Gerüchte wurden Realität

Zeiss: 215 Stellen in Göttingen fallen weg

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Noch arbeiten etwa 650 Menschen bei Carl Zeiss in Göttingen: Im Werk in der Königsallee in der Weststadt und nahe der Kasseler Landstraße (rechts) wird aber ausgedünnt. 

Göttingen. Die Gerüchte sind Realität geworden: Die Carl Zeiss AG (Oberkochen) hat einen massiven Stellenabbau am Standort Göttingen angekündigt. Dort sollen laut Unternehmen 215 Stellen wegfallen.

Einige Mitarbeiter sollen einem Auflösungsvertrag zugestimmt haben, andere werden zu anderen Zeiss-Standorten wechseln.

Der Aufsichtsrat der Carl-Zeiss AG hatte am Donnerstag getagt. Informationen an den Betriebsrat seien am Freitag herausgegangen.

Momentan arbeiten bei der Zeiss-Tochter Microscopy GmbH, die vorwiegend Spezialteile für Mikroskope fertigt, 650 Beschäftigte. Am Ort soll nur noch die Fertigungsabteilung bleiben.

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Zeiss begründete den Stellenabbau mit einer erforderlich gewordenen „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“.

Für Göttingen sei ein derart großer Verlust von Arbeitsplätzen „ein schwerer Schlag“, sagte ein Sprecher von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Die Stadt könne nur hoffen, dass Zeiss jetzt „eine Konsolidierung des Standortes“ gelinge.

Auch der Landkreis Göttingen kommentierte die Entscheidung mit großem Bedauern und Unverständnis. Landrat Bernhard Reuter (SPD) kann die Entscheidung nicht verstehen. „Die Entwicklungsabteilung in Göttingen zu schließen, halte ich für falsch – für das Unternehmen und den Standort.“

In Göttingen sei eine starke Anbindung von Industrie und Wissenschaft, somit von Forschung und Entwicklung, gegeben. Beides sei nicht nur für die Produktentwicklung, sondern auch für die Gewinnung hochqualifizierter Fachkräfte unabdingbar. „Ich halte die Entscheidung für nicht durchdacht.“

Auf der Internet-Seite wirbt Zeiss gerade mit dem Zusammenspiel von Forschung und Wirtschaft für den Standort Göttingen: „44 Nobelpreisträger haben in Göttingen gewirkt oder sind aus der Universitätsstadt hervorgegangen – kein Wunder also, dass die Stadt im südlichen Niedersachsen ein Treffpunkt für Industrie und Wissenschaft geworden ist. Mit der Carl Zeiss Microscopy folgen wir diesem Trend, schließlich haben unsere Mikroskope von jeher ihren Beitrag zur Wissenschaft geleistet und namhaften Nobelpreisträgern zu Ruhm und Ehre verholfen.“

Landrat Bernhard Reuter kritisiert die Geschäftsleitung dafür, dass sie vorher nicht das Gespräch mit politischen Verantwortlichen am Standort Göttingen gesucht hat. Reuter kündigt an, auf die Geschäftsführung der Carl Zeiss Microscopy GmbH in Göttingen zuzugehen. „Ich will mir die Gründe für die Entscheidung erläutern lassen und die Unterstützung des Landkreises anbieten.“ (tko/dpa)

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