstoff bereitstünde“.

Niedersachsen: Uni-Klinik Göttingen benötigt 22.000 Corona-Impfdosen

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat mit der bislang einzigen Lieferung von 195 Impffläschchen etwa 1200 Mitarbeiter erstgeimpft – die Impfdosen für die Zweitimpfung nach 21 Tagen stehen bereit. „Ziel ist es, alle etwa 8500 Mitarbeitende der UMG, einschließlich der Tochtergesellschaften und 3500 Medizinstudierende zu impfen“, teilt UMG-Sprecher Stefan Weller auf Anfrage unserer Zeitung mit. Mit der Zweitimpfung wären das etwa 22.000 Impfdosen, die die UMG benötigt.

Geimpft wird in der UMG nach einem klar festgelegten Stufenkonzept. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes (RKI) hat eine Priorisierung vorgenommen. Die höchste Stufe 1 umfasst in der UMG mindestens 2500 Mitarbeitende. Zunächst können sich alle die, die unmittelbar in der Notaufnahme und auf den Normal-, Intermediate Care- und Intensivstationen mit COVID-19-Patienten arbeiten, impfen lassen. Dafür fehlen nach der bislang einmaligen Lieferung noch etwa 1500 bis 2000 Impfdosen für die Erstimpfung in Priorität 1.

Corona-Impfungen für Klinik-Mitarbeiter in Göttingen: „Der Wunsch nach sofortiger Impfung ist groß“

Die Impfbereitschaft unter den Mitarbeitern sei hoch, liege etwa bei 90 Prozent, teilt Weller mit. Viele an der UMG, wie auch in anderen Kliniken auch, würden sich zeitnah impfen lassen wollen. „Der Wunsch nach sofortiger Impfung ist groß, darunter gibt es etliche fordernde Stimmen“, sagt Weller. „Für ein Klinikum der Maximalversorgung mit täglichem Kontakt und der Versorgung von COVID-19 Patienten ist das völlig verständlich.“

Aber: Die UMG hat dennoch nur eine begrenzte Menge von Impfstoff erhalten. Im Haus organisiert eine eigens für das Impfen eingerichtete „Task Force“ die Impfung und regelt die Prioritätenabfolge der zu impfenden Beschäftigten. „Das erfordert eine hohe Disziplin, Einsicht und Geduld.“

„Wann die nächste Lieferung für die weiteren Impfungen kommen, ist weiterhin offen“, sagt Vorstandssprecher Wolfgang Brück. Zufrieden klingt er dabei nicht. Weitere Informationen zu Corona in Niedersachsen und dem Stand der Corona-Impfungen in Niedersachsen gibt es im jeweiligen News-Ticker. (Thomas Kopietz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.