Ein Treffen der Welten

Zirkus Charles Knie: Gespräch zwischen Tierschützern und Dompteuren 

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Trafen sich zu einem Gespräch: (von links) Charles-Knie Zirkusdirektor Sascha Melnjak, Tierschützer Robert Körner, Domteur Marek Jama und Veganerin Leonie Seegert.

Göttingen. Es war wie ein Treffen der Welten, als Tierschützer und Zirkusleute am Montag in Göttingen zu einem offenen Gespräch zueinander fanden.

Für die Einen ist eine Welt mit Wildtieren in der Manege ein Gräuel, unnatürlich und Quälerei - für die Anderen ist die Arbeit mit den Tieren das Natürlichste der Welt, „gewaltfreier als ein Leben in der Natur“ und eine Show ohne Tiere undenkbar.

Wenn sich diese zwei Fronten gegenüber stehen, herrscht nicht selten eine gereizte Grundstimmung. Anders in Göttingen - nach ein paar Sätzen wich die anfängliche Anspannung einer konstruktiven Diskussionsrunde, in der beide Seiten ihren Standpunkt vertreten konnten. Zwar fand sowohl die Tiershow im Zirkus, als auch die Mahnwache davor statt - doch war die Bereitschaft einander Gehör zu schenken, ein großer Schritt.

Aber von vorn: Etwa 100 Zirkusgegner protestierten am Montag gegen die Haltung von Wildtieren im Zirkus Charles Knie, der seit Freitag am Göttinger Schützenplatz gastiert. Die Facebook-Initiative „Zirkus ohne Wildtiere“ hatte zu der Mahnwache gegenüber dem Zirkus aufgerufen. Initiatorin war die 18-Jährige Leonie Seegert aus Göttingen. Anlass waren die Vorwürfe von Tierrechtsorganisationen, die dem Zirkus einen rücksichtslosen und tierquälerischen Umgang mit den Elefanten vorwerfen. Der Zirkus selbst hingegen wirbt offensiv mit seiner Tiershow und weist die Vorwürfe zurück.

Ohne brennende Reifen

„Die Zeit der brennenden Reifen ist vorbei“, sagt Zirkuschef Sascha Melnjak. Der Zirkus habe sich geändert, beteuert der 40-Jährige - alles sei im Wandel, tierfreundlich und gewaltfrei.

Mahnwache: Friedliche Demonstration vor dem Zirkus Charles Knie. Im Anschluss wurde ein Strafantrag gegen zwei Teilnehmer gestellt, die Zirkusplakate zerstört hatten.

„Aber was ist mit den auf Youtubeveröffentlichten Videos, die deutliche Verhaltensstörungen - dem sogenannten Elefantenweben - ihrer Tiere zeigen?“, grätscht Tierfreund Robert Körner dazwischen. „Ganz einfach, die Elefanten sind nicht Teil des zirkuseigenen Tierbestandes“, erklärt Melnjak. Sie stammen von einer italienischen Elefantenfarm und gehen nach der Saison wieder dorthin zurück.  Auf die Frage, wie dann deren Gesundheitszustand beurteilt und gewährleistet werden könne, antwortet Exoten-Dresseur Marek Jama: „Solange die Tiere bei uns sind können wir dafür garantieren. Aber wenn ich Friseur wäre, könnte ich auch nur dafür garantieren, dass meine Arbeit zu ihrer Zufriedenheit ist, nicht die des Kollegen.“

Natürlich gebe es überall „schwarze Schafe“ - aber dafür sei der Berufsverband der Tierlehrer gegründet worden, um Missstände zu regulieren und sich mit Fragen der tierschutzgerechten Haltung auseinander zu setzen.

Argumente der Tierschützer, dass Tiere im Zirkus unter Zwang agieren müssen, nie die Freiheit kennenlernen dürfen und in zu kleinen Stallungen untergebracht werden, stießen hingegen auf Unverständnis.

Und so kam es zwar am Montagabend zu einem konstruktiven Gespräch, von einer Einigung sind beide Seiten aber (noch) weit entfernt.

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