"Ein wichtiger und verlässlicher Partner"

Zeichen gegen Rassismus: Köhler besucht Ditib-Gemeinde

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler bei der Ditib Gemeinde in Göttingen: Das Stadtoberhaupt machte in seiner Ansprache deutlich, dass der Islam zur Uni-Stadt gehört. Foto: von Polier

Göttingen. Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler hat am Freitag die Ditib-Moschee am Königsstieg besucht.

Anlass des Besuchs waren die Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 16. bis 29. März. Ditib-Religionsbeauftragter Mustafa Keskin begrüßte Köhler und betonte vor etwa 150 Mitgliedern der Gemeinde, dass man heutzutage mit Terror, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vielfältigen Problemen ausgesetzt sei, die man gemeinsam bekämpfen müsse. „Terror und Gewalt haben keine Religion, Sprache oder Heimat, stattdessen ist es eine menschliche Schuld, egal von wem sie kommt“, sagte Keskin.

Auch Köhler sprach sich für ein engeres Miteinander aus, da „auch in Göttingen Ausgrenzung und Diskriminierung zur täglichen Realität“ vieler Menschen gehöre, wovor man nicht die Augen verschließen dürfe.

„In Göttingen leben Menschen aus 161 Nationen“, sagte Köhler. Daher „setzen wir uns für gleichberechtigte Teilhabe dieser Menschen am gesellschaftlichen Leben ein“. Das habe der Rat der Stadt Göttingen im kommunalen Integrationskonzept beschlossen, sagte Köhler. „An der Umsetzung des Konzeptes arbeiten das Büro für Integration und die islamische Gemeinde“.

Auch auf Vorurteile gegenüber dem Islam ging Köhler ein: „Mindestens die Hälfte der Deutschen empfindet den Islam als bedrohlich. Diesem Vorurteil müssen wir durch Aufklärung und eine Kultur der Offenheit begegnen.“ Es gehe dabei vor allen Dingen um Anerkennung statt Ausgrenzung und um Verstehen statt Unverständnis.

Köhler lobte die Arbeit der Ditib-Gemeinde in Göttingen: „Die türkisch-islamische Gemeinde Göttingen gibt es seit nunmehr 30 Jahren in unserer Stadt. Sie ist um den Prozess zu mehr Integration und Zusammenarbeit ein wichtiger und verlässlicher Partner.“

Ständiger Dialog 

Dabei habe die Gemeinde von Anfang an den Dialog mit anderen Menschen gesucht. An dieser Tradition werde seitdem festgehalten. „Dafür gibt es eine Menge hervorragender Beispiele, von denen eines am Ende sogar zur Gründung des runden Tisches der Religionen Abrahams geführt hat.“

Gegen Ende seiner Rede nutzte Köhler einen Satz, den auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck in ähnlicher Form geprägt haben: „Natürlich, die muslimischen Mitbürger und der Islam gehören zu Göttingen, so wie auch das Judentum zu Göttingen gehört.“ Nur durch Begegnung wachse Vertrauen.

Hintergrund

Der UN-Gedenktag am 21. März und die Internationalen Wochen gegen Rassismus gehen zurück auf den 21. März 1960.

An diesem Tag demonstrierten Menschen in Südafrika gegen die Passgesetze des Apartheid-Regimes, die eine scharfe Trennung von Wohn- und Geschäftsbezirken für Weiße und Schwarze vorsahen.

Die Polizei trat der Demonstration entgegen, woraufhin eine blutige Auseinandersetzung entstand, bei der 69 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt wurden.

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