Aerolastiker des DLR

Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen: Tests mit der Beluga XL 

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Riesending: Die Testmannschaft des: Deutsches Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Göttingen vor dem Riesen-Transporter Airbus Beluga XL. Die Wissenschaftler untersuchen das Schwingungsverhalten und das Begeverhalten der Tragflächen.  

Göttingen. Die Beluga XL, Nachfolger der Beluga, ist sicher nicht das anmutigste Flugzeug der Welt, kein Model der Lüfte, aber sie wird für den Airbus-Konzern, unverzichtbar sein.

Als Transporter für die Teile zwischen den verschiedenen Produktionsorten wie Toulouse und Hamburg. Bevor die Beluga XL Teile schleppt, stehen für sie noch Tests an der Belastungsgrenze auf dem Programm, um den Flieger zu optimieren.

Beteiligt sind Techniker des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen aus dem Bereich Aeroelastik. Im Team arbeiten sie mit Kollegen des französischen Forschungszentrums für Luft- und Raumfahrt (ONERA).

Acht Tage Tests

Die Beluga XL prüfen sie bei Standschwingungsversuchen im südfranzösischen Toulouse. Bis zum 6. Juni musste sich die Beluga – beladen und unbeladen – acht Tage lang den Tests stellen. Es geht dabei um die Aeroelastik, die Frage, wie elastisch Flugzeuge sind – und generell um die Wechselwirkungen von Flugzeug und strömender Luft. Zu sehen ist das für Passagiere wunderbar, wenn sich im Flug die Tragflächen im Flug – besonders bei Turbulenzen – nach oben biegen, was normal und notwendig ist, um das Flugzeug zu tragen.

Göttinger weltweit Spitze

Im Bereich der Aerolastik sind die Göttinger Experten zu Hause und weltweit Spitze. Erfahrung haben sie: Seit den 1920-er Jahren forscht man am Standort mit Flugzeugen und Modellen. Während aber früher noch Sandsäcke auf Tragflächen für Tests gelegt wurden, werden heute sämtliche Belastungen in Superrechnern durchgespielt.

Forschungsobjekt Flieger: Die Wissenschaftler untersuchen den Airbus Beluga XL. Foto: DLR/nh

100 Studenten und Wissenschaftler forschen in der Aeroelastik in Göttingen. Gearbeitet wird mit maßstabsgetreuen Modellen – auch im Windkanal – und mit den Original-Fliegern.

Die Standschwingungsversuche sind ein wichtiges Element in der Erprobung von Prototypen. Sie liefern wichtige Daten für die weitere Entwicklung, lassen Rückschlüsse auf bisherige Planungen und Modelle zu, liefern Prognosen von Schwingungsamplituden und können gefährliche Flatterrisiken im Flug verhindern helfen.

Gefahr Aufschaukeln

Denn Flugzeuge, aber auch Brücken oder Anhänger, können sich durch Schwingungen aufschaukeln und letztlich bersten, wie bei Brücken geschehen. Dabei handelt es sich um eine Eigendynamik, die aber durch eine Fremdeinwirkung wie Wind verursacht werden kann. Letztlich geht es also darum, zu bestimmen, wie elastisch Flugzeuge sind und sein müssen, um auftretende Schwingungen schadlos überstehen zu können.

20 Airbus-Typen getestet

Die Standschwingungsversuchen von ONERA- und DLR-Technikern haben Tradition beim europäischen Flugzeugbauer, zehn Airbus-Prototypen, darunter A 320neo, A 350-900 und A 380, wurden von dem deutsch-französischen Techniker-Team geprüft, bevor sie in die Serienfertigung und den Einsatz gehen konnten.

7000 Meter Kabel

Der Aufwand ist hoch: Die Beluga XL statteten sie mit 600 Sensoren, 7000 Meter Kabel und 300 Meter Glasfaserkabel an Rumpf, Leitwerk, Triebwerken und Tragflächen aus. Dann wurde der Riesenvogel künstlich erzeugten Vibrationen ausgesetzt. Die Tests seien planmäßig verlaufen, die Zusammenarbeit war hervorragend, meldet das Göttinger DLR. Das ist ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der Göttinger Forscher, aber auch für die europäische Zusammenarbeit.

Das Flugzeug Beluga XL

Basis für den neuen Riesentransporter mit seinem extrem nach oben gewölbtem Körper ist das Frachtflugzeug A 330-200.

Der Test fand mit dem ersten Flieger von fünf geplanten Beluga XL-Flutgzeugen statt. Es soll im noch Sommer 2018 zum Erstflug abheben und dann 2019 in Dienst gestellt werde. (tko)

Der Beluga-Test Im Film:

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