Ziel: Mehr und höhere Häuser für neuen Wohnraum in Göttingen

+
Verdichtung der zentralen Lagen, aber wie? Es diskutierten: (von links) Architekt Tore Pape (Kassel), Moderator Nils Ballhausen (Bauwelt Berlin), Beat Suter (Metron AG, Schweiz), Heike Klankwarth (Volksheimstätte Göttingen), Moderator Sebastian Redecke (Bauwelt Berlin) und Thomas Dienberg (Stadtbaurat Göttingen).

Göttingen. Die Stadt Göttingen wird den Bedarf an rund 2500 Wohnungen in zentralen Lagen bis 2025 nur erfüllen können, wenn sie den Weg der Bebauungsverdichtung nutzt.

Das wurde in einer Diskussionsveranstaltung unter der Überschrift „Raumreserven im Wohnort Stadt“ im Alten Rathaus deutlich, zu der der Städtebaubeirat Göttingen Experten eingeladen hatte.

Vor 300 Zuhörern sagte Göttingens Baustadtrat Thomas Dienberg, die Stadt sei gezwungen diesen Schritt zu machen, weil es nur für etwa 50 Prozent der erforderlichen Wohnungen Flächen gebe. Er forderte eine breit angelegte Debatte über diese Frage, um das Ziel Bauen und Gestalten bei hoher Qualität zu erreichen.

Nachbar ist der Feind

Der Fachmann für Verdichtung von städtischen Räumen, Beat Suter, Geschäftsführer der in der Schweiz ansässigen Metron Raumentwicklung AG, brachte das größte Hindernis bei der Realisierung dieses Frage auf eine kurze Formel: „Der größte Feind der Verdichtung ist der Nachbar, denn im Kontext von Eigentum funktionieren die Leute oft irrational.“

Deshalb rät er zu viel Überzeugungsarbeit. „Man kann noch so gut planen, am Schluss gibt es eine Einsprache des Nachbarn. Wir müssen deshalb das Volk und die Mehrheit gewinnen.“

Die Schweizer Kommunen setzen dabei nicht auf die großen Investitionen sondern auf die Verdichtung in kleinen Schritten, angefangen bei der Vergrößerung von Einfamilienhäusern, über Aufstockungen von vorhandenen Geschosswohnungen bis zu zur Lückenbebauung mit Geschosswohnungen.

Dabei wollen Politik und Verwaltung auch Tabus angehen. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) sagte bei der Begrüßung, dass sich die Stadt der Frage stellen müssen, wie hoch sie bauen wolle. Dienberg votierte dafür, auch über die Nutzung von Kleingartengebieten für die Wohnbebauung zu diskutieren.

Wie wichtig eine breit angelegte Debatte über Verdichtung ist, zeigen zwei Göttinger Verdichtungsprojekte: Das Negativbeispiel ist die Umgestaltung des Geländes des ehemaligen Instituts für den Wissenschaftlichen Film am Nonnenstieg, das unter anderem wegen des Widerstands aus der Bevölkerung gescheitert sei.

Positivbeispiel

Das Positivbeispiel ist die rund 70 Wohnungen umfassenden Wohnanlage der Göttinger Volksheimstätte am Windausweg, die nach langen Diskussionen inzwischen realisiert und akzeptiert ist. (zhp)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.